Basketball beim MTV war immer mehr als nur das Klickern

Basketball beim MTV war immer mehr als nur das Klickern

Er gehörte zur Meistermannschaft 1975, er war Junioren-Nationalspieler, B Nationalspieler, behandelte den Basketball mit der linken Hand so sicher wie mit der rechten und war ein echtes MTV-Eigengewächs: Henner „Schnuppi“ Weigand gehörte in den frühen siebziger Jahren zu einer Mannschaft, ohne die der MTV 1846 Gießen kaum vorstellbar gewesen wäre.

„Schnuppi“, Jahrgang 1951, erinnert sich, „eigentlich schon immer beim MTV“ gewesen zu sein. Die Familie trieb Sport, zeitgemäß vor allem Faustball. Aber wer zur MTV-Familie gehörte, betrieb eben nicht nur eine Sportart. Als Nachwuchs-Faustballer schnupperte Henner Weigand auch bei den Handballern rein. Von da war der Sprung zum Basketball ein kleiner, zumal Pimpf Henner Anfang der Sechziger seine ersten Spiele der Großen als Tribünengast beobachtete und 1965 sogar das legendäre Meisterschaftsfinale in Heidelberg live miterlebte.

Walter Isheim war sein erster Trainer. Aber der war für die Heranwachsenden („Wir waren vor allem spitz aufs Klickern“) eigentlich hauptsächlich derjenige, der ihnen die Halle aufschloss. Gemeinsam mit Theo Strack, seinem Bruder Dieter, Jörgi Bernath, Kalli Ampt, Roland Peters, Jochen Decker kam dann auch für „Schnuppi“ Weigand der sportliche Entwicklungsschub, als Bernd Röder sich der jungen Kerle annahm. „Bernd war nicht gerade wie ein Ersatzvater, aber doch wie ein großer Freund für uns. Wir haben nicht nur basketballerisch viel gelernt, sondern sind auch zusammen gewandert, haben die Freizeit gemeinsam verbracht.“

Mit Schnuppi auf der Spielmacherposition holte der Nachwuchs in jeder Altersklasse Titel. Henner stieß bereits in seinem letzten Jahr als Juniorspieler 1969 zu den Aktiven und stritt sich in den Folgejahren mit seinen alten und neuen Kollegen im Rückraum um Einsatzzeiten: „Da war schon ein jahrelanger Konkurrenzkampf unter den Spielmachern.“ Mal musste Weigand, dessen Qualitäten neben seiner Beidhändigkeit vor allem im Blick für den freien Mann, seinem Tempo und seinem Zug zum Korb lagen, frustriert zurückstecken wie unter Coach Lakfalvi. Dann lief es wieder besser für den heutigen Lehrer an der Wiesecker Friedrich-Ebert-Schule. Ein Achillessehnen Abriss warf ihn zurück, weshalb er schließlich ein Jahr nach der 75er-Meisterschaft dem Bundesliga-Basketball Adieu sagte.

Was jedoch längst nicht bedeutet, dass er mit dem Basketball überhaupt aufhörte. Henner Weigand spielte zum „cool down“ noch einige Jahre in Krofdorf und jagt auch heute noch bei den Alten Herren vom VfB 1900 V der Lederkugel nach. Und vor allem trifft er sich regelmäßig mit einer ganzen Reihe früherer Mannschaftskameraden. „Das Positivste, was ich aus der Sportzeit mitgenommen habe, sind die engen Freundschaften. Mit Jörgi Bernath und Familie fährt die Familie Weigand gemeinsam in Urlaub, Jochen Decker gastiert mit seiner Familie ebenso bei Weigands in Alten Buseck, wann immer sie in Gießen sind wie Bobby Minor. Und wohl auch, weil ihm das Gemeinschaftliche an seinem Basketball heute ein bisschen zu kurz kommt, sieht der frühere Nationalspieler das heutige Bundesliga-Geschehen aus der Distanz: „Ich verfolge es mit Interesse, aber insgesamt habe ich Abstand gewonnen, weil das doch immer mehr zur Show wird.“

Text: Wolfgang Lehmann

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