
08.10.2026
An den 9. Oktober hat Branislav Ignjatovic gute Erinnerungen. Und dies nicht ob der Tatsache, dass er an jenem Herbstsonntag des Jahres 1966 das Licht der Welt erblickte.
An einem 9. Oktober lief es beim Deutsch-Serben sportlich meist rund. Als er 55 Jahre alt wurde, gastierte er mit seinem damaligen Club MLP Academics Heidelberg in der Osthalle. In seiner ersten und Gießens vorerst letzter BBL-Saison behielten die Männer vom Neckar mit 75:68 die Oberhand. Und bereiteten ihrem Cheftrainer damit einen genüsslichen 55. Geburtstag. An dem ihm zum vollkommenen Glück lediglich ein kühles Blondes in der anschließenden Pressekonferenz fehlte. Was er auch bei seinem damaligen Gegenüber Pete Strobl hinterlegte.
Fünf Jahre zuvor saß „Frenki“ Ignjatovic zusammen mit seinem aus Belgrad zu Besuch gekommenen Bruder Vladimir zu Hause in Ober-Ramstadt, um nicht nur die krachende 46:84-Pleite vom Vortag im ProA-Duell in Trier zu analysieren, sondern auch um zu verstehen, was der direkte Vergleich im Basketball für Auswirkungen haben kann. „Wir haben nicht schlecht gestaunt, dass wir trotz dieser Abreibung statt Tabellenvierter plötzlich Tabellenführer waren.“
Und auch die Analyse auf der Couch fruchtete. Denn das Rückspiel gewann Heidelberg dreieinhalb Monate später mit 91:51. Damit auch den direkten Vergleich. Der im abschließenden Vergleich des Fünften (Heidelberg, 36:24-Punkte) mit dem Sechsten (Trier, 34:26) allerdings nur wenig interessierte.
An diesem Freitag, dem 9. Oktober, wird der Cheftrainer der GIESSEN 46ers 60 Jahre alt. Was er mit Familie und Freunden nicht feiern wird. Denn er sitzt im Mannschaftsbus gen Hohenlohe. Von morgens um 10 Uhr bis ungefähr nachts um 1 Uhr. Spieltag vier in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA steht an; und die „Gastgeber“ des Jubilars heißen HAKRO Merlins Crailsheim (Sprungball 20 Uhr). Die noch vor wenigen Monaten vom Altmeister trotz Hauptrunden-Platz zwei im Playoff-Viertelfinale aus dem Wettbewerb gekegelt wurden. Das schmerzte! Ungefähr genauso wie das Halbfinal-Aus der 46ers wenige Tage später gegen Kirchheim.
Wem in der „Stierkampfarena“ ab 22 Uhr zum Feiern zu Mute sein wird, möchte „Frenki“ Ignjatovic nicht vorhersagen, er verspricht allen Gießener Anhängern, die den Weg in den Landkreis Schwäbisch Hall auf sich nehmen werden, aber einen „heißen Kampf“, in dem „wir uns teuer verkaufen werden.“ Und dies in einem Topspiel, „das für uns genau zum richtigen Zeitpunkt kommt.“ Denn: „Wir sind heiß auf eine erste Standortbestimmung gegen einen der Großen der Liga.“
Der nach drei Durchgängen auch sofort mit drei Siegen bei den ETB Miners Essen (81:67), gegen die Tigers Tübingen (85:64) und bei den PS Karlsruhe LIONS (91:47) an der Tabellenspitze thront. Und dies, obwohl die Verantwortlichen nach dem Rückschlag aus dem Mai keinen Stein auf dem anderen gelassen haben. Coach David McCray wollte weg und arbeitet nun als Sportlicher Leiter bei seinem Heimatclub MHP RIESEN Ludwigsburg. Sportdirektor Bogdan Radosavljevic, eine Clubikone, musste gehen. Zu einem Zeitpunkt, als er mit Florian Flabb (von Aufsteiger OrangeAcademy) bereits einen neuen Headcoach und mit viel Qualität auf dem Feld auch schon ein Team zusammengestellt hatte, das oben mitspielen möchte.
„Sie haben viele Optionen und gerade in der Offensive großes Talent“, lobt „Frenki“ Ignjatovic das neue Team der „Zauberer“, die nicht nur Regisseur Simon Krajcovic aus Gießen loseisen konnten, sondern die mit Booker Coplin einen Mann aus dem Hut zauberten, der laut des noch 59-Jährigen „das Zeug dazu hat, am Ende der Runde MVP zu werden.“ Der 28-jährige US-Amerikaner kam im Sommer aus der BBL von RASTA Vechta; auch in Ludwigsburg und Frankfurt sammelte der grandiose Schütze bereits Bundesliga-Erfahrung. Nach Crailsheim zu wechseln war für Coplin ein logischer Schritt, denn bei den Merlins arbeitet er nun wieder mit Coach Florian Flabb zusammen, mit dem er ab 2021 schon in Düsseldorf werkelte.
Verlassen haben Crailsheim Top-Leute wie Marvin Ogunsipe (Würzburg), Brock Gardner (Wolmirstedt), Anthony Gaines, Xavier Johnson, Gabriel de Oliveira (alle Weißenfels), Tyreese Blunt (Bremerhaven), „Mo“ Stuckey (Karriereende) und Vinnie Shahid (Limburg/Niederlande). Dafür kamen mit dem ehemaligen Pointers-Akteur Lucas Mayer (Kirchheim), Hendrik Drescher (Göttingen), Luc van Slooten (Vechta), Peyton Gerald (Graz) und Courtney Alexander (Botev/Bulgarien) Akteure, die den Abgängen, wie es „Frenki“ Ignjatovic formuliert, „qualitativ in nichts nachstehen.“
Und als Ergänzung zu Booker Coplin und Simon Krajcovic, von dem der 46ers-Übungsleiter „eine hochmotivierte Vorstellung“ erwartet, verpflichteten die Hohenloher vergangene Woche noch Dylan Addae-Wusu. Der äußerst kompakte und athletische Guard, der zuletzt in der Dominikanischen Republik aktiv war, avancierte bei seinem ersten Auftritt in Karlsruhe mit 18 Punkten (dazu fünf Assists und drei Rebounds) gleich zum Topscorer von Crailsheim.
Beim Altmeister fehlt weiterhin Center Kai Müsse (Außenbandrisses im rechten Sprunggelenk). Die lädierten Alex Williams (Finger) und Chris Carter (Knie) können spielen, so dass „Frenki“ Ignjatovic fordert: „Unsere defensive Intensität muss von der ersten Sekunde an stimmen. So eine Halbzeit wie die erste gegen Bochum können wir uns nicht noch einmal erlauben.“ Schließlich soll auch dieser kommende 9. Oktober beim Cheftrainer lange in positiver Erinnerung bleiben.