Burkhard Ehrlich – Damit die Mannschaft nicht so einsam war

Burkhard Ehrlich – Damit die Mannschaft nicht so einsam war

Wer es in einer Sportart einmal bis zu einem deutschen Meistertitel gebracht hat, den begleitet seine Leidenschaft oft ein Leben lang. Einer der sein Scherflein zum Gewinn des ersten nationalen Titels der Gießener Basketballer in der Spielzeit 1964/65 beitrug, heute aber völlig weg ist vom Basketball-Stoff, ist Burkhard Ehrlich.

Vielleicht liegt das daran, dass der vor 58 Jahren in Gießen geborene Ehrlich zunächst auch gar nicht unbedingt Basketball spielen wollte. Mit seinen 1,96 Metern Körpergröße widmete sich der Landgraf-Ludwig Gymnasiast zunächst dem Handballsport beim MTV 1846 Gießen. Erst als A-Jugendlicher wechselte er mit Handball-Sportkamerad Heinz Ross zu den Basketballern. In die Reihen der ersten Mannschaft kam er überhaupt erst in der Saison 64/65: „Da war ich ja eigentlich nur ein Bankfüller, ein Auswechselspieler.“ Das tat seinem Trainingsfleiß aber keinen Abbruch: „Wir standen an manchen Tagen schon vier Stunden am Stück in der Halle.“ Der Grund für das exzessive Üben lag aber wohl nicht nur am ungeheuren Ehrgeiz, sondern weil „wir eine große Familie waren“.

Wie vergleichsweise nachrangig wichtig der wechselvolle sportliche Verlauf der Spielzeit 64/65 auf Ehrlich gewirkt haben muss, wird deutlich, wenn er spontan von dem für ihn persönlich denkwürdigsten Ereignis auf dem Weg zum Titelgewinn erzählen soll. Was fällt dem Ersatz-Center da ein? Ein erinnerungswürdiger Spieleinsatz oder gar ein spektakulärer Korberfolg. Nein – dass er es besonders genossen hat, als frisch eingezogener Rekrut der Feldjäger in Worms zu den Finalspielen freigestellt worden zu sein („Damit die Mannschaft nicht so einsam war“) sowie die eine Woche Sonderurlaub während der Grundausbildung als Anerkennung für die Meisterschaft. Danach wurde er innerhalb der Familie der 1846er zum Beauftragten für die Betreuung ausländischer Gäste bei Europapokalspielen befördert.

Als Ehrlich 1967 von der Bundeswehr wieder zurück nach Gießen kam, mochte er sich allerdings nicht mehr für das Bankdrücken in der Ersten schinden. Er zockte noch bei der Bundesliga-Reserve, wechselte dann studienhalber nach Freiburg und holte dort 1974 noch die Vizehochschulmeisterschaft. Im Breisgau half der Gießener auch, beim USC Freiburg den Basketball in höhere Gefilde zu führen. Er trainierte die A-Jugend, begleitete interessiert und unterstützend den Weg der 1. Mannschaft bis in die zweithöchste Spielklasse, lebt nun aber schon seit langer Zeit in der basketballerischen Diaspora im dreißig Kilometer entfernten Müllheim. Und da auch seine vier Kinder nur wenig Bezug zum Basketball zeigten, hat sich Erhard schon vor langer Zeit von der Sportart, die ihn zum Meistertitel führte distanziert.

Er war halt nie einer, der Basketball lebte wie ein Holger Geschwindner. Ehrlich: „Ich erinnere mich an ein B-Jugendspiel, bei dem Holger mitspielte und das ungefähr 174:16 für sein Team ausging. Jeder andere hätte irgendwann gesagt, es reicht, lass die anderen auch ein bisschen mitspielen. Holger war da anders. Der schnappte sich jeden Ball und machte ihn rein.“ Einen solchen sportlichen Ehrgeiz hat Ehrlich wohl nie gehabt. Und dennoch ist er Deutscher Meister, aus dem 65er Team nicht wegzudenken und ebenfalls Ende April zur 40-Jahr-Feier der 1. Deutschen Meisterschaft in der Osthalle zu Gast.

Text: Wolfgang Lehmann

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