Der Team-Spieler: Hans Georg „Schorsch“ Rupp

Der Team-Spieler: Hans Georg „Schorsch“ Rupp

Was heute landauf, landab wie das Ei des Kolumbus bei Erfolgen von Mannschaften im Fußball, beim Reitsport und mittlerweile sogar in klassischen Einzelsportarten wie Golf gefeiert wird, war selbst vor 40 Jahren schon keine wirklich neue Formel zum Siegen. Der Star ist das Team wusste schon Sepp Herberger. Und auch im Basketball konnte immer nur der am Ende die Nase ganz vorn haben, der neben Stars auch Wasserträger in seinen Reihen wusste, die bereit waren, für das gemeinsame Ziel die eigenen Ansprüche zurückzuschrauben und sich in den Dienst der Sache zu stellen. Die Leuchttürme der Equipe des damaligen Basketball-Oberligisten MTV 1846 Gießen, die sich vor exakt vierzig Jahren auf den Weg in eine Spielzeit der damals höchsten deutschen Spielklasse machten, an deren Ende der oft zitierte und rauschend gefeierte goldene Schuss von Ernie Butler im Endspiel von Heidelberg stand, sind längst in die Hall of Fame der Giessen46ers eingezogen. Dschang Jungnickel, Holger Geschwindner, Bernd Röder, Ernie Butler, Pollo Urmitzer hießen die Eckpfeiler eines Teams, das die bis heute andauernde Basketball-Begeisterung in Gießen entfachte. Ihre Namen kennt jeder. Aber was ist mit Gelling, Roß, Feick, Schirmer, Rupp, Clausen, Ehrlich?

Ohne die Bankspieler, ohne das Team wäre auch die 1. Deutsche Meisterschaft des MTV 1846 Gießen nicht möglich gewesen. Aus diesem Grund wollen wir sie alle aufnehmen in die Hall of Fame, die ganze Meistermannschaft. Weil jeder von ihnen ein würdiger Hall-of-Famer ist. Zum Beispiel Hans-Georg „Schorsch“ Rupp. Taufrische 19 Lenze jung war der Linkshänder, als er nach einer Jugend-Blitzkarriere in den Kader der Oberliga-Mannschaft stieß. Erst eine (!) Saison war der Gymnasiast vom Tischtennis zu den Bballern gestoßen. „Wir haben in der Uhlandschule trainiert. Da gab es nur zwei Platten und deshalb viel Zeit etwas anderes zu machen. Gleichzeitig trainierten Jungnickel und Co. Dem haben wir zugeschaut. Ich habe Feuer für diesen Sport gefangen.“ Fußball hatte Rupp vorher schon ausprobiert. Da ging nichts wegen seiner Brille. Aber Basketball klappte. Also ging´s zum Training der A-Jugend im MTV. Und sofort durfte der nur 1,80 Meter kleine Aufbauspieler auch bei der Ersten mittrainieren. Aber auf seiner Position herrschte bereits heftiges Gedrängel. Aus Laubach kam noch der gleichaltrige, aber körperlich „viel größere“ (Rupp) Holger Geschwindner zu den Männerturnern. Neben ihm und Heinz Ross dirigierte Carl Clausen das Angriffspiel (Rupp: „Wir haben ja noch mit zwei Aufbauspielern und dem traditionellen 2-1-2-System gespielt“). Da blieb für „Schorsch“ wenig außer intensiven Trainingseinheiten und der Ehre, mit auf der Bank zu sitzen.

„Wir haben täglich trainiert oder gezockt. Das hat einfach Spaß gemacht“, blickt der vor wenigen Wochen pensionierte Schulleiter der Helmut-von-Bracken-Schule („Lehrer war immer mein Wunschberuf. Ich bin ungern schon ausgeschieden“) ohne Zorn auf die Zeit zurück, in der er ohne jede finanzielle Entschädigung viel Trainingsaufwand betrieb, aber nie eine Chance hatte, Spielanteile zu bekommen: Im Meisterschaftsjahr habe ich auf der Lio mein Abi gebaut. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich dafür gelernt hätte.“ Und so ist das Endspiel – obwohl er auch in diesem denkwürdigen Finale keine Minuten bekam – sein herausragendstes sportliches Erlebnis geblieben.

Schon bald nach den Jubelfeiern 1965 hielt ihn auch noch die Bundeswehr vom regelmäßigen Üben ab. Die Konsequenz daraus war ein Rückzug von den ganz großen sportlichen Zielen und ein Wechsel zum VfB. Vom VfB zog es Rupp zum TV Lich in die Hessenliga, er wurde ein Mann der ersten Stunde beim Grünberger Basketball. Und am Ende seiner Karriere schloss er den Kreis und zockte mirt den Altinternationalen des MTV wieder bei den Alten Herren zuerst in der Landesliga, dann freiwillig in der Kreisklasse. Der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Söhnen muss zwar nach seinem gesundheitsbedingten vorzeitigen Ruhestand sportlich ein bisschen kürzer treten. Aber für 20 Kilometer Radfahren und 1000 Meter Schwimmen reicht es noch. Obwohl er dort eine seiner größten Qualitäten gar nicht ausleben kann: die Fähigkeit als Team-Spieler die Mannschaftskameraden stark zu machen.

Text: Wolfgang Lehmann

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