
27.09.2026
Von David Heinemann
Geküsst wurde zwar nicht, aber wenigstens ein kleines Lächeln wollte die „Smile Cam“ in der ersten Viertelpause dem einen oder der anderen von den Lippen entlocken. Bis die Fans der Gießen 46ers am Freitagabend aber tatsächlich Grund zum Jubeln, zum Lachen, zum Fröhlichsein hatten, mussten sie erst einmal warten. Lange warten. Denn der 91:87-Heimsieg über die Artland Dragons zum Start der neuen Saison in der 2. Basketball-Bundesliga ProA musste zunächst hart erkämpft werden. Sehr hart.
Bevor auf dem Parkett aber die orangefarbene Kugel durch die Luft geworfen wurde, wurde zunächst der kürzlich verstorbenen Vereinsikone Ernie Butler gedacht. Hallensprecher Carsten Schäfer fand berührende Worte, erinnerte selbstverständlich an die legendären Schlusssekunden gegen Osnabrück 1965, als Butler dem MTV Gießen mit Ablaufen der Uhr den ersten Meistertitel bescherte. Und er hielt fest, dass der Basketball in Gießen ohne Butler nicht der sei, der er heute ist. Die Fans widmeten dem Verstorbenen nicht nur ein Transparent mit Butlers legendärer Aussage „Basketball is Jazz“, sondern ebenso ein Spruchband: „Du gabst den Takt vor – Wir spielen ihn weiter!“
Gespielt wurde nach der folgenden Schweigeminute auf dem Parkett. Und die Quakenbrücker aus dem Landkreis Osnabrück waren von Anfang an nicht gewillt, sich einfach abschießen zu lassen. Die Dragons waren nicht nur heiß auf die Partie in der Osthölle, sondern auch aggressiv in der Verteidigung. „Es war das typische erste Saisonspiel“, gab 46ers-Headcoach Frenki Ignjatovic im Anschluss der Partie auf der Pressekonferenz zu Protokoll. Der 59-Jährige hatte zuvor eine Begegnung gesehen, die zwar nicht immer wunderschön anzusehen war, die aber durch den Kampfgeist beider Teams stets spannend und nervenaufreibend war. So ging es fehlerbelastet und munter gleichermaßen hin und her, ohne dass sich eine Mannschaft großartig von der anderen abzusetzen wusste.
Beim 40:32 (16.) waren die 46ers erstmals ein paar Punkte weiter vorn. Als aus dieser 9-Punkte- kurz darauf eine 12-Punkte-Führung wurde (44:32), schienen sich die Mittelhessen endgültig von den Drachen distanzieren zu können. Doch immer dann, wenn ein kleines Polster bestand, wurde dieses peu à peu von den Gästen wieder abgetragen. Etwa weil die Gießener dazu neigten, sich für überhastete Würfe zu entscheiden, anstatt einen Angriff konzentriert zu beenden. Oder weil die Dragons zeitweise ebenso geschickt verteidigten, wie die Rot-Weißen auf der anderen Seite. „Wir“, wusste Neuzugang Chris Carter hinterher, „haben oft die falschen Entscheidungen getroffen. Wir haben zu oft schnell gespielt, obwohl wir hätten besser das Tempo herausnehmen müssen.“ Auch wurden von den 43 Freiwürfen nur 29 verwandelt. „Daraus müssen wir lernen“, sprach der Small Forward von „einem ekligen Spiel“. Aber auch so eins muss erst einmal gewonnen werden.
Doch die 46ers hielten ihren Gegner konsequent hinter sich. Weil Chris Carter ohne Ende rackerte. Weil Alexander Williams stets wuselig war und mit sechs Rebounds nach Viktor Kovacevic (7) die meisten pflückte. Weil Luis König Figge (Ignjatovic: „Hat offensiv und defensiv ein sehr gutes Spiel gemacht“) im Schlussviertel aufdrehte und nicht einen seiner Würfe neben die Reuse setzte. Weil Kapitän Robin Benzing einmal mehr von der Freiwurflinie (7 von 8) als auch aus der Distanz (3 von 4) verlässlich punktete. Und weil Zachary Cooks mit 22 Punkten den Dragons den Zahn zog.
„Es war das erste Spiel, die Saison ist noch lang. Jetzt bin ich aber erst einmal froh, dieses gewonnen zu haben“, fand Chris Carter ähnliche Worte wie sein Trainer Frenki Ignjatovic: „Ich bin sehr zufrieden, dass die Mannschaft dieses Spiel so kontrolliert zu Ende gebracht hat.“ Auch wenn es dafür bis zur Schlusssekunde gedauert hat, als Alexander Williams von der Freiwurflinie in der Schlusssekunde das 91:87 eintütete. Und damit letztlich nicht nur die Fans mit einem Lächeln verabschiedete.