„Dauerkartenbestellungen sind unglaublich wichtig für uns.“

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Hallo Herr Schelberg, hallo Herr Reuner. Seit Kurzem gibt es zwei Geschäftsführer bei der GISPO GmbH. Wie kam es dazu?

Heiko Schelberg: „Wir haben immer gesagt, dass die Struktur auf der Geschäftsstelle wesentlich breiter aufgestellt werden muss, um auch zukünftig den besonderen Herausforderungen gerecht zu werden. Somit haben wir uns entschlossen, einen weiteren Geschäftsführer zu installieren, der sich vorrangig um das Thema Finanzen kümmern wird. Gerade in dieser sehr intensiven Zeit, in der wir uns befinden und die uns noch nicht im sicheren Hafen ankommen lassen hat, ist es umso wichtiger, dass wir jemanden haben, der sich vorrangig mit dem Thema Finanzen auseinandersetzt. Bislang lief dieser Bereich federführend über Marco Pitz, der uns jedoch leider wieder in Richtung Volksbank Mittelhessen verlassen hat, und dem wir sehr dankbar für seine Tätigkeit in den vergangenen Monaten sind.

Den Stellenwert des Bereiches Finanzen wollten wir aber auch zusätzlich noch verstärken und somit in die Geschäftsführerebene eingliedern. Daher bin ich sehr dankbar, dass wir mit Philipp jemanden gefunden haben, der wenig Einarbeitungszeit benötigt.“

Was heißt das nun für das Tagesgeschäft und welche Aufgaben bearbeiten Sie aktuell?

Philipp Reuner: „Neben dem laufenden Tagesgeschäft geht es bei mir aktuell hauptsächlich um die Planung für die kommende Saison im finanziellen Bereich. Wir müssen festlegen, welche Budgets für die neue Spielzeit zur Verfügung stehen. Selbstverständlich tue ich dies in enger Abstimmung mit Heiko. Die Entscheidung treffen wir letztendlich gemeinsam. Darüber hinaus haben wir bezüglich der Lizenzierung arbeitsintensive Auflagen von Seiten der Liga bekommen, deren Bearbeitung ich mich widmen werde.“

Schelberg: „Alle Themenbereiche, insbesondere die Themen Marketing und Sponsoring als auch das Markenmanagement, werden in enger Abstimmung gemeinsam von uns bearbeitet. Wir sind aktuell in Gesprächen mit unseren Sponsoren, so dass wir unseren geplanten Etat für die kommende Saison erreichen können. Dazu stehen zahlreichen Gespräche mit unseren Dienstleistern an, um einen reibungslosen Ablauf für die kommende Saison zu gewährleisten. Selbstverständlich stehen dazu auch Gespräche mit unseren Hausbanken sowie der Stadt bzgl. Darlehens- und Stundungsvereinbarungen auf dem Plan.

Im sportlichen Bereich planen wir uns zukünftig neu aufzustellen. Eventuell mit einem sportlichen Berater, was einhergeht mit der Verantwortlichkeit für die neugegründete Basketball Akademie Gießen-Mittelhessen. Natürlich befinden wir uns dazu in der Sondierung des Trainermarktes, wobei wir hier noch nicht final aktiv werden können, da wir noch abwarten müssen, welches Budget uns für die Trainerstelle überhaupt zur Verfügung stehen wird.“

Stichwort Lizenz: Die LTi GIESSEN 46ers haben die Lizenz mit Auflagen bekommen. Wie sehen diese Auflagen konkret aus?

Reuner: „Zunächst einmal müssen wir den Sanierungsplan, den wir dem Gutachterausschuss vorgelegt haben, sowie unsere Finanzplanung einhalten. Zudem müssen wir dem Gutachterausschuss jeden Monat eine aktuelle Liquiditätsplanung zuzüglich einer Betriebswirtschaftlichen Auswertung vorlegen. Die letzte Auflage betrifft den Nachweis einer bestehenden Haftpflichtversicherung.“

Vor fast genau einem Monat endete die turbulente Saison mit dem Heimspiel gegen Oldenburg. Ist seit dem ein wenig Ruhe eingekehrt?

Schelberg: „Für mich persönlich war es sehr wichtig, nach der anstrengenden und intensiven Zeit in meinem zweiwöchigen Urlaub Kraft zu tanken und die Geschehnisse Revue passieren zu lassen. Ehrlich gesagt, bin ich voller Stolz, froh und dankbar darüber, dass wir zu diesem Zeitpunkt dieses Gespräch überhaupt führen dürfen und die drohende Insolvenz abwenden konnten. Wir sind aber immer noch in einer überaus angespannten finanziellen Situation, dementsprechend gibt es auch weiterhin keinen Tag zum Durchatmen.“

Reuner: „Man darf nicht vergessen, dass momentan kein Spielbetrieb herrscht und somit wenige Einnahmen unseren relativ konstanten Ausgaben gegenüberstehen. Es gilt, jede zusätzliche Ausgabe zu vermeiden. Auch aus diesem Grund sind die Dauerkartenbestellungen unglaublich wichtig für uns, denn sie stellen eine ungemein wichtige Einnahmequelle während der Sommerpause dar.“

Das klingt weiterhin nach wenig Ruhe. Wie würden Sie den Status Quo bei den LTi 46ers aktuell bewerten?

Schelberg: „Wir haben zwar enorm wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht, allerdings benötigen wir hier einen ganz langen Atem. Auch wenn ich mich wiederhole: Unsere Ziele werden wir nur erreichen, wenn wir weiterhin die Unterstützung von Seiten der Stadt, Politik, Wirtschaft und Bürger erhalten. Alleine können und werden wir es nicht schaffen.“

Wie sieht der aktuelle Stand in Bezug auf die Verpflichtung eines neuen Trainers aus?

Schelberg: „Wir haben zahlreiche Bewerbungen mit entsprechenden sportlichen Konzepten vorliegen, die wir mit unseren Gesellschaftern und Beratern sondieren. Unterstützung erhalten wir dabei von kompetenten Basketballfachleuten aus der Region. Wir hätten uns in diesem Punkt gerne eine zügigere Trainerfindung gewünscht, doch dies ist aktuell noch nicht möglich. Allerdings ist es unser Ziel, bis Mitte Juni zu wissen, mit welchem Trainer wir in die neue Spielzeit gehen werden.“

Ist Mathias Fischer dabei eine Option?

Schelberg: „Mathias möchte sicherlich sehr gerne in der Beko BBL coachen. Wann wir ihm diese Perspektive wieder bieten könnten, können wir zum jetzigen Zeitpunkt aber natürlich nicht sagen. Dennoch werden wir uns hierzu in Kürze melden.“

Wie ist die Situation bei den Spielern der letzten Saison?

Schelberg: „Wir stehen mit allen Spielern bzw. Agenten im Gedankenaustausch und werden versuchen, den einen oder anderen Spieler zu halten, wenn es unsere monetären Möglichkeiten zulassen. Wir wollen wieder Identifikation zwischen den Spielern und Gießen schaffen. Einige Spieler der vergangenen Saison haben gezeigt, dass sie dazu in der Lage wären.“

Vor wenigen Wochen wurde die neue Basketball Akademie Gießen-Mittelhessen gegründet. Welchen Stellenwert räumen Sie der BAGM ein und wie sieht die Unterstützung der 46ers dabei aus?

Schelberg: „Die BAGM hat einen absolut hohen Stellenwert. Es ist in der Vergangenheit im Jugendbereich in der Region nicht gelungen eine Sprache zu sprechen. Durch die neuen Rahmenbedingungen und finanziellen Einbußen gibt es gar keine andere Chance, als im Jugendbereich einen Themenschwerpunkt zu setzen. Es ist das richtige Zeichen für die Zukunft. Aus Sicht der 46ers muss es zukünftig unsere Stärke sein, Jugendspieler professionell auszubilden und sie zum entsprechenden Zeitpunkt an die Profimannschaft heranzuführen. Wir werden nicht in der Lage sein, uns nur durch sportliche Transfers über Wasser zu halten.“

Reuner: „Die BAGM ist ein vielversprechendes Projekt, das wir im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten finanziell und administrativ unterstützen werden.“

Welche Neuigkeiten gibt es darüber hinaus aus dem Sponsoring-Bereich?

Schelberg: „Zunächst einmal spüren wir in allen Gesprächen die Enttäuschung aufgrund der letzten Jahre. Aber wir spüren genauso, dass viele den Schritt, in der ProA einen Neustart zu beginnen, für richtig und sinnvoll erachten. Dieses wird uns übrigens auch von Seiten der Stadt und der Politik bestätigt.

Wir sind sehr froh darüber, dass uns alle Premium-Partner ihre Zusage erteilt haben und bedanken uns dabei noch mal ganz herzlich. Klar ist aber auch, dass die Unternehmen die Beträge reduziert haben. Somit wird die Zukunft des Klubs von der weiteren Unterstützung aus der Wirtschaft abhängig sein. Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir uns bis zur Decke strecken, um unseren geplanten Etat zu erreichen. Ich kann im Sinne der 46ers nur höflichst alle potenziellen Sponsoren bitten, uns finanziell zu unterstützen. Die Altlasten konterkarieren uns in unserer täglichen Arbeit. Gerade im Hinblick auf unsere Zielsetzungen und Visionen.“

Gibt es Neuigkeiten in Bezug auf die Partnerschaft mit dem Namenssponsor LTi?

Schelberg: „Auch hier werden wir uns in Kürze äußern.“

Was macht die 46ers auch weiterhin attraktiv für Sponsoren?

Schelberg: „Wir glauben, dass wir weiterhin einen außergewöhnlichen Stellenwert in der Region haben. Das hat die vergangene Saison in der Gesamtbetrachtung klar aufgezeigt. Diesem möchten wir endlich wieder gerecht werden. Wir sind überzeugt: In dieser Region und in den 46ers steckt mehr, als zuletzt zu Tage gebracht wurde. Doch ohne entsprechende Mittel auf unserer Seite drehen wir uns da natürlich im Kreis.“

Wie sieht es mit dem Etat für die neue Saison aus?

Schelberg: „Ich möchte heute schon betonen, dass wir vielleicht in der Außendarstellung über einen soliden Etat verfügen werden, bitte aber zu bedenken, dass von diesem Etat für den sportlichen Bereich relativ bescheidene Mittel übrig bleiben werden. Unser oberstes Ziel ist es, den Klub in vier Jahren schuldenfrei zu haben.

Dazu möchte ich mir noch folgende Anmerkung erlauben: Solange der Klub nicht schuldenfrei ist, brauchen wir uns keine ambitionierten Ziele setzen. Für uns geht es in den nächsten ein bis zwei Jahren um das finanzielle Überleben. Natürlich ist es trotzdem unser Anspruch, dabei den Spagat zu schaffen und solide Leistungen in der ProA abzuliefern.“

Reuner: „Wie bereits erwähnt, hat die Entschuldung bei der Planung der Budgets oberste Priorität.“

Gehen wir mal von dem Fall aus, dass dennoch ein Rädchen ins andere passt und die Mannschaft den sportlichen Aufstieg früher schafft. Was passiert dann?

Schelberg: „Das ist zum heutigen Zeitpunkt natürlich schwer zu sagen, denn eine Erfolgssaison könnte durch die positiven Emotionen eine gewisse Eigendynamik entwickeln. Klar ist aber: Auch wenn wir gerne mal von Emotionen angetrieben werden, müssen wir, wie schon in den vergangenen Wochen und Monaten, zukünftig rational handeln. Ohne die entsprechende Basis würden wir in der Beko BBL nicht konkurrenzfähig sein.

Man hat hier lang genug geträumt und nach dem ganz Großen gestrebt, obwohl die Realität eine andere war. Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir uns nur noch realistische Ziele setzen, an denen wir uns auch gerne messen lassen. Klar ist aber auch: Sollten wir eine Veränderung in finanzieller Hinsicht durch eine Kapitalerhöhung, einen Investor, einen Schuldenerlass o.ä. schaffen, werden wir uns nicht dagegen wehren, wenn sich unser Zeitplan zum positiven korrigiert. Wir werden alles genauestens beobachten. Wenn in zwei Jahren der richtige Zeitpunkt zum Angriff gekommen ist, dann ist er in zwei Jahren gekommen. Wenn erst in vier oder in sechs Jahren, dann ist es eben so. Wir können uns die Realität nicht malen, nur versuchen sie bestmöglich und in unserem Sinne zu beeinflussen.“

Sie sprachen von Visionen. Wie sehen diese aus und was stimmt Sie positiv, dass diese erreicht werden?

Reuner: „Unser Ziel ist es in vier Jahren schuldenfrei zu sein, um dann auf einer soliden Basis aufbauen zu können. In der vergangenen Saison haben alle Verantwortlichen einen sehr guten Job geleistet, die Verbindlichkeiten abgebaut und das Ergebnis verbessert. Somit bin ich zuversichtlich, dass wir diesen Weg in den nächsten Jahren weitergehen können.“

Schelberg: „Optimal wäre es natürlich, wenn wir es schaffen, in vier Jahren schuldenfrei zu sein und dann auch wieder in der ersten Liga zu spielen. Kurzfristig ist es aber mein Wunsch, dass hier auf der Geschäftsstelle und bei unseren Tätigkeiten mal wieder so etwas wie Alltag einkehrt und dass es normale Tagesabläufe ohne Überraschungen gibt. Wir möchten uns endlich einmal nicht nur auf das Wesentliche konzentrieren, sondern auch kreative und innovative Freiräume haben, um neue und vollkommen notwendige Ideen umzusetzen.

Zuversichtlich stimmt mich, dass wir sowohl während als auch nach der drohenden Insolvenz von verschiedenen Stellen Unterstützung gespürt haben und die Zeichen der Zeit erkannt worden sind. Besonders die Stimmung während der Heimspiele kann mich diesbezüglich nur positiv stimmen. Doch letzten Endes hängt die Zuversicht für die Zukunft auch von unseren Gläubigern sowie davon ab, wie der Basketball in der ProA in Gießen angenommen wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht reicht, wenn wir allein von Seiten der 46ers die Zuversicht haben. Jeder muss Zuversicht haben, jeder muss uns in unseren zukünftigen Aktivitäten, Planungen und Zielsetzungen über das normale Maß hinaus unterstützen. Wir alleine werden es nicht schaffen.“

Wie sieht die Zukunft aus?

Schelberg: „Meiner Ansicht nach wird es in Zukunft sehr wichtig sein, in die Geschäftsstelle zu investieren, damit wir den Befindlichkeiten unserer Sponsoren, Partner, Dienstleister und Fans im vollen Umfang nachkommen können. Nur wenn wir das schaffen, wird es möglich sein, Mehrerlöse zu generieren und somit dann auch im sportlichen Bereich über ein angemessenes Budget zu verfügen, um die LTi GIESSEN 46ers wieder dort zu positionieren, wo sie hingehören: In der Beko Basketball Bundesliga.“

Der Dauerkartenvorverkauf startete vor wenigen Tagen. Wie wichtig sind die Dauerkartenkäufer für die kommenden Wochen?

Reuner: „Wie vorhin schon erwähnt: Sie sind für uns extrem wichtig, weil sie uns während der Sommerpause, in der wir nur geringe andere Einnahmequellen haben, natürlich die nötige Planungssicherheit für die kommende Saison geben. Aus diesem Grund möchte ich alle Fans und Zuschauer darum bitten, uns auf diesem Wege jetzt zu unterstützen. Wir werden alles dafür tun, eine schlagkräftige Mannschaft zu präsentieren. Schon jetzt bedanken wir uns ganz herzlich bei jedem, der uns zu diesem frühen Zeitpunkt bereits durch seine Dauerkartenbestellung unterstützt hat und unterstützen wird.“

Was wünschen Sie sich von den Fans für die kommende Saison?

Schelberg: „Es war ein bewegender Moment, als unsere Fans beim letzten Spiel „You´ll never walk alone“ sangen und ihren Banner präsentierten. Ich wünsche mir von den Fans weiterhin diese fantastische Unterstützung. Es war beeindruckend, wie die Mannschaft, auch nachdem der Abstieg feststand, noch unterstützt wurde. Wir hoffen sehr, dass auch die zukünftige Mannschaft diese Unterstützung erhält, vielleicht ja auch wieder bei den Auswärtsspielen. Darüber würden wir uns sehr freuen.

Ansonsten wünsche ich mir, dass unserer Arbeit mehr Vertrauen geschenkt wird. Wir haben sicherlich bewiesen, dass wir auch von Seiten der Geschäftsstelle zu einem offenen Dialog bereit sind und können nur jeden auffordern, dies vermehrt zu nutzen.“

Reuner: „Dem kann ich nichts weiter hinzufügen.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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