
24.09.2026
GIESSEN 46ers scheiden gegen Chemnitz mit 70:77 aus dem Pokal aus, begegnen dem Erstligisten aber über weite Strecken auf Augenhöhe.
Beste Stimmung und lobende Worte: Die Osthalle spielt verrückt, obwohl die Saison noch gar nicht begonnen hat. Mit einer 70:77 (48:39)-Niederlage gegen den Erstligisten NINERS Chemnitz haben sich die GIESSEN 46ers am Samstagabend aus dem Netto BBL-Pokal verabschiedet, die begeisterten Anhänger jedoch werden in der vor der Tür stehenden und mit einem Heimspiel gegen die Artland Dragons (Freitag, 25. September, 20 Uhr) beginnenden ProA-Spielzeit sicher wiederkommen.
„Ihr seid top gecoacht und der stärkste Zweitligist“, wertschätzte Gästecoach Rodrigo Pastore den Auftritt des Altmeisters, der dem Euro-Cup-Club aus Sachen nicht nur alles abverlangt, sondern ihn auch fast auf die Bretter gezwungen hatte. „Immer, wenn ich in den letzten Jahren auf meinen Kollegen Branislav Ignjatovic getroffen bin, waren es echt schwierige Partien für mich.“
Es waren wohlgemeinte Sätze, die dem 59-Jährigen eigentlich hätten runtergehen müssen wie serbisches Olivenöl, die ihm aber irgendwie im Halse stecken blieben. „Eine Niederlage zu kassieren ist nie schön, zumal wir heute die große Chance verpasst haben, eine Runde weiterzukommen. Die Zuschauer fahren wahrscheinlich glücklich nach Hause, ich aber nicht. Ich bin enttäuscht!“
Ins gleiche Horn bliesen auch seine Jungs, die sich dem Favoriten eigentlich drei Viertel lang auf Augenhöhe präsentiert hatten, die nach der Pause und insgesamt nur mageren 22 Punkten nicht mehr genug trafen, um Chemnitz auszuschalten. „Wir haben uns teuer verkauft, haben ein richtig gutes Spiel gezeigt, sind aber leider draußen. Echt schade“, fasste Till Gloger den Abend treffend zusammen. „In der entscheiden Phase haben wir nicht gescored. Das ganze Lob hilft uns am Ende auch nicht weiter“, grantelte Kapitän Robin Benzing. Und Neuzugang Chris Carter befand: „In der Crunchtime haben uns die Ideen gefehlt, den Gegner zu knacken.“
Der 34-Jährige blickte jedoch schon eine halbe Stunde nach der Schlusssirene voraus: „Insgesamt hat unser Coach hier eine echt interessante Gruppe zusammengestellt. Wir haben starke Charaktere, die nie aufgegeben haben. In den nächsten Einheiten gilt es hart zu arbeiten und einen weiteren Schritt nach vorne zu machen. Die Fans, die uns fantastisch unterstützt haben, werden noch viel Freude an uns haben.“ Und: „Ich habe heute viel Gutes gesehen.“
Beispielsweise den in Slowenien zum „Guard of the year“ gewählten Nigel Scantlebury, der unbekümmert auftrat und mit 16 Punkten zum Gießener Topscorer wurde. Beispielsweise Vierfach-Aufsteiger Chris Carter, der sich auch in der Osthalle als echter Leader präsentierte. Beispielsweise Rookie Alex Williams, der gleich vier seiner fünf Dreierversuche in den NINERS-Korb hineinstreichelte. Beispielsweise Robin Benzing, der an der Freiwurflinie wie immer eiskalt blieb und alle fünf Würfe traf. Beispielsweise Nachwuchs-Center Kai Müsse, der in seinen neun Parkett-Minuten auch gegen die bulligen Nighael Ceaser und Urald King seinen Körper einzusetzen wusste. Und beispielsweise auch den beim Einlaufen am enthusiastischsten von allen begrüßte Viktor Kovacevic, der acht Rebounds herunterpflückte und der mit seinen 14 Zählern die erste Hälfte prägte.
Es war eine Hälfte, an die sich die sehr zufriedenen Anhänger, die ihre Profis hochleben ließen, als wären diese gerade in einen internationalen Wettbewerb eingezogen, noch lange erinnern werden. Denn nach einem Stotterstart (6:15, 4.) und weiteren vier Angriffen ohne Korberfolg brachen Viktor Kovacevic per And-One zum 9:15 (5.) und Nigel Scantlebury mit dem ersten Treffer von Downtown (12:15, 7.) den Bann. Als der US-Guard mit der Sturmfrisur dann auch noch per Solo auf 22:17 (11.) stellte, hatten die 46ers das Match mit einem 16:2-Run gedreht.
Auch in der Folge setzten die Hausherren die Akzente und sorgten für Spektakel. Viktor Kovacevic schloss per Floater über den verdutzten Mateo Seric zum 24:20 (12.) ab. Robin Benzing verwandelte drei Freiwürfe zum 29:22 (13.). Alex Williams ließ es bei einem Tempogegenstoß nach Traumpass von Zach Cooks zum 34:26 (14.) krachen. Chris Carter dunkte gnadenlos zum 40:22 (16.). Und Alex Williams ließ die Halle bei einem erneuten Treffer von jenseits der 6,75-Meter-Linie zum 46:32 (18.) beben. „Unsere Offense war in Halbzeit echt sensationell“, freute sich „Frenki“ Ignjatovic, während sein argentinischer Kollege Rodrigo Pastore von „Kontrollverlust“ sprach.
Obwohl die Gäste das dritte Viertel mit einem 11:0-Lauf eröffneten, waren die 46ers noch lange nicht besiegt. Chris Carter blies mit zwei versenkten Freiwürfen nach fast vierminütiger Flaute zur Attacke, die Till Gloger nach Bodenpass von Nigel Scantlebury (54:53, 25.) und Daniel Norl per Dreier zum 57:53 (26.) wörtlich nahmen.
Unter dem Strich aber stimmte die Gießener Trefferquote in Halbzeit zwei nicht mehr. Zehn Zähler in Durchgang drei und nur zwölf im vierten Viertel waren am Ende klar zu wenig, um die NINERS aus dem Wettbewerb zu kegeln. Da auch 19 Ballverluste happig daher kamen, Zach Cooks keinen seiner sechs Dreierversuche in der Reuse unterbrachte, Till Gloger gegen die Chemnitzer „Schränke“ nicht so viele Abpraller zu fassen bekam, wie er gerne eingesammelt hätte und deshalb auch das Rebound-Verhältnis (34:41) in die Hose ging, und auch Daniel Norl aus der Nahdistanz überhaupt nicht zum Zuge kam, verabschiedeten sich die GIESSEN 46ers (allerdings erhobenen Hauptes) aus dem Netto BBL-Pokal.
Wohl wissend, wie es Robin Benzing später formulierte, sich „richtig gut präsentiert“ zu haben.
Gießen: Scantlebury (16), Cooks (4), Carter (7), Alex Williams (14), Nickel (n.e.), Benzing (5), Norl (6), König Figge, Müsse, Gloger (4), Kovacevic (14).
Chemnitz: Smith (22), Richardson (n.e.), Rödl (4), Kellig (n.e.), Atkins, King, Seric (8), Ceasar (8), Cobe Williams (24), Burnham (9), von Senckendorff (2).
UND SONST NOCH …
Unsere Starter: Zach Cooks, Chris Carter, Alex Williams, Till Gloger, Viktor Kovacevic.
Unser Konditions-Wunder: Viktor Kovacevic (31:00 Minuten).
Unser stärkster Rebounder: Viktor Kovacevic (8).
Unser erfolgreichster Passgeber: Nigel Scantlebury (4).
Unsere höchste Führung: 46:32 (18. Minute).
Unsere erfolgreichste Serie: 10:0 zum 46:32 (18. Minute).
Unsere emotionalen Beobachter: 2318 Zuschauer in der Osthalle.
Unser nächster Auftritt: Freitag, 25. September (20 Uhr), gegen die Artland Dragons.
Runde eins im Netto BBL-Pokal: HAKRO Merlins Crailsheim – Phoenix Hagen 86:93, Eisbären Bremerhaven – Basketball Löwen Braunschweig 67:87, Veolia Towers Hamburg – Rostock Seawolves 90:81, GIESSEN 46ers – NINERS Chemnitz 70:77, BG Göttingen – SYNTAINICS MBC 83:113, Kreisbau Kirchheim Knights – MHP RIESEN Ludwigsburg xx:xx, Frankfurt Skyliners – Science City Jena xx:xx, MLP Academics Heidelberg – EWE Baskets Oldenburg xx:xx.
Achtelfinale: Alba Berlin – BMA 365 Baskets Bamberg, Fitness First Würzburg Baskets – SYNTAINICS MBC, Frankfurt/Jena – VET-CONCEPT Gladiator Trier, ratiopharm Ulm – Phoenix Hagen, Kirchheim/Ludwigsburg – RASTA Vechta, Heidelberg/Oldenburg – Telekom Baskets Bonn, Veolia Towers Hamburg – Bayern München, Basketball Löwen Braunschweig – NINERS Chemnitz.