Overtime-Thriller gegen Deutschen Meister – GIESSEN 46ers geben sich erst nach Verlängerung mit 96:105 gegen Brose Bamberg geschlagen

Foto: Richard Stephan - der Stadtfotograf

Overtime-Thriller gegen Deutschen Meister – GIESSEN 46ers geben sich erst nach Verlängerung mit 96:105 gegen Brose Bamberg geschlagen

Die Sporthalle Gießen-Ost war bis auf den letzten Platz gefüllt. 3.752 Zuschauer verfolgten ein Basketballspiel, das spannender kaum hätte sein können, das die GIESSEN 46ers am Ende der Verlängerung jedoch mit 96:105 an den Gast Brose Bamberg abgeben mussten. Zuvor kämpften allen voran Austin Hollins (26 Punkte) und John Bryant (18 Punkte und 17 Rebounds) um die Overtime, nachdem Bamberg eigentlich bereits auf 15 Zähler davongezogen war. Topscorer der Partie war der Bamberger Daniel Hackett (28 Punkte), der gemeinsam mit dem Ex-Gießener Ricky Hickman (24 Punkte) seine Mannschaft zum Sieg führte.

Dass die GIESSEN 46ers am 23. Spieltag gegen Brose Bamberg auf einen Tabellennachbarn treffen, hätte vor der Saison wohl niemand erwartet. Die 46ers kratzen in einer starken Saison aber erneut an den Playoff-Plätzen, während der dominanteste deutsche Basketball-Club der letzten Jahre zuletzt sogar seinen Erfolgstrainer Andrea Trinchieri entlassen musste. Die Bamberger zittern im Tabellen-Mittelfeld um ihre Playoff-Teilnahme. Ein Sieg in Gießen war nach einer Niederlagenserie von vier BBL-Spielen dafür dringend notwendig. Die Mittelhessen hingegen hofften, nach einer dreiwöchigen Spielpause ihre Siegesserie auf drei Spiele auszuweiten, konnten dabei auf den wiedergenesenen Mauricio Marin zurückgreifen.

Gegen die Franken, die durch die Ausfälle von Patrick Heckmann, Bryce Taylor und Elias Harris geschwächt ins Match gingen, schickte Cheftrainer Ingo Freyer Dee Davis, Austin Hollins, Jamar Abrams, Benjamin Lischka und Captain John Bryant als Starting Five aufs Parkett. Ex-46er Ricky Hickman und John Bryant eröffneten die Punktejagd für ihre Teams (2:2, 2.). Die erste Heimführung des Tages durch Benni Lischka von der Freiwurflinie (4:2, 3.) hatte dann nur kurz Bestand. Augustine Rubit besorgte schnell den Führungswechsel für die Gäste (4:6, 4.). In einer ausgeglichenen Phase ohne echte Highlights holten beide Teams konstant ihre Körbe ein. Lischka, Davis und Bryant hielten den Anschluss an den amtierenden deutschen Meister und ermöglichten so sogar die erneute Führung durch Jamar Abrams’ Dreier zum 15:14. Und auch der nächste Treffer der 46ers kam von Downtown: Dee Davis versenkte sicher. Weil Jeril Taylor beim nächsten Dreierversuch gefoult wurde, holte die Freyer-Truppe von der Freiwurflinie die von den Rängen gefeierte 21:16- Führung zur ersten Viertelpause.

Übergangs-Headcoach der Bamberger und vorheriger Assistent von Andrea Trinchieri, Ilias Kantzouris, hatte inzwischen wohl die richtigen Worte gefunden. Seine Spieler stellten binnen zwei Minuten den Ausgleich her (21:21, 12.), wenig später die Drei-Punkte-Führung (23:26, 23.). Freyer rief zur Auszeit, doch das Spiel blieb zerfahren. Abrams netzte zwei Freiwürfe ein und hielt so zunächst den Anschluss. Ein schneller 5-Punkte-Lauf der fränkischen EuroLeague-Mannschaft führte dann aber direkt zur nächsten Unterbrechung durch den Gießener Headcoach (25:31, 15.). Diese hatte nun auch einen Effekt: Austin Hollins erkämpfte sich das wichtige Dreipunktespiel zum 28:31 (16.). Alen Pjanic und erneut Austin Hollins sorgten dafür, dass die nun treffsicheren Gäste sich nicht zu weit absetzen konnten (32:37, 18.). Zum Ende des Viertels schlugen die Hausherren dann nochmal sehenswert zu: Erst durch ein Vierpunktespiel von Hollins, dann durch einen krachenden Slam-Dunk von Jamar Abrams. Mit 38:42 gingen die Teams in die Halbzeit.

Mit der Starting Five auf dem Feld ging es in die zweiten 20 Minuten. Wieder war es Bryant, der die ersten Zähler für die 46ers erzielte, doch es waren die Bamberger um Topscorer Daniel Hackett, die das Spiel nun deutlich beherrschten (42:49, 23.). Nach schmerzhaftem Turnover von Aufbauspieler Davis kassierten die Mittelhessen das 42:51 und versammelten sich zur erneuten Auszeit (24.). Benni Lischka holte die nächsten Punkte, direkt gefolgt vom Fastbreak-Dunk von Hollins (46:53, 26.). Gerade, als man dachte, den Wechsel des Momentums wieder hin zu den Gastgebern mitzuerleben, spielte der deutsche Meister jedoch all seine Routine aus. Ein 8-Punkte-Run bescherte einen Rückstand von 46:61 (27.). Doch das dynamische Duo aus den US-Amerikanern Hollins und Abrams verkürzte wieder auf zehn Punkte (51:61, 28.). Das Spiel wurde ruppiger, Jeril Taylors Assist aus der Jumpshot-Bewegung auf John Bryant war eine der seltenen Finessen im ansonsten körperbetonten Spiel zweier Mannschaften, die sich in der Hitze des Gefechts nun Turnover nach Turnover lieferten. Das dritte Viertel ging erneut an die Gäste, die ihre Führung wieder auf 12 Zähler ausbauen konnten (55:67).

Schnell konnte John Bryant die Hoffnung auf einen Sieg durch eine Aufholjagd im letzten Viertel befeuern. Sein Dreier fand den Weg direkt in die Maschen. Eine dauerhafte Steigerung in Offensive wie Defensive musste her (59:69,23.). Lischka setzte den Lay-up nach Darwin-Assist, Hollins legte per Freiwurf nach (63:69, 34.), ein Bamberger Dreier folgte, doch Bryant und Davis antworteten unmittelbar – die GIESSEN 46ers hatten sich wieder in eine aussichtsreichere Situation gespielt (68:72, 35.). Als dann Lischka zum Korb stieg, den Korbleger trotz massiver Behinderungen verwandeln konnte und auch den And-One zum 71:72 traf, war klar, dass die Crunchtime dieser Partie die Fans in der prall gefüllten Osthalle erneut alles abverlangen würde. Den Ausgleich besorgte dann der Kapitän von der Freiwurflinie. Die Bamberger sammelten sich nochmal, Zisis verwandelte zwei identische Dreier, die 46ers blieben aber durch Davis am Leben (74:78, 38.). Ingo Freyer nahm die Auszeit, um den Heimcoup gegen den Meister trotz verschlechterter Vorzeichen noch einzuholen. Lischka übernahm dabei erneut Verantwortung, bei einer Sekunde auf der Shotclock verwandelte er den Dreier zum 77:78. John Bryant erzielte in der Schlussminute den langersehnten Ausgleich (79:79). Bei 29 Sekunden auf der Uhr folgte dann der Pfiff, der das Spiel zunächst zu entscheiden schien: Ein unsportliches Foul gegen die 46ers ließ vier Punkte für den Gegner folgen. Erneut ließ Lischka aber den Ball aus der Distanz in die Maschen fliegen (82:83). Bamberg holte erneut zwei Freiwürfe und versenkte beide. Bei acht verbleibenden Sekunden, musste ein Dreier her, um die Overtime zu buchen. Davis übernahm den Angriff, dribbelte in die gegnerische Hälfte, von weit draußen nahm er den Wurf und zog dabei das Foul, der Ball ging weit neben Korb, Davis verwandelte jedoch alle drei Freiwürfe – Overtime. Die Zuschauer standen Kopf.

Hackett und Hollins schlossen die ersten beiden Angriffe erfolgreich ab (87:87, 41.). Hickman legte von der Freiwurflinie nach, doch Davis konterte auf der Gegenseite mit drei Punkten. Hollins tat es ihm im folgenden Angriff gleich (93:89). Trotzdem schafften die Bamberger die erneute Führung (93:94.) und sicherten diese durch Hackett sogar zusätzlich ab (93:97, 94.). Freyer nahm die Auszeit, doch die kommenden 46ers-Angriffe verliefen meist ohne Erfolg. Am Ende erspielten sich die Brose Bamberg ihren langersehnten Auswärtssieg mit einem 96:105. Für die 46ers heißt es am 12. März zu ungewohnter Spielzeit am Montagabend gegen s.Oliver Würzburg wieder in die Siegesspur zu rutschen, um den Kampf um die Playoffs aufrechtzuerhalten

Ingo Freyer (Cheftrainer GIESSEN 46ers): „Wir haben super gespielt und gegen eine Mannschaft wie Bamberg eine Verlängerung erzwungen. Dort hatten wir dann aber leider ein sehr großes Problem mit der Disziplin, daher bin ich, unabhängig vom Ergebnis, sehr traurig. Am Ende kann man vielleicht auch sagen, dass Gießen nicht die Playoff-Mannschaft mit der nötigen Erfahrung ist, um solch ein Spiel nach Hause zu schaukeln. Aber vielleicht lag es auch an der Disziplinlosigkeit, als wir eigentlich das Momentum auf unserer Seite hatten. Wir werden dies intern besprechen.“

Ilias Kantzouris (Cheftrainer Brose Bamberg): „Wir sind hier mit dem einzigen Ziel hergekommen, dieses Spiel zu gewinnen. Egal, ob wir dabei gut oder schlecht spielen. Wir haben eine solide Partie gezeigt und das Spiel eigentlich kontrolliert, hatten dann aber Probleme mit der Zone von Gießen. Während wir einige offene Würfe nicht trafen, haben sie Selbstvertrauen bekommen und sind zurückgekommen. In der Verlängerung lagen wir zwar zurück, haben uns aber zurückgekämpft. Die Mannschaft hat Charakter bewiesen. Das war ein wichtiger Sieg für uns.“

GIESSEN 46ers – Brose Bamberg 96:105 (55:67)

Viertelergebnisse: 21:16, 17:26, 17:25, 30:18, OT1: 11:20

GIESSEN 46ers: Jeril Taylor (4 Punkte), Mahir Agva (5), Alen Pjanic (1), Dee Davis (16, 6 Assists), Benjamin Lischka (17), Austin Hollins (26), Jamar Abrams (9), Mauricio Marin, John Bryant (18; 17 Rebounds)

Brose Bamberg: Daniel Hackett (28), Ricky Hickman (24), Dorell Wright (18, 12 Rebounds), Nikolaos Zisis (8), Lo Maodo, Louis Olinde, Augustine Rubit (15), Dejan Musli, Leon Radosevic (9)

Zuschauer: 3.752 (ausverkauft)

Nächstes Spiel:       Montag, 12.03.2018, 19.00 Uhr: s.Oliver Würzburg – GIESSEN 46ers

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