
14.10.2026
73:61 gegen die GIESSEN 46ers. 89:62 bei der BG Göttingen. Und nun 85:74 bei den MLP Academics Heidelberg: Wer in drei Partien in Serie drei Ex-Bundesligisten, drei Playoff-Anwärter, ja drei Aufstiegs-Hoffnungen „putzt“, der darf sich auf der eigenen Homepage auch als das aktuell „heißestes Team“ der Liga bezeichnen. Mit einem Vier-Punkte-Abzug wegen Unstimmigkeiten im Nachlizenzierungsverfahren belastet sind die SBB Börde Baskets aus Wolmirstedt inzwischen auf dem besten Weg in Richtung obere Tabellenhälfte. Warum? „Weil wir in Heidelberg 40 Minuten lang einen guten Job gemacht haben“, so Kapitän Martin Bogdanov, der selbst fast nur „Fahrkarten“ produzierte, der aber mit elf Assists zur Stelle war.
Den besten Job am launigen Abend im SNP-Dome machte dabei der Ex-Gießener Dennis Nawrocki, der 2022 unter Cheftrainer Pete Strobl mit dem Altmeister noch aus der BBL abgestiegen war. In fast 33 Minuten sorgte der 33-Jährige, der im Sommer aus Hagen vor die Tore Magdeburgs gekommen war, nicht nur für 23 Punkte, sondern er beeindruckte vor allem mit seiner Trefferquote. Ein versenkter Wurf aus der Nahdistanz, sechs getroffene Dreier und drei gelungene Freiwürfe bedeuteten für Nawrocki eine Schussquote von 100 Prozent, die an die von 46ers-Capitano Robin Benzing vor der Pause am Freitag in Crailsheim erinnerte. Dass die Mannschaft des ehemaligen Gießener Spielmachers Achmadschah Zazai, die ohne Aeneas Jung (Kieferbruch) und Kenny Cooper (Wade) antreten musste, bei 14 Treffern in 26 Versuchen von jenseits der 6,75-Meter-Linie auf eine Quote von beachtlichen 54 Prozent kam, setzte dem durchaus überraschenden Auswärtssieg die Krone auf.
Ohne Niklas Würzner (persönliche Gründe) und weiterhin ohne Dominic Vengert (gebrochene Nase) lief Heidelberg von Beginn an einem Rückstand hinterher, so dass Pressesprecherin Eva Birkelbach am Ende von einem „gebrauchten Tag“ schrieb. Und Cheftrainer Carlo Finetti gab sich selbstkritisch: „Wolmirstedt hat in den ersten elf Minuten 38 Punkte erzielt, was für die Art und Weise, wie wir Basketball spielen wollen, absolut inakzeptabel ist. Das geht klar auf meine Kappe. Ich habe es nicht geschafft, meinen Jungs klarzumachen, wie das Spiel verlaufen würde.“
Überhaupt war der vierte Spieltag in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA geprägt von „Ballermännern“ aus der zweiten Reihe. Beim 100:93-Erfolg der BG Göttingen als Gast der VfL SparkassenStars Bochum bestanden die 15 Punkte des vom lettischen Spitzenclub BC Neptunas Klaipeda nach Süd-Niedersachsen gekommenen Radvilas Kneizys ausschließlich aus Dreiern. Da auch der neue bosnische Center Omar Pajic (22 Punkte, elf Rebounds) sowie Regisseur Daniel Kirchner (13 Punkte, zwölf Assists) jeweils mit einem Double-Double auffielen, landeten die „Veilchen“ endlich ihren ersten Saisonerfolg. Dass Liga-Topscorer JaMonta Black auf der Gegenseite mit 28 Zählern und sechs Treffern aus dem Nirgendwo zum Mann des Abends wurde, interessierte BG-Coach Martins Gulbis am Ende nicht wirklich: „Die Jungs haben sehr hart gearbeitet und sich diesen ersten Sieg verdient.“
Bei den stark in die Saison gestarteten Nürnberg Falcons stach bei der 65:92-Pleite gegen die Kreisbau Kirchheim Knights der aus Iowa gekommene US-Flügel Nate Heise mit 26 Zählern, davon allein 18 von jenseits der 6,75-Meter-Linie, heraus. Da sich die „Ritter“ jedoch 20 Rebounds mehr angelten, Tyrel Morgan ein Double-Double (13 Punkte, zehn Rebounds) produzierte und auch Corey Hines (24), Desmond Watson (17) und Phil Alston (15) zweistellig trafen, erklomm der letztjährige Playoff-Finalist die Tabellenspitze.
„Trostpflaster“ für die Franken: Bei der Nürnberger Nacht des Sports wurde Gesche Schünemann, die viele Jahre für den RSV Lahn-Dill aktiv war, mit dem Sonderpreis „Außergewöhnliche Leistung für den Nürnberger Sport“ ausgezeichnet. Damit würdigten der GOLDENE RING, ein gemeinnütziger Verein, der Spitzensportler unterstützt, und die Wirtschaftsprüfer von Forvis Mazars, die den Preis zum fünften Mal gestiftet haben, ihr außergewöhnliches Engagement für den Rollstuhlbasketball und die Inklusion in Nürnberg. Seit 2023 ist die mehrfache Paralympics-Medaillengewinnerin als Geschäftsführerin Inklusion für den Nürnberg Falcons e.V. aktiv. Mit „Falcons Care“ engagiert sich Schünemann für inklusive Begegnungen an Nürnberger Schulen und in Unternehmen. Gemeinsam mit Nationalspielerinnen wie Svenja Mayer, Lilly Sellak und Verena Meyer bringt sie beispielsweise Kindern und Jugendlichen den Rollstuhlbasketball und das Leben mit Handicap näher. Beim gemeinsamen Training im Sportrollstuhl werden Perspektiven verändert und Barrieren spielerisch abgebaut. Zudem hat sie federführend den Rollstuhlbasketball in Nürnberg in kurzer Zeit nachhaltig entwickelt und auf die deutsche Landkarte gebracht. Auf den direkten Aufstieg in die 2. Bundesliga folgte in der vergangenen Saison der Meistertitel und damit der Sprung in die Beletage. Der mit 2500 Euro dotierte Sonderpreis ist für Gesche Schünemann Anerkennung und Ansporn zugleich: „Der Preis ist Motivation für mich, die Themen Rollstuhlbasketball und Inklusion in der Metropolregion Nürnberg weiter voranzubringen. Mit den Menschen in unserer Region ist noch viel Potenzial für weiteres Wachstum vorhanden.“ Mit Bastian Doreth und Sebastian Schröder hielten zwei Wegbegleiter Schünemanns die Laudatio.
Zurück zu den Top-ProA-Schützen, bei denen Isaac Haney (33) und Tim Smith (26) von den Tigers Tübingen den Vogel abschossen. Die beiden US-Boys sorgten fast im Alleingang für den 92:86-Erfolg bei den Artland Dragons, zu dem der im Sommer von den GIESSEN 46ers ins Schwäbische gewechselte Kanadier Aiden Warnholtz allerdings nicht viel beitragen konnte. Der Guard zog sich schon nach vier Minuten eine Oberschenkelverletzung zu und kehrte nicht mehr aufs Parkett zurück. Fabien Kondo (Fuß), Till Jönke (Hüfte) und Melkisedek Moreaux (Knie) fehlten dem neuen Tigers-Übungsleiter Felix Banobre ebenfalls, zudem gönnte er Jason Ani nach seiner Verletzung am Sprunggelenk noch eine Pause und beließ ihn 40 Minuten auf der Bank. Da Tübingen jedoch 16 Profis im Kader hat, kompensierte der „Rest“ die Ausfälle souverän.