Jochen Wucherer – Auch heute noch vom Basketball-Virus infiziert

Jochen Wucherer – Auch heute noch vom Basketball-Virus infiziert

Der Virus Basketball ist nicht nur hoch ansteckend. Er ist auch unheilbar. Wer das Spiel mit dem dicken Ball auf die enge Reuse einmal in seinem Blut hat, kommt meist ein Leben lang nicht davon los. Bestes Beispiel: Jochen Wucherer. 65 Lenze zählt der jung gebliebene Mainzer, seit seinem 15.Lebensjahr ist er von dem Bball-Erreger befallen. Und er kann nicht davon lassen. Eines seiner wichtigen Vorhaben im noch jungen Dasein als pensionierter Studiendirektor: wieder verstärkt Basketball-Spiele live mitzuerleben. Im September saß er auf der Tribüne, als Sohn Denis mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Serbien/Montenegro nach den Sternen griff. Und auch während der Saison wird der Meisterspieler des MTV 1846 Gießen aus dem Jahr 1967 wieder verstärkt nationale wie internationale Arenen besuchen, um sich seinen Schuss Basketball zu besorgen.

Dabei war dem zweifachen Familienvater (Sohn Nico wurde ebenfalls infiziert, spielte später auch Bundesliga in Gießen, kümmert sich derzeit um den Neuaufbau des Würzburger Basketballs) der Mitte der fünfziger Jahre hierzulande noch weniger populäre Sport aus dem Amiland nicht in die Wiege gelegt. Wie es sich gehörte für einen sportlich interessierten jungen Burschen, kickte Jochen Wucherer zunächst Fußball. Dann traf er eine Truppe Handballer, die sich auf einem Freiplatz mit Basketball vergnügten und es war um jung Jochen geschehen. Der Virus war in ihm und ließ ihn nicht mehr los. Der MTV 1817 Mainz wurde seine sportliche Heimat, ein Mittelklasseverein in der damals höchsten deutschen Spielklasse.

Nach dem Abitur und einem Auslandsjahr lockte dann der 1965 amtierende deutsche Meister MTV 1846 in Person von „Dschang“ Jungnickel den mittlerweile auf 190 Zentimeter geschossenen kleinen Center nach Gießen. Mit den besten, mit Röder, Jungnickel, Geschwindner und Kienast neben dem Studium (Französisch/Sport) um den Titel zu spielen – das war ganz nach dem Geschmack des ehrgeizigen Mainzers. In der ersten Saison klappte es nicht wie gewünscht. „Mit Trainer Nennstiel kam ich nicht so gut zurecht.“

Als dann aber Laszlo Lakfalvi, ein ausgewiesener Basketball-Fachmann auf der Trainerbank saß, holte Wucherer und das Team 1967 den nächsten Titel an die Lahn. Und das ganz ohne US-Spieler, weil der Nachfolger von Ernie Butler, der Spieler Williams plötzlich nach Vietnam abkommandiert wurde, wo er im Krieg dann wenig später auch sein Leben ließ. Jochen Wucherer erinnert sich an die zweite Gießener Meistermannschaft als ein Team, in dem er sich auf dem Spielfeld vor allem mit „Zocker“ Holger Geschwindner bestens verstand. „Der hatte damals schon außergewöhnlich viel Spielwitz. Das war auch mein Ding.“ Aus seiner Erinnerung hatten die Männerturner von 1846 mit Dschang den besten Außenschützen, mit Didi Kienast den besten Aufbauspieler der Liga, mit Bernd Röder einen hervorragenden Rebounder, mit Geschwinder ein außergewöhnliches Talent und in ihm selbst einen kleinen Center, der es genoss, sich mit körperlich überlegenen Spielern in Brettnähe zu duellieren.

Basketballerisch fühlte sich Wucherer also in Gießen pudelwohl, obwohl es damals in Gießen noch kein Geld gab: „Da gab es ein Schnitzel, ein Bier und einen warmen Händedruck.“ Aber das Studium machte ihm an der Lahn wenig Freude, weshalb er dann auch schon bald wieder in Mainz seinem Lehrer-Examen zustrebte und nach bestandener Staatsprüfung seine Zelte an der Lahn ganz wieder abbrach. Doch B´ball ließ Jochen Wucherer nicht mehr los. Er spielte, trainierte bis in die Bundesliga, förderte seine Söhne. Beruflich verschlug es den Studiendirektor ab 1994 in den Senegal, wo er Deutsch als Fremdsprache unterrichtete, Lehrer ausbildete. Und seit einem Jahr ist Jochen Wucherer nun Pensionär und findet endlich wieder Zeit, noch mehr die aktuellen Entwicklungen im Basketball zu verfolgen.

Text: Wolfgang Lehmann

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