Kampf, Tempo, Einsatzbereitschaft: Hans Georg „Hansi“ Hess

Kampf, Tempo, Einsatzbereitschaft: Hans Georg „Hansi“ Hess

Es gibt Spielertypen, die bestechen im Basketball durch ihre außerordentlichen Bewegungen, ihre Moves. Andere beeindrucken durch ihre Sprungkraft, ihr goldenes Händchen oder manche bleiben auch alleine wegen ihrer Verrücktheit in der Erinnerung. Auch das dritte Mitglied der Gießener „Hall of Fame“ verfügte immer über einen besonders sicheren Schuss von den Außenpositionen. Und auch seine Bewegungen auf dem Spielfeld sind den Zeitzeugen noch in bester Erinnerung.

Da allerdings nicht nur sein dynamischer Zug zum Korb, sondern vor allem die angespannt im Mundwinkel kreisende Zunge. Und die stand bei Hansi Heß immer für: Einsatzbereitschaft, Kampf, Tempo – und dem unbedingten Willen zum Sieg.

Wie viele seiner Altersgenossen kam Hans Heß von anderen Sportarten zum Basketball. Als Fußballtorwart brachte er es bis zur Bezirksauswahl, in der Leichtathletik hoffte Trainer Clarius schon auf einen neuen Mittelstrecken-Stern am Gießener Firmament. Aber dann griff sich B-Jugendtrainer Bernd Röder den multitalentierten Hansi. Und der fand am schnellen Spiel mit dem Basketball nicht nur gefallen, er sollte ab Mitte der sechziger Jahre auch für zwei Jahrzehnte das geschehen des Bundesligisten MTV 1846 Gießen entscheidend mitprägen.

Für seinen Durchsetzungswillen und seine Kampfkraft gibt es eine Fülle von Belegen und Beispielen. So beispielsweise, dass er sich nicht von den wenig motivierenden Einlassungen seines ersten Bundesligatrainers Lakfalvi („Den Geschwindner stelle ich lieber mit einem gebrochenen Fuß auf den Platz, ehe ich die jungen Kerle wie den Heß spielen lasse“) nicht schrecken ließ.

„Damals habe ich kein Land gesehen“, erinnert sich Hans Heß heute. Aber er biss sich durch. Auch als er 1972 auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel gemeinsam mit Günther Lindenstruth und „Pollo“ Urmitzer (in jener Zeit fuhren die Spieler noch mit eigenen Pkws zu den Auswärtsspielen) in einen schweren Unfall verwickelt wurde. Oder als Hansi Heß in der Saison 75/76 beim Aussteigen aus dem Mannschaftsbus in Köln einen Patellasehnen-Abriss
erlitt.

Er kam immer wieder und war weder aus der 75er noch aus der 78er Meistermannschaft wegzudenken. Wobei Hans Heß nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch daneben stets Verantwortung trug. Neben seinen sportlichen Qualitäten, die ihn bis in den Olympiakader 1972 brachten, zeichnete ihn immer die Einsatzbereitschaft für das Team aus. Nicht umsonst war er jahrelang Mannschaftskapitän. Auch für Klaus Jungnickel, den Meistertrainer des Jahres 1975, spielte Hans Heß immer eine besonders wichtige Rolle: „Er war der beste Allrounder, ein hervorragender Defensivspieler, guter Spielmacher und hervorragender
Fastbreak-Spieler“.

Nach dem letzten Pokalsieg Anfang der Achtziger wechselte Hans Heß auf die Trainerbank, übernahm gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Günther Lindenstruth das Coaching beim MTV 1846 Gießen, führte die junge Mannschaft um die Riesentalente Henning Harnisch und Michael Koch noch bis ins Pokalfinale 1987. Dann verabschiedete er sich vom MTV, trainiert aber weiterhin, derzeit seit vier Jahren die Oberliga-Basketballer des VfB 1900 Gießen. Und da wie immer in seiner außergewöhnlichen Laufbahn mit Kampf und Einsatzbereitschaft.

Text: Wolfgang Lehmann

Bild: -GA Foto- Stumpp

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