
21.10.2026
Mit den PS Karlsruhe LIONS und (Achtung, es wird sperrig) Medikamente per Klick Bayreuth, den Lesern mit der Gnade der frühen Geburt besser bekannt als BBC oder Steiner Bayreuth, steht zwei namhaften Clubs schon nach dem fünften Spieltag der Saison 2026/27 in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA das Wasser bis zum Hals. Die Wagnerstädter, 1989 noch Deutscher Meister und vor sechs Jahren Halbfinalist im Europe Cup, zieren nach der fünften Niederlage im fünften Match das Tabellenende. Die „Löwen“, 2024 Playoff-Sieger, aber ohne Lizenz für die BBL, warten seit ihrem Erfolg in Bayreuth Anfang Oktober auf ein weiteres Erfolgserlebnis. Bezeichnend: Karlsruhe hat mit im Schnitt nur 70 Punkten die schlechteste Offense aller 18 Zweitligisten, Bayreuth dafür die löchrigste Defense mit durchschnittlich satten 100 Gegenpunkten je Match.
Dass mittlerweile in Oberfranken, wo seit Dienstagvormittag US-Aufbauspieler Darrell Davis jr. (BC Cherno More Varna/Bulgarien), der davor schon in Israel, Litauen, Schweden, Brasilien und Uruguay aktiv war, zur MpK-Mannschaft gehört, die Alarmglocken vom Grünen Hügel bis ins Gassenviertel vernehmlich zu hören sind, verdeutlichte das 86:97 gegen die Artland Dragons. Dort musste die Truppe des neuen niederländischen Cheftrainers Vincent van Sliedregt auf die verletzten Moritz Plescher, Noah Wabersich, Leroy Ikejiaku, Nic McClain, Joshua Bonga und Luis Wulff verzichten. US-Guard Glen Abram traf zwar fünf Dreier und bediente seine Nebenleute mit elf Assists, blieb aber aus der Nahdistanz erfolglos. Besser machte es auf der Gegenseite Regisseur Buzz Anthony, der nach den Abgängen der Alleinunterhalter Amir Hinton und Ben Burnham immer mehr zum Punktelieferanten in Quakenbrück avanciert. Mit satten 30 Zählern machte der Mann aus Maryland nachhaltig auf sich aufmerksam.
Auf sich aufmerksam machen ist auch das Stichwort der BG Göttingen, die nach drei Niederlagen zum Saisonstart inzwischen Fahrt aufgenommen und beim 95:74 gegen die Nürnberg Falcons den zweiten Sieg eingefahren hat. Ungewöhnlich: Die Rückkehr in die Erfolgsspur hängt bei den „Veilchen“ nicht mit neuem Personal auf dem Feld, sondern offenbar mit der Verpflichtung eines neuen Co-Trainers zusammen. Denn Ex-BG-Profi Harper Kamp unterstützt seit wenigen Tagen Cheftrainer Martins Gulbis an der Seitenlinie. Der gebürtige US-Amerikaner, der seit 2021 auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ist in Göttingen eine Legende: Kein Spieler hat im Trikot der Süd-Niedersachsen mehr Erstliga-Punkte (1630) erzielt und -Rebounds (645) geholt. Ebenso stand der 38-Jährige von allen BG-Akteuren am häufigsten in der Start-Aufstellung (129-mal). Als der Center im Sommer 2013 von Ex-Coach Johan Roijakkers in den Zweitliga-Kader geholt wurde, war nicht abzusehen, dass Kamp in Göttingen einmal heimisch werden würde. Er hatte großen Anteil am Erstliga-Aufstieg 2014 und wurde in der ProA zum Spieler des Jahres gewählt. 2014/15 nahmen die MHP RIESEN Ludwigsburg den aus dem US-Bundesstaat Arizona stammenden Profi unter Vertrag, einigten sich aber noch in der Vorbereitung auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. So kam Kamp direkt zurück zu den „Veilchen“. Im Sommer 2016 zog es ihn zu den Eisbären Bremerhaven, für die er eine Spielzeit absolvierte und im Anschluss erst einmal keinen neuen Vertrag unterschrieb. Da Kamp inzwischen in Göttingen heimisch geworden war, konnte er im November 2017 bei der BG aushelfen, als Darius Carter mit einer Handgelenksverletzung länger ausfiel. Nach dem Ende des Kurzzeitvertrags im März 2018 ging Kamp für ein paar Wochen nach Uruguay, um für Malvin Montevideo aufzulaufen und seine Karriere anschließend vorerst zu beenden. Im Sommer 2020 hospitierte der Publikumsliebling bei den „Veilchen“, um vom damaligen Headcoach Roel Moors zu lernen. Aufgrund von Verletzungssorgen benötigte der Belgier einen Trainingsspieler, sodass Kamp einsprang. Im Training überzeugte der Forward und wurde in den Erstliga-Kader aufgenommen. In seiner letzten aktiven Spielzeit 2022/23 hatte der Center großen Anteil an der erfolgreichsten BG-Saison seit dem Wiederaufstieg. Eine Knieverletzung, die Kamp im zweiten Playoff-Viertelfinale gegen Bayern München erlitt, machte dem Wahl-Göttinger den gesamten Sommer 2023 zu schaffen, sodass eine Operation unumgänglich war. An eine Rückkehr in den Leistungssport war anschließend nicht mehr zu denken.
Leistung ist auch ein gutes Stichwort für die PS Karlsruhe LIONS, die in der Europahalle das Derby gegen die MLP Academics Heidelberg vor 2600 Besuchern deutlich mit 51:74 verloren und dabei in vielen Stats Rätsel aufgaben. Noch immer ohne die verletzten Isaiah Hart, Martel Williams und Bazoumana Koné stimmten nur vier eigene Punkte im zweiten Viertel, nur 19 Zähler zur Pause, lediglich drei versenkte Dreier (Quote von 14 Prozent), 21 Ballverluste und kein Treffer bei neun Versuchen von Pointguard Zac Owens überhaupt nicht mit den Bemühungen um den Ligaverbleib überein. Einzig der Ex-Gießener Maurice Pluskota, der nach langer Verletzungspause ein gutes Comeback feierte, stemmte sich mit 13 Punkten und acht eingesammelten Rebounds gegen die Niederlage.
Mit nur neun Profis, da der aus Münster gekommene Paul Viefhues (Sprunggelenkblessur) fehlte, fertigten die Kreisbau Kirchheim Knights die Paderborn Baskets mit 100:82 ab und behaupteten damit die Tabellenführung. Fünf Teck-Profis punkteten zweistellig, Shooting Guard Desmond Watson, im Sommer aus Frankfurt gekommen, glänzte dabei mit 22 Punkten. Da sich die Schwaben nur sechs Ballverluste erlaubten, gingen am Ende alle vier Abschnitte an die „Ritter“.
Und dann sind da noch die SBB Börde Baskets aus Wolmirstedt, die mit Konstatin Lwowsky einen strategischen Berater als Unterstützung des Vorstandsvorsitzenden Dirk Uhlemann installiert haben. „Das ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Verwirklichung der Vision 2030“, lässt sich Uhlemann in einer Mitteilung des Clubs zitieren. Lwowsky bringt einen großen Erfahrungsschatz mit vor die Tore Magdeburgs. Bei Alba Berlin prägte der 52-Jährige die Nachwuchsarbeit und begleitete zahlreiche Talente auf ihrem Weg in den Leistungssport. Und bei den NINERS Chemnitz war er als Sportlicher Leiter an der Entwicklung der Sachsen bis ins Oberhaus beteiligt.