Beherzte 46ers können Halbzeitrückstand nicht mehr drehen – Mittelhessen unterliegen Titelverteidiger mit 92:106

Foto: Hanne Rauchensteiner

Beherzte 46ers können Halbzeitrückstand nicht mehr drehen – Mittelhessen unterliegen Titelverteidiger mit 92:106

An diesem Sonntagnachmittag war das Gebot, dass der Pokal seine eigenen Gesetze hat, außer Kraft gesetzt. Denn die GIESSEN 46ers konnten im neu-modifizierten BBL Pokal beim Titelverteidiger FC Bayern München keine Überraschung einfahren. Die Mittelhessen gerieten von Anfang an in Rückstand und mussten sich dem treffsicheren Deutschen Meister mit 106:92 geschlagen geben. Vor allem die magere Ausbeute von jenseits der Dreipunktelinie ließ die Mannen von 46ers-Cheftrainer Ingo Freyer in der ersten Halbzeit (18%) verzweifeln. Dennoch zeigten die Mittelhessen, angeführt von ihrem Kapitän John Bryant (18 Punkte, 7 Rebounds), eine beherzte zweite Halbzeit und gewannen diese mit 59:46. Doch diese Energieleistung konnte das Pokal-Aus nicht verhindern.

Auch im BBL Pokal blieb sich 46ers-Cheftrainer Ingo Freyer treu und stellte seine bewehrte Starting-Five beim haushohen Favoriten auf. So waren die beiden Ex-Bayern John Bryant und Brandon Thomas, sowie Spielmacher Siyani Chambers, Larry Gordon und Benjamin Lischka dabei. Auf der Gegenseite verzichtete der FC Bayern auf seinen NBA-erfahrenen Neuzugang Derrick Williams. Stattdessen berief Headcoach Dejan Radonjic folgende fünf zum Start: Stefan Jovic, Petteri Koponen, Vladimir Lucic, Danilo Barthel und Devin Booker.

Der Favorit aus der bayerischen Landeshauptstadt legte gleich den Turbogang ein und ging durch Barthel, Koponen, Jovic und Booker mit 10:2 (2.) in Führung. Den 10:0-Lauf der Bayern stoppten die Gießener mit einem schnellen vorgetragenen Angriff, den Lischka vollendete (4:10, 4.). Die schwarzgekleideten Gäste behielten fortan die Übersicht in ihrer Defense, konnten sich aber in der Offense nicht mit erfolgreichen Würfen belohnen. Als dann Freiwürfe von Gordon fielen, waren die Münchner ebenfalls wieder in Person von Jovic (3/3) zur Stelle und ließen den Abstand wieder anwachsen (15:8, 5.). Cheftrainer Freyer reagierte auf den Bayern-run und beraumte ein Timeout an. Die Auszeit schien den Gießener zwar in der Folgezeit Offensiv etwas Aufschwung zu geben, wie Bryant per Freiwürfe und Max Landis mit Drive zum Korb zeigten – aber die Bayern waren durch Hobbs und Lucic weiterhin treffsicher unterwegs (23:12, 7.). Spielerisch hielten die 46ers dennoch beherzt dagegen, so zog Thomas energisch zum Korb und legte in die Reuse ab. Die darauffolgende Offensiv-Szene beendete Landis von Downtown sicher. So ging es für die Gießener mit einem 17:28 aus dem 1. Viertel.

Das zweite Viertel begannen die Bayern wieder sehr konzentriert und zwangen die Mittelhessen zu Fehlern, die zu einem 4:0-Run führten (34:17, 11.). Der gebürtige Gießener Lischka brach die Phalanx der Bayern zwar mit zwei verwandelten Freiwürfen, jedoch behielten die Bayern durch Koponen das Heft des Handelns in der Hand. Einzig Lischka war dem Zielwasser hold und punktete für die 46ers per Dreipunktewurf (22:39, 14.). Nach einer Auszeit von Cheftrainer Freyer waren es wiederum die Münchner, die hellwach waren und Gießen durch Koponen sowie Barthel bestraften (44:22, 15.). Die 46ers hatten zu diesem Zeitpunkt nur einen sicheren Punktelieferanten mit Lischka aufzubieten (24:44, 15.). Zum eifrigen Punktesammler gesellte sich Mitte des 2. Viertels Landis mit Korbleger zum 26:46 (16.). Doch die breitaufgestellten Bayern regierten mit Nemanja Dangubic, Barthel und Hobbs, was einen 6:0-Lauf gegen die Mittelhessen bedeutete (50:26, 18.). Während Kapitän Bryant und Landis wieder mal Fahrkarten für die 46ers lösten, waren es doch die vielen vergebenen Chancen, die zum deutlichen 33:60-Halbzeitrückstand führten.

In der zweiten Halbzeit präsentierte sich der Titelverteidiger anwesend, doch auch die Herausforderer aus Gießen zeigten sich aufmüpfig. Während Booker per Korbleger versenkte, war Chambers auf der Gegenseite mit einem Dreier erfolgreich (36:62, 21.). Die Mittelhessen waren durch diesen frühen Dreier beschwingt. Erst Bryant auf Lischka, anschließend assistierte Gordon auf den Power Forward. Diesen vier Zählern von Lischka wollte Bryant in Nichts nachstehen und so zog Bryant von Downtown ab (43:67, 24.). Kampf und Einsatz stimmten auf Seiten der 46ers, doch die einfachen Dinge machten die Gastgeber durch ihre individuelle Klasse von Koponen und Booker merklich besser (70:43, 25.). Doch die Mittelhessen waren gewählt sich dagegen zu stemmen. Landis verwandelte einen Dreier vorne und Gordon blockte fabulös Lo vor dem eigenen Korb (46:73, 27.). Gießen gestaltete dieses Viertel weiter ausgeglichen. Besonders konnten nun die Distanzwürfe, wie der von Jeril Taylor, erfolgreich versenkt werden (49:76, 28.). Die Schlussminuten gehörten Rookie Max Montana, der acht Zähler in Folge markieren konnte und so Bayern-Headcoach Dejan Radonjic zur Auszeit zwang (57:77, 29.). So ging dieser dritte Abschnitt dank eines Buzzerbeater von Taylor mit 27:22 an die Gießener. Zu Viertelende stand es 60:82 aus mittelhessischer Sicht.

Ex- Gießener Hobbs und der amtierende 46ers Taylor waren gleich im letzten Viertel zur Stelle und versenkten jeweils ihre Dreier. Aufgestachelt von der Aktion Taylors war auch der junge Montana, der es ihm gleich tat und einen weiteren Wurf von Downtown in die Reuse brachte (66:87, 32.). Für die Gießener ging es weiter – Thomas mit Sprungwurf aus der Halbdistanz und der munter scorende Taylor sorgten für weitere Akzente zum 72:90 (33.). Dass gefiel dem FCBB-Headcoach überhaupt nicht und so versammelte er seine Mannschaft für eine Standpauke. Doch Montana & Co. blieben im Angriffsmodus und waren von außen präzise (75:92, 34.). Es hatte alles Hand und Fuß im guten 46ers-Spiel. Thomas mit Inside-Pass auf Bryant, der geschickt mit Fadeaway-Jumpshot auf 77:92 stellte (35.). Doch der beherzte Auftritt der Gießener sollte seinen Tribut kosten. Der treffsichere Montana musste mit fünf Fouls das Parkett verlassen – mit Taylor, Lischka und Landis waren gleich drei 46ers mit vier Fouls belastet. So gerieten die Mittelhessen in Foultrouble was Lucic mit einem 6:0-Lauf für seine Farben nutzte (98:77, 36.). Aber nichtsdestotrotz machten die 46ers weiter und zauberten einen 9:0-Run auf die Anzeigetafel. Diesmal waren Thomas, Bryant und Landis für bayerische Bauchschmerzen zuständig (86:98, 38.). Am Ende einer starken zweiten 46ers-Halbzeit gingen die Mittelhessen mit einer 90:106-Niederlage vom Parkett.

Ingo Freyer (Cheftrainer GIESSEN 46ers): „Erstmal Glückwunsch an den Coach und den FC Bayern München. Wir haben in der ersten Halbzeit leider zu ehrfürchtig gespielt: Du kommst nach München in eine große Halle und du weißt, sie spielen Euroleague – das wissen meine Spieler auch alle. Wir können natürlich auch so spielen wie in der zweiten Halbzeit – mit sehr viel Selbstvertrauen und mit unserem Spiel, so wie wir es spielen wollen. Das konnten wir in der ersten Halbzeit nicht umsetzen, deshalb lagen wir so weit hinten. Umso erfreulicher ist es, dass wir vor allem uns selbst gezeigt haben, dass es geht. Es ist nicht so, dass München einen Gang zurückgeschaltet hat, das fällt einem dann immer sehr leicht zu sagen. Von daher bin ich ganz froh, wie die zweite Halbzeit gelaufen ist. Es ist natürlich schade, dass das im Pokal ein Do-or-die-Spiel ist und wir das vermeintlich schwerste Los in der Liga gezogen haben. Wir wären gerne eine Runde weiter gekommen, aber wir konzentrieren uns jetzt auf das nächste Punktspiel gegen Bremerhaven.“

Dejan Radonjic (Cheftrainer FC Bayern Basketball): „Wir haben besonders in der ersten Halbzeit ein gute Partie abgeliefert und uns so den Sieg gesichert. In der zweiten Halbzeit fanden wir nur phasenweise zu unserem Spiel zurück. Die Gießener zeigten ihre offensiven Qualitäten, aber letztendlich konnten wir in die nächste Runde einziehen.“

FC Bayern Basketball – GIESSEN 46ers 106:92 (60:33)

Viertelergebnisse: 28:17, 32:16, 22:27, 24:32

FC Bayern Basketball: Nemanja Dangubic (13 Punkte), Braydon Hobbs (12), Alex King, Petteri Koponen (11), Leon Radosevic (8), Vladimir Lucic (16), Maodo Lo (10), Robin Amaize, Stefan Jovic (8), Danilo Barthel (17), Marvin Ogunsipe (2), Devin Booker (9)

GIESSEN 46ers: Siyani Chambers (3), Bjarne Kraushaar, Jeril Taylor (13), Mahir Agv, Max Montana (14), Max Landis (17), Benjamin Lischka (13), Larry Gordon (4), Brandon Thomas (10), John Bryant (18)

Zuschauer: 3.890

Nächstes Spiel: Sa., 13.10.2018, 18:00 Uhr: GIESSEN 46ers – Eisbären Bremerhaven

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