(Foto: MARCO KESSLER | MEDIASHOTS)

„Besonders wird es dadurch, dass wir in der Osthalle auf einen Euroleague-Teilnehmer treffen.“ – Interview mit Denis Wucherer

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Denis, war das ein wichtiger Sieg in Tübingen, um nach einer Mini-Niederlagenserie wieder in die Spur zu finden?

In der Spur waren wir auch schon während der ersten Halbzeit in Braunschweig und der zweiten Hälfte gegen Bayreuth. Dass man da trotzdem zweimal verliert, liegt an der Qualität in der Beko BBL. Dass man außerdem nicht jedes Spiel gewinnen kann, ist auch klar. Insofern war schon vor dem Tübingen-Spiel alles in Ordnung. Das ist jetzt der fünfte Sieg und das ist prinzipiell gut. Dass er auswärts eingefahren werden konnte, in keiner einfachen Halle, gegen ein solides Team, spricht dafür, dass wir einiges richtig machen. Vor allem deswegen, weil wir, gerade offensiv vor dem Seitenwechsel, weit von unserem Limit entfernt waren.

Ihr habt Jared Jordan aus dem Spiel genommen, das ist bislang noch keiner Mannschaft gelungen und zeigt einmal mehr, über welche Klasse in der Defensive ihr verfügt, oder?

Ich glaube, gerade auf den kleinen Positionen haben wir mit Cameron, Yorman und Karsten, mittlerweile auch mit Eric, der sich im letzten Jahr zu einem soliden und aggressiven Verteidiger gemausert hat, genug Optionen. Aber wir haben nicht nur Jordan aus dem Spiel genommen, sondern auch Mihajlovic, der vorher einigen Teams Probleme bereitet hat. Das zeigt einfach, dass wir da gut aufgestellt sind.

Eine Aktion des Spiels war sicherlich der Offensiv-Rebound im vierten Viertel von Cameron Wells, nachdem er zuvor zwei Freiwürfe vergeben hatte.

Cam ist offensiv auf der Suche nach seinem Spiel, seinem Wurf und seinem Rhythmus. Aber eben auch auf der Suche nach den richtigen Entscheidungen. Ich glaube, dass genau dieser Offensiv-Rebound vor zwei Wochen noch beim Gegner gelandet wäre. Das war einfach wichtig, dass wir da nachgelegt haben. In der Verteidigung hat Cam schon einen Schritt nach vorne gemacht im Vergleich zum Bayreuth-Spiel. Und ich denke, dass er in den nächsten Spielen auch offensiv wieder durchschlagskräftiger werden wird.

Gabriel Olaseni sicherte sich zudem ein Double-Double mit 14 Punkten und 12 Rebounds. Er scheint nur wenig Anlaufzeit gebraucht zu haben, um effektiv zu werden?

Ja, besonders defensiv fand ich ihn schon gegen Bayreuth unglaublich stark. Dass da offensiv noch nicht alles geklappt hat, noch etwas die Bindung gefehlt hat, ist logisch. Er bringt aber genau das mit, was wir brauchen. Er ist ein richtig guter Verteidiger auf der großen Position, macht die kleinen Dinge richtig, setzt die harte Blöcke, holt Rebounds, arbeitet hart, ist intelligent und ein angenehmer Zeitgenosse. Das bringt uns die Stabilität, die der Mannschaft am Brett bislang gefehlt hat.

Das Spiel in Tübingen war das erste von insgesamt sechs Partien im Dezember. Ist die hohe Anzahl an Spielen eine besondere Herausforderung für die Mannschaft?

Ich glaube, das ist ja in der BBL üblich, dass man rund um Weihnachten, in der fußballfreien Zeit, viele Spiele terminiert. Das ist keine einfache Phase, weil es eben für uns quasi Neuland ist, dass man nur zwei bis drei Tage Zeit hat, uns auf das nächste Spiel vorzubereiten. Auch auf uns Coaches kommt da eine Menge Arbeit zu. Aber prinzipiell freuen wir uns auf die Zeit, denn das macht uns natürlich viel Spaß. Es müssen nicht immer fünf oder sechs Tage Vorbereitungszeit sein. Wenn man Spiele verliert, ist es gut, schnell wieder auf dem Parkett zu stehen. Da kommen sehr interessante und schwierige Aufgaben auf uns zu, auf die wir uns aber freuen. Es gibt jedenfalls keinen Grund, mit negativen Gefühlen in diese Zeit zu gehen.

Ihr habt schon früh die direkte Vorbereitung auf das kommende Spiel aufgenommen, ansonsten arbeitet ihr ja zu Beginn der Woche eher an Grundlagen. Ist diese Anpassung ausschließlich im Gegner begründet?

Absolut. Wenn du dir gegen eine Mannschaft wie die des FC Bayern München eine Chance erarbeiten willst, dann geht es nur, wenn du frühzeitig an Details arbeitest und den Jungs vermitteln kannst, wo eventuell Schwächen beim Gegner in der Verteidigung zu erkennen sind. Die wollen wir dann natürlich nutzen. Wer das Spiel der Bayern am Wochenende gegen Bamberg gesehen hat, hat von beiden Seiten Basketball zum Genießen erkennen können. Das war eine großartige Qualität. Nach einer kleinen Durststrecke spielen die Bayern wieder auf dem Niveau, auf dem sie spielen können. Insofern hat man nur eine Chance zu bestehen, wenn man von Anfang an höchst fokussiert ist und alles richtig macht.

Die Bayern spielen keine 48 Stunden vorher in der Euroleague gegen Real Madrid. Ein Vorteil für euch?

Es ist natürlich die Grundproblematik einer Mannschaft, die europäisch spielt und Ambitionen hat, dass sie so häufig spielen muss. Manchmal ist eben nur ein Tag Pause, dementsprechend sind diese Mannschaften aber auch zusammengestellt. Sie haben die Tiefe und Qualität, dass sie mit solchen Situationen fertig werden müssen. Dass sie an einem Tag gegen Madrid und dann zwei Tage später auf einen unbequemen Gegner treffen, ist aber nicht das erste Mal. Der Fokus der Bayern wird bis Freitagabend auf Madrid liegen. Insofern haben wir einen Vorteil. Wir können uns bis ins Detail vorbereiten, haben viel mehr Zeit. Aber das liegt eben in der Natur der Sache. Wir müssen gucken, inwieweit wir diesen Vorteil nutzen können. Wir brauchen aber auch die Energie und geistige Frische, um Lösungen gegen einen Euroleague-Gegner zu finden, der das Zeug hat, unter die besten acht Europas zu kommen.

Ihr könnt aber völlig befreit aufspielen?

Bisher haben wir keinen Druck verspürt und ich glaube auch nicht, dass sich das ändern wird. Wir glauben an unsere Stärke, daran, dass wir es uns ermöglichen, Spiele zu gewinnen. Jetzt sind wir schon bei fünf Siegen angekommen. Das ist gut, aber es soll möglichst bald der sechste eingetütet werden. Dementsprechend fokussiert und vorbereitet gehen wir in diese Partie.

Wird es denn für dich ein besonderes Spiel?

Nein, es wird eine ganz normale Partie. Die Bayern-Mannschaft hat sich seitdem ich da gearbeitet habe ja komplett verändert. Der einzige aus der Zeit, mit dem ich noch zu tun hatte, ist Marko Pesic. Insofern ist das für mich ein ganz normales Spiel. Besonders wird es dadurch, dass wir in der Osthalle auf einen Euroleague-Teilnehmer, und vielleicht eines der besten 16 Teams Europas treffen.

Vielen Dank, Denis!

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