‚U‘ Strack – ein Hauch von Genie

‚U‘ Strack – ein Hauch von Genie

Bei den vielen außergewöhnlichen Spielern, die im Laufe der Jahre die Basketball-Fans in der Sporthalle Ost elektrisierten, gab es die unterschiedlichsten Typen: Den Kämpfer Hans Heß, die „goldene Hand“ Dschang Jungnickel, den „Augenstern“ Lance Blanks, den Teamspieler Scooter Barry. Bei ganz wenigen aber blitzte in ihrer Art, das Spiel zu kreieren, etwas Geniales auf. Einer, der immer wieder bei Mitspielern, Trainern wie Zuschauern ein Zungeschnalzen hervorrief, war Uli „U“ Strack, der 1975 bereits als 18-Jähriger mit dem MTV seine erste Deutsche Meisterschaft feierte.

„Ein Hauch von Genie“ titelte die Presse noch 1987, als der in jenem Jahr mittlerweile 30-jährige die jungen Wilden um Henning Harnisch und Mike Koch bis ins Pokalfinale und die Vorschlussrunde in der Meisterschaft brachte. Ex-Nationaltrainer Bernd Röder bezeichnet U. noch heute als den ganz seltenen und immer mehr aussterbenden Spielertyp, der, wann immer er des Balles habhaft wurde, für eine Überraschung gut war. U. war stets der kreative Spieler, dessen Zug zum Korb die gegnerischen Verteidigung fürchtete wie der Teufel das Weihwasser. Denn niemand, außer U., konnte ahnen, geschweige denn wissen, wie die Aktion enden würde. Seine no-look-Pässe kamen so überraschend, dass sie kaum zu verteidigen waren. Seine Dribbeltäuschungen auf engstem Raum ließen Gegenspieler häufig ganz alt aussehen.

Auch Meistertrainer Hannes Neumann, der den MTV 1846 Gießen im Jahre 1978 zur bis dato letzten deutschen Meisterschaft führte, rühmte noch viele Jahre später die Fähigkeit des wahrscheinlich größten Gießener Basketball-Talents Uli Strack, Spiele zu lesen und auf dem Feld richtige Entscheidungen zu treffen. Mit noch mehr Trainingsfleiß, da waren und sind sich die sportlichen Wegbegleiter von U. einig, hätten dem MTV-Eigengewächs, der immer von vielen Vereinen umworben war, auch international alle Türen offen gestanden. So verschlug es Uli zwar nach Berlin (wurde dort noch einmal Vizemeister) und Aschaffenburg, letztlich aber blieb er Schlammbeiser und kehrte immer wieder an die Lahn zurück.

 

Text: (wol)
Bild: Ekkehard Metzger

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