Das größte Talent der letzten 30 Jahre: „Mike“ Koch

Das größte Talent der letzten 30 Jahre: „Mike“ Koch

Es mögen knapp dreißig Jahr her sein, als der Chronist eine Mini-Basketball-Mannschaft des MTV 1846 Gießen trainierte – oder besser betreute. Denn neben dem kleinen Basketball-Einmaleins ging es beim Umgang mit den kleinen, hochmotivierten, aber zum Teil auch hundert Prozent talentfreien Zwuckel mehr um Schuhebinden und Naseputzen als um Passen, Dribbeln, Werfen.

Dennoch, es wurde bereits in einer Runde gespielt. An einem Sonntag ging es in die Licher Erich Kästner Halle. Das Gehirn hat die wunderbare Eigenschaft, in der Erinnerung nur noch die schönen Dinge des Lebens festzuhalten, die weniger schönen Momente aber zu verdrängen oder wenigstens verblassen zu lassen. Das Endergebnis dieser Partie ist deshalb auch nicht mehr komplett gegenwärtig. Für die MTV-Truppe standen am Ende wohl etwas über zwanzig Punkte auf dem Anschreibe-Bogen. Die TV Lich-Minis verpassten hingegen nur knapp einen Hunderter, obwohl auch sie eine Menge Spieler in ihren Reihen hatten, die mit dem viel zu großen Basketball jede Menge Mühe hatten.

Einer aber ragte aus dieser Horde wild herumrennender Kinder durch Zielstrebigkeit, sensationelle Ballbehandlung, Aggressivität, Schnelligkeit und nie zu bremsenden Korbinstinkt heraus: Michael „Mike“ Koch. Als die kleinen MTVler nachher mit hängenden Köpfen die Heimreise antraten, war Eltern wie Betreuern eines klar. Dieser Michael Koch, aus dem kann mal ein Großer werden.

Wir sollten recht behalten. Und zum Glück für den Basketball fand Jung-Michael früh, dass beim schnellen Spiel zwischen den Körben einfach mehr los sei als beim Tischtennis. Denn auch in der Lieblingssportart seines Vaters gehörte er zu den Besten, wurde mit 13 Jahren Bezirksmeister. Doch B´ball machte schließlich das Rennen im Kampf um das Talent Michael Koch. Der führte die B-Jugend als Spielmacher zum Hessenmeistertitel und spielte bereits als 16-Jähriger in der Oberliga-Herrenmannschaft des TV. Schaute dort vor allem einem anderen Hall-of-Famer, Hans Hess auf die Finger. Der spielte nach Beendigung seiner Bundeslioga-Karriere noch ein bisschen im Herzen der Natur und zeigte dem Nachwuchs-Spielmacher, wie das Spiel in den Feinheiten funktioniert. Mike Koch: „Von ihm habe ich viel gelernt.“

Und mit 17, wenn andere noch Träume haben, wagte das Supertalent den Sprung in die Bundesliga. Ein Jahr später bereits trug er erstmals das Trikot der Herren-Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft in Spanien zwei Jahre später galt er bereits als Entdeckung des Turniers. Der Sportinformationsdienst (sid) lobte ihn: „Überragender Spieler auf dem Parkett war… der Gießener Michael Koch, mit seinen 20 Jahren bereits ein Vorbild an Einstellung und Engagement.“ In Gießen förderte ihn zunächst Coach Hannes Neumann, dann folgten die erfolgreichen Jahre unter Günther Lindenstruth und Hans Heß als Trainer sowie mit Henning Harnisch an der Seite, die ihn mit dem MTV bis ins Pokalfinale und zum Vizepokaltitel führten.

Dann lockten die großen Clubs mit den Meisterschaftsambitionen. Michael wechselte nach Bayreuth, Leverkusen, wurde zehnmal deutscher Basketball Meister, absolvierte 140 Länderspiele, wurde Europameister. Dann lockte Griechenland. Und der talentierteste mittelhessische Basketballer der vergangenen dreißig Jahre wechselte Richtung Athen, wurde auch dort mit Panathinaikos viermal Landesmeister, ehe er vor zweieinhalb Jahren wieder nach Deutschland zurückkehrte. Wie jeder weiß, trainiert und betreut (ohne Schuhebinden und Nase putzen) Michael mittlerweile die Telekom Baskets Bonn, feierte unmittelbar vor dem Jahreswechsel seinen ersten Sieg als Coach gegen den älteren Bruder Stefan.

Michael dazu zu gratulieren fällt dem Chronisten ein bisschen schwer. Aber von ganzem Herzen gratuliert die GAMETIME-Redaktion dem 46ers Hall-of-Famer schon einmal zu seinem Geburtstag am 13. Januar 2006. Dann wird der große Sohn des Gießener Basketballs 40 Jahre. Weiterhin viel Erfolg – nur möglichst dann nicht, wenn es gegen den alten Club geht!

Text: Wolfgang Lehmann
Bild: Ekkehard Metzger

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