
01.10.2026
Langes Wochenende für die Gießen 46ers. Ein ganz langes und vor allem anstrengendes Wochenende allerdings. Von wegen den Feiertag am Samstag genießen, von wegen am Sonntag die Füße hochlegen: Die Mannen des Basketball-Zweitligisten sind gleich zweimal auf dem Parkett gefordert. Am Freitag (19.30 Uhr) gastiert der Aufstiegsanwärter bei SBB Börde Baskets, dem bisherigen Team aus Wolmirstedt, und am Sonntag kommt der VfL Bochum in die Osthalle (15 Uhr). Doppelte Arbeit also. Aber auch doppelte Punkte? „Das“, so sagt Branislav Ignjatovic mit Nachdruck zunächst zur Auswärtsaufgabe, „wird ein ganz schweres Spiel. Wolmirstedt ist für mich ein klarer Playoff-Anwärter.“ Playoff-Anwärter deshalb, weil der kleine Verein aus der Magdeburger Börde weiterhin seinen Plan verfolgt, langfristig in die BBL aufzusteigen. Allerdings gab es im Sommer heftige Turbulenzen im Zuge der Lizenzierung, bei der Unstimmigkeiten zutage traten. Der Club wurde zu einer Strafe von 10.000 Euro verdonnert und bekommt zudem in der laufenden Spielzeit vier Punkte abgezogen.
Turbulenzen hin, Strafen her: Um weiter nach oben zu klettern und möglichst das Playoff-Ziel zu erreichen, wurde der Kader dennoch im Sommer gezielt verstärkt. Prominenter Neuzugang ist beispielsweise Brock Gardner. Der Forward kam von den Merlins Crailsheim und soll der Dreh- und Angelpunkt im Spiel werden. Mit Sebastian Brach kam zudem ein Point Guard aus Leverkusen, den Ignjatovic selbst gerne verpflichtet hätte. „Aber“, so der Coach lakonisch, „er hat sich halt für Wolmirstedt entschieden.“ Vielleicht weil die Landschaft dort weniger bergig als in Mittelhessen ist.
Aber vor allem beim dritten bekannten Neuzugang dürfte es bei den 46ers-Fans ein lautstarkes Hallo geben: Mit Dennis Nawrocki genießt nun auch ein ehemaliger Osthallen-Akteur die flache Gegend im Osten des Landes. „Gegen uns“, warnt „Frenki“ schon mal seine Mannen, „spielt Dennis immer besonders gut.“ Besonders schlecht allerdings sind die zusätzlich mit dem ehemaligen Kirchheimer Aeneas Jung verstärkten Wolmirstedter in die Saison gestartet. Ausgerechnet in Kirchheim nämlich setzte es für das Team von Trainer Achmadschah Zahai eine heftige 58:87-Niederlage. „Cha-Cha“, wie der Trainer genannt wird, fordert nun gegen Gießen die schnelle Wiedergutmachung: „Die Auftaktpleite haben wir intensiv aufgearbeitet. So dürfen und wollen wir uns kein zweites Mal präsentieren.“ Na klar: Aber auch der 46ers-Trainerfuchs weiß, dass auf seine Mannen ein Kraftakt wartet: „Nach so einer Niederlage braucht der Trainer gar nicht viel sagen. Da werden die Spieler alle ihr Bestes geben.“
Ihr Bestes wiederum haben die 46ers noch lange nicht gezeigt. Zumindest sieht „Frenki“ das so, auch wenn er mit dem 91:87-Auftaktsieg gegen die Artland Dragons insgesamt zufrieden war. „Ich habe bislang Gutes und Schlechtes von uns gesehen. Was zu Saisonbeginn natürlich normal ist. Wir müssen jetzt unsere Leistungen stabilisieren. Das Talent ist in der Mannschaft ausreichend vorhanden, aber wir müssen noch die Egos zurückschrauben“, fordert der Headcoach größeren Teamgeist und den Blick fürs Große und Ganze auf dem Parkett ein. Vor allem aber mahnt der serbische Hesse eine robustere Gangart unterm Korb an: „Wir müssen besser rebounden und nicht so soft spielen wie gegen Artland.“
Und eine robustere Gangart wird nicht nur bei der schweren Auswärtsaufgabe am Freitagabend, sondern auch beim Heimspiel am Sonntag gefragt sein. Mit dem VfL Bochum gastiert dann eine „interessante Mannschaft, die sehr offensiv orientiert ist“, wie Ignjatovic findet, in der Osthalle: „Das Team hatte eine durchwachsene Pre-Season und ist schwer einzuschätzen.“ Immerhin: Bochum kommt mit der Empfehlung eines 81:77-Auftaktsiegs und einer überragenden Einzelleistung nach Mittelhessen. Denn US-Spieler JaMonta Black erzielte in Paderborn satte 34 Punkte. „Auf ihn müssen wir aufpassen“, weiß natürlich auch „Frenki“ und fügt mit Selbstvertrauen hinzu: „Gegen Bochum sollten wir zuhause Favorit sein und auch gewinnen.“ Gewinnen am Sonntag und gewinnen am Freitag zuvor: Wenn das lange Arbeitswochenende schließlich mit doppelten Punkten endet, dann dürfen die 46ers zumindest am Montag mal die Füße ohne Basketballschuhe hochlegen.