Rackelos stehlen Sieg in Overtime – Wichtiger Auswärtserfolg beim FC Bayern II

Foto: Sven Kuczera Photography

Rackelos stehlen Sieg in Overtime – Wichtiger Auswärtserfolg beim FC Bayern II

Mit einem 84:80 nach Verlängerung bleiben die Depant GIESSEN 46ers Rackelos in der BARMER 2. Basketball Bundesliga ProB-Süd in der Erfolgsspur. Einen Schönheitspreis mag die Partie beim FC Bayern Basketball II mit einer Trefferquote von unter vierzig Prozent und über 30 Ballverlusten auf beiden Seiten zwar nicht gewinnen. In puncto Spannung ließ das Duell der Tabellennachbarn mit acht Führungswechseln aber keine Wünsche offen. Dank eines Dreiers von Leon Okpara retteten sich die Mittelhessen mit 75:75 in die Verlängerung. Dort rissen die Gäste im Audi Dome das Momentum auf ihre Seite und etablierten eine schnelle 82:75-Führung, die nicht mehr aus der Hand gegeben werden sollte. Mit nun neun Saisonsiegen haben sich die Rackelos einen Puffer aus vier Punkten auf einen Nicht-Playoffplatz erarbeitet. Weiter geht es für das Team von Trainer-Duo Rolf Scholz und Lutz Mandler am kommenden Sonntag. Zu Gast um 18.00 Uhr sind dann die RheinStars Köln.

Dank eines Dreiers von Thomas Tshikaya erspielten sich die Gießener die erste Führung des Spiels. Bayern antwortete jedoch mit einem 8:0-Lauf, den Tshikaya per Dunk zu stoppen verstand. Es schloss sich ein neun Punkte umfassender Run der Rackelos an, an dem vor allem Neuzugang Jestin Lewis mit zwei Assists und einem Jumper zum 12:8 Anteil hatte. Nach einer Bayern-Auszeit schloss Kapitän Johannes Lischka, der mit 21 Punkten am Ende Topscorer werden sollte, den Konterlauf ab, bevor Nelson Weidemann auf der Gegenseite die Blutung stoppte und auf 10:15 verkürzte. Weidemanns Zähler kurz vor Viertelende brachten die Bayern wieder auf 16:18 Zähler heran.

Vor allem aus der Dreipunktedistanz hatten beide Teams bis zu diesem Zeitpunkt kaum Zählbares zu Stande gebracht. Aus bayerischer Sicht änderte daran erst Ardic etwas, der zu Beginn des zweiten Abschnitts von Downtown das 19:19 erzielte. Es folgte eine zähle Spielphase, in der die Rackelos bis zur Viertelmitte auf ihre ersten Punkte aus dem Feld warten mussten. Alen Pjanics Dreier zum 24:24 waren dabei satte drei Offensivrebounds der Gäste vorausgegangen. Nach weiteren Münchener Zählern sah sich Scholz jedoch zur Auszeit gezwungen, aus der die Lahnstädter mit Elan herausgehen sollten. Alleine Lischka markierte bis zur Halbzeit sechs Punkte. Nach einem Steal von Bjarne Kraushaar bediente dieser Tim Köpple im Fastbreak, der seinerseits Pjanic fand. Der Forward scorte trotz eines Fouls – und verwandelte auch den fälligen Bonusfreiwurf (35:29, 19.). Ein Dreier des bayerischen Kapitäns Viktor Frankl-Maus markierte dann jedoch den 34:37-Anschluss Wimpernschläge vor der Pause.

Im Stile eines Aufbauspielers bediente gleich zu Beginn der zweite Hälfte Lischka niemand geringeren als Kraushaar, der zum Alley-oop-Dunking abhob und die ersten Zähler bestellte. Der Aufbauspieler ließ prompt einen Dreier folgen und erhöhte so auf 42:36. Bayern steckte jedoch nicht auf und konnte sich durch Zähler von Jannick Jebens auf 41:42 zurückrobben. Über die Stationen 44:47 und 51:51 (19.) entwickelte sich das erwartet harte Spiel. Obwohl sich in dieser Phase der nachverpflichtete Neu-Rackelo Jestin Lewis an der Schulter verletzte und das Spielfeld verlassen musste, konnten die Gießener meist eine Minimalführung behaupten. An der Freiwurflinie und per Jumper war es erneut Lischka, der in der Schlussphase des Spielabschnitts die Verantwortung übernahm und dafür sorgte, dass sein Team mit 55:53 ins vierte Viertel gehen durfte.

Zwei Dreier von Matej Rudan brachten die Rackelos dann zunächst in Rückstand. Jordan Williams antwortete auf der Gegenseite mit zwei Korblegern in Serie und hielt die Mittelhessen so auf Tuchfühlung. Rudan und Jacob Knauf eroberten die Münchner Führung jedoch postwendend zurück. Unterm Korb fand Tim Uhlemann kurz darauf den an der Dreierlinie lauernden Kraushaar, der die Dreierquote der Gäste verbesserte. Pjanic nach Zuspiel von Lischka tat es ihm Sekunden später gleich, weshalb es mit einem 65:63 in die letzten fünf Minuten ging. Danach stotterte der Offensivmotor der Rackelos aber bedrohlich. Während Frankl-Maus und Weidemann mit Distanztreffern vorlegten, war Tshikayas Jumper auf Gießener Seite zum 68:70 (37.) der letzte Korb aus dem Feld für die Rackelos für mehrere Minuten. Erst 55 Sekunden vor dem (vermeintlichen) Ende brachte Lischka an der Bonuslinie wieder Zähler auf die Anzeigetafel. Da Rudan in der nächsten Sequenz einen seiner zwei Freiwürfe liegen ließ, blieben die Rackelos mit 70:73 knapp in Schlagdistanz. Tshikaya und Weidemann für Bayern ließen an der Straflinie nichts liegen, weshalb es mit 72:75 aus Sicht der 46ers in die letzten 16 Sekunden ging.

Der aufgezeichnete Spielzug glückte: Formvollendet wanderte der Ball über Kraushaar zu Tshikaya. Der Franzose fand schließlich Okpara, der sich ein Herz fasste, abdrückte und den umjubelten Ausgleich erzielte. Weidemanns Jumper bei zwei Sekunden auf der Uhr verpasste genauso sein Ziel, wie Kraushaars tiefer Notdreier: Verlängerung.

War das Spiel in den Minuten zuvor von basketballerischer Magerkost geprägt, legten die Rackelos offensiv wie defensiv nun gefühlt zwei Gänge zu. Ohne Alen Pjanic, der in der Schlussminute der regulären Spielzeit sein fünftes Foul kassiert hatte und auf der Ersatzbank platznehmen musste, liefen die Mittelhessen nun mit den drei Big Men Williams, Tshikaya und Lischka auf. „Das hat München vielleicht etwas aus dem Konzept gebracht“, erklärt sich Rackelo-Cheftrainer Rolf Scholz den erfolgreichen Schlussakkord seiner Schützlinge. Tshikaya an der Freiwurflinie, Williams per Tip-in sowie erneut Okpara mit einem äußerst schweren Dreipunktewurf sicherten die frühe 82:75-Führung. Bayern steckte zwar nicht auf und konnte angeführt von Frankl-Maus ein letztes Mal auf 80:82 verkürzen. Okpara behielt in der taktisch geprägten Schlussphase an der Freiwurflinie aber die Nerven: Während München offensiv keinen Stich mehr setzte, reichte dies, um den dritten Sieg in Serie und dritten Auswärtserfolg der Saison nach Hause zu bringen.

Rolf Scholz (Cheftrainer Depant GIESSEN 46ers Rackelos): „Es war eine tolle Leistung, mit der wir uns in die Overtime gerettet haben. In dieser hatten wir das Momentum auf unserer Seite. Wir haben toll verteidigt und kaum einen Korb zugelassen.“

FC Bayern Basketball II – Depant GIESSEN 46ers Rackelos 80:84 (34:37) n.V.

Viertelergebnisse: 16:18, 18:19, 19:18, 22:20, OT: 5:9

Depant GIESSEN 46ers Rackelos: Jestin Lewis (7 Punkte), Bjarne Kraushaar (8, 6 Assists), Tim Köpple (2), Jordan Williams (7, 3 Blocks), Alen Pjanic (15), Tim Uhlemann, Leon Okpara (10), Johannes Lischka (21, 9 Rebounds), Thomas Tshikaya (14)

FC Bayern Basketball II: Jason George (4), Nelson Weidemann (16, 3 Dreier), Daniel Zdravevski, Viktor Frankl-Maus (12, 8 Assists), Matej Rudan (17), Erol Ersek (6), Rijad Avdic (6), Jannick Jebens (5), Kilian Binapfl, Nemanja Markovic (7), Jacob Knauf (7, 11 Rebounds)

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