Ebi Bauernfeind – Dem schon mal ein Zahn im Arm steckte

Ebi Bauernfeind – Dem schon mal ein Zahn im Arm steckte

Er gehörte nicht zwar nicht zu den ganz eleganten Spielern, nicht zu den Akteuren mit den brandheißen Schusshändchen, nicht zu den Dribbelwundern. Aber die Deutschen Meisterschaften des MTV 1846 Gießen von 1975 und 1978 wären ohne den kantigen, mit 1,98 Metern kleinen, aber kampfstarken Eberhard „Ebi“ Bauernfeind undenkbar gewesen.

Der Frankfurter wechselte nach seinem Abitur gemeinsam mit Michael Breitach vom Main an die Lahn. Um vorrangig seinem Studium der Volkswirtschaftslehre nachzugehen und nebenbei sein Basketball-Talent beim MTV einzubringen: „Basketball war für mich damals einfach Spaß, eine tolle Beschäftigung, aber nie mehr.“ Mit 14 Jahren war Jungspunt Ebi, der vorher bereits im Schwimmsport wie im Handball in Schul-Auswahlmannschaften sportlich für´Aufsehen sorgte, zum schnellen Spiel mit dem großen Ball und der kleinen Reuse gekommen. Was lag da näher, als das überdurchschnittliche Talent zu nutzen, um ein Studium zu finanzieren. Und Gießen bot beides, Universität wie Basketball der Spitzenklasse.

Dass ihm sein Wechsel zum MTV 1846 Gießen dann auch noch die Bundeswehrzeit versüßte, nahm Ebi gerne mit: „Das war eine tolle Zeit.“ Über den Verein kam er gemeinsam mit D. Krausch in die Steubenkaserne. Und dann durften die beiden 1972 als Soldaten bei den olympischen Spielen in die Basketball-Halle, verteidigten das Vaterland mit dem Auffüllen der Getränke-Kisten für die Mannschaften, waren live bei den Spielen dabei.

Aber die eigentliche Musik spielte natürlich in der Sporthalle Ost. „Gegen Hagen und Wolfenbüttel machte es immer besonders viel Spaß, weil es da körperlich zur Sache ging. Und die Spiele gegen Heidelberg waren immer schön wegen der obligatorisch langen gmeinsamen dritten Halbzeit.“ Dass Ebi, der heute Vater von drei Söhnen ist, die aber nur wenig Bezug zum Sport seines Vaters haben, sich auch von den ganz langen Kerls unter den Brettern nicht erschrecken ließ, verdeutlicht sein Zusammenprall mit dem seinerzeit wohl besten deutschen Center „Vadder“ Keller. Der kleine Center Bauernfeind ging gegen den Nationalspieler so beherzt im „Hagedorn´schen Spreizbuckesprung“ zum Rebound, dass er einmal nicht nur den Ball in der Hand, sondern auch einen Eckzahn von Keller im Arm stecken hatte. (Bauernfeind: „Und das ohne Foul!“). Zwar beschwerte sich Vadder Keller verständlicherweise vehement bei den Unparteiischen. Aber nachher nahm er es auch mit Humor. Zum Rückspiel kam Keller mit einem überdimensionalen Zahn an einer Halskette zur Begrüßung seines Gießener Widersachers.

Nach dem Ende seines Studiums verschlug es den Volkswirt ins Norddeutsche, er „batzerte“ (Bauernfeind) noch ein bisschen durch untere Ligen. Seit fünf Jahren aber ist er wieder zurück in der Heimat, arbeitet bei der Deutschen Leasing in Bad Homburg, wohnt mit der Familie im Geburtshaus seiner Frau, bewegt sporadisch noch mal den Basketball und besucht noch viel seltener die heutige Bundesliga-Szene. Aber wenn seine Sportkumpels aus Gießen rufen um sich zu treffen, dann ist er immer dabei: „Besonders die Mannschaft, die 1975 den Titel geholt hat, war von der Kameradschaft etwas Besonderes. Und Ebi Bauernfeind war ein nicht weg zu denkender Teil dieser außergewöhnlichen Truppe.

Text: Wolfgang Lehmann

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