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Spieltag

18.10.2026

Adverben gewinnen keine Spiele

Eigentlich war alles angerichtet für einen launigen Abend. EIGENTLICH!!! 

Brain Chris Carter brachte „Good News” mit aus München. Eine weitere ärztliche Untersuchung hatte ergeben, dass er sich nicht am rechten, angeschwollenen Knie operieren lassen muss. „Drei Wochen Pause, dann soll ich langsam wieder einsteigen …“ Nachwuchs-Center Kai Müsse stand nach seinem im Eröffnungsspiel gegen die Artland Dragons erlittenen Außenbandrisses im rechten Sprunggelenk endlich wieder auf dem Parkett. Fast 2700 Besucher sorgten nicht nur für ein Season-high, sondern auch für allerbeste Stimmung in der Osthalle. Die Gäste der Rhein-Stars Köln mussten kurzfristig auf ihren Big Man Nat Diallo (Mittelfußbruch) verzichten. 

Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic bekam vor der Partie von Geschäftsführer Guido Heerstraß einen Präsentkorb anlässlich seines eine Woche zurückliegenden 60. Geburtstags überreicht. Und die 16-Punkte-Führung kurz vor der Halbzeit (41:25) ließ die Fans glückselig „Super Gießen …“ intonieren. 

Doch Adverben wie „eigentlich“ gewinnen keine Spiele. Sie beschreiben allerhöchstens die Vergänglichkeit zwischenzeitlicher Glücksgefühle, die am Ende in Trauer, Ratlosigkeit, Verzweiflung und Enttäuschung münden können. Wie am Samstagabend in der Osthalle, die die Menschen verließen, ohne eine rechte Erklärung dafür zu haben, was sie zuvor live hatten miterleben müssen.

Diese aber lieferten die meisten Protagonisten, die ganz genau wussten, was geschehen war. Hausherren-Topscorer Viktor Kovacevic, der mit einem Double-Double aus 20 Punkten und elf eingesammelten Rebounds einmal mehr glänzte, forderte: „Wir müssen endlich lernen, Spiele auch zu beenden.“ Capitano Robin Benzing sprach davon, dass „wir keine Antworten mehr gefunden haben, als wir unter Druck geraten sind. Köln hat uns im Laufe des Spiels immer mehr den Schneid abgekauft, deshalb haben wir auch verdient verloren.“ Center Till Gloger zeigte sich „extrem enttäuscht, denn wir hatten uns so viel vorgenommen.“ Und Luis König Figge, der mit Einsatz, starkem Rebounding und 13 Zählern als Energizer voranging, bemängelte „zu viele Ballverluste, dumme Fehler“ und vor allem eine Offense, die in Hälfte zwei mit nur noch 32 eigenen Punkten „nicht dazu taugte, Matches zu gewinnen.“

Und Cheftrainer Branislav Ignjatovic? Der machte wie immer aus seinem Herzen keine Mördergrube und nannte die Probleme beim Namen: „Diese Niederlage fällt eindeutig in die Kategorie selbst verschuldet“, grantelte der Mann aus Belgrad. „Die zweite Halbzeit war ein Albtraum. Erst läuft Kölns Cedric Russell mit allein 21 Punkten nach der Pause heiß, dann leisten wir uns Ballverluste ohne Ende. Und unsere US-Guards bringen es zusammen mal wieder nur auf zwölf Zähler. Grausam! Einige meiner Jungs müssen sich wirklich mal fragen, ob sie überhaupt das Level für diese Liga haben.“ 

Dieser Doppel-Wumms saß! Und steckte in den Gliedern …  

Ebenso wie die 76:78 (44:31)-Niederlage der GIESSEN 46ers am fünften Spieltag der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA gegen die Rhein-Stars Köln, durch die der Altmeister erst einmal aus den Playoffs herausgerutscht ist. Dabei hatte der Abend so stark, so selbstbewusst, so fokussiert begonnen. „Das war die bisher beste Halbzeit dieser Saison“, freute sich „Frenki“ Ignjatovic über das 8:2 (4.) von Alex Williams im Nachfassen, über den Hookshot von Robin Benzing zum 15:6 (6.), über das 17:12 (7.) durch Luis König Figge im Stolpern, über den Treffer von Till Gloger in Zeitnot zum 25:19 (12.), über den Dreier von Daniel Norl (33:25) eine Minute danach und über die bis dato höchste Führung durch Zach Cooks zum 35:23 (15.), den er hernach nicht nur vom Feld holte, sondern ihn auch väterlich in den Arm nahm.

Eine Stunde später sollte sich die Laune des Übungsleiters gegenüber seinem Regisseur jedoch gewaltig gedreht haben. Ebenso wie die Partie, die Viktor Kovacevic allein von 35:25 auf 41:25 gestellt hatte, die auch beim Dreier von Daniel Norl (51:36, 22.) und beim Buzzerbeater-Abschluss durch Viktor Kovacevic (54:45, 26.) noch in die richtige Richtung, nämlich in die, die die 46ers vorgegeben hatten, zu laufen schien, die jedoch plötzlich einen anderen Verlauf als geplant nehmen sollte. 

Köln kam, angeführt vom wie entfesselt aufspielenden Cedric Russell, peu à peu heran. Und Gießen wirkte auch nach einem Vorsprung, der von Minute zu Minute schmolz, noch so, als sei das Match schon eingetütet. „Wir haben halt nie aufgegeben“, fand Zoran Kukic, der Coach der Rheinländer, eine einfache Erklärung für die Aufholjagd der Seinen, die nach dem anfänglichen 2:0 zum zweiten Mal in Führung gingen, als Alex Williams einen Tempogegenstoß unsportlich unterband, Köln in Person von Cedric Russell erfolgreich an die Freiwurflinie ging und den anschließenden Ballbesitz durch Björn Rohwer zum 67:66 (34.) veredelte. Die Minuten, als die Hausherren selbstständig mit Schwimmbewegungen begannen, sollten kommen ...

Robin Benzing produzierte einen Airball, Daniel Norl krachte beim Ballvortrag zu Boden und einem Treffer des Kapitäns versagten die Referees die Anerkennung. Dass Gießen 25,6 Sekunden vor dem Ende nochmals Hoffnung schöpfte, als Benzing den Serben Viktor Kovacevic uneigennützig zum 76:78 bediente, war beim 76:70 für die Gäste eine Minute zuvor nicht mehr zu erwarten. Als sich dann auch noch Köln Center Björn Rohwer 13,7 Sekunden vor dem Halali einen Schrittfehler erlaubte und Ignjatovic ein Play in der Auszeit ansagte, glaubten die exakt 2654 Fans in der Osthalle sogar noch zumindest an eine Overtime, doch Zach Cooks wurde zum tragischen Helden des Abends.

Statt den Ball schnell zu machen und ihn dann zum vermeintlich sicheren Schützen Robin Benzing zu passen, versuchte es der neue Gießener Go-to-Guy nach dem Motto „Kopf durch die Wand.“ Und scheiterte mit seinem Solo, weil sich die Kugel dazu entschied, nach einem netten Tänzchen auf dem Ring aufs Parkett statt ins Netz zu trudeln. 

„Warum hat er in den 40 Minuten vorher nicht den Korb so attackiert, warum nur einmal, und das ausgerechnet in den Schlusssekunden?“, zeigte sich „Frenki“ Ignjatovic ratlos und geplättet zugleich ob der unglücklichen Crunchtime. 

Nach einer Partie, in der eigentlich alles für einen launigen Abend angerichtet schien …

Gießen: Scantlebury (2), Genius (n.e.), Cooks (6), Alex Williams (4), Benzing (16), Norl (11), König Figge (13), Müsse, Gloger (4), Kovacevic (20).‍

Köln: Russell jr. (26), Antonio Williams (15), Monroe (3), Patterson III (12), Günther (2), Lehmann (n.e.), Begue (2), Hujic (4), Bühner, Cuvalo (n.e.), Rohwer (14). 

UND SONST NOCH …

  • Unsere Starter: Zach Cooks, Alex Williams, Robin Benzing, Daniel Norl, Viktor Kovacevic.
  • Unser Konditions-Wunder: Robin Benzing (31:07 Minuten).
  • Unser stärkster Rebounder: Viktor Kovacevic (11).
  • Unser erfolgreichster Passgeber: Robin Benzing (6).
  • Unsere höchste Führung: 41:25 (18. Minute).
  • Unsere erfolgreichste Serie: 8:0 zum 8:2 (4. Minute).
  • Unsere emotionalen Beobachter: 2654 Zuschauer in der Osthalle.
  • Unser nächster Auftritt: Montag, 26. Oktober (19.30 Uhr), bei den EPG Baskets Koblenz.

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