
20.08.2026
Im Glutofen Kirchenplatz haben die GIESSEN 46ers bekräftigt, ihre Durststrecke beenden und in die BBL zurückkehren zu wollen. Es waren Worte, die die rund 700 bestens gelaunten Anhänger am Stadtfest-Samstag bei 38 Grad im Schatten nicht nur mit Wohlwollen aufnahmen, sondern mit teils donnerndem Applaus goutierten. Und ihren Spaß an der knapp eine Stunde andauernden Präsentation des in weiten Teilen neu zusammengestellten Teams hatten.
Wie beispielsweise, als Moderator Simon Schornstein, der wie gewohnt launig und kompetent durch den Nachmittag führte, von Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic wissen wollte, wer denn die gefährlichsten Konkurrenten der 46ers in der Spielzeit 2026/27 der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA seien.
„Gefährliche Konkurrenten?“
zog der 59-jährige Deutsch-Serbe ein wenig belustigt die Stirn in Falten.
„Wir wollen für die Konkurrenz gefährlich sein, nicht umgekehrt!“
Solche Aussagen kommen an bei den Fans, die besonders den Altvorderen wie Robin Benzing oder Luis König Figge, die an der Lahn ihre Spielzeiten vier beziehungsweise fünf absolvieren werden, donnernd applaudierten. Leidenschaft ist gefragt, hohe Ziele sind angesagt, „denn fünf Jahre Unterhaus sind für einen Traditionsstandort wie Gießen auch irgendwann einmal genug“, so Ignjatovic, der davon sprach, dass „wir vergangene Runde nicht nur im Halbfinale gestanden haben, sondern den Aufstieg dicht vor Augen hatten. Wir haben also nicht alles falsch gemacht.“
Zur neuen Runde habe er ein Team zusammengestellt, das Geschwindigkeit und Athletik mitbringe, das Erfahrung mit jugendlicher Leichtigkeit verbinde und das ehrliche Arbeit abliefern werde.
„Ich bin kein Träumer, aber auch ich will in meinem fünften Jahr bei den 46ers endlich hoch. Zunächst einmal sollten wir jedoch, wie in all meinen bisherigen Spielzeiten, die Playoffs erreichen, dann können wir weiterdenken. Es wird Zeit für die Krönung.“
Der sich die Profis auf der SWG-Bühne, ergänzt durch einen neuen Staff um Teammanager Pascal Elser, Athletiktrainer Konstantin Zimmer und den Physios Johannes Dersch und Laura Zimmermann, gerne stellen.
Assistent-Coach Nikola Stanic sprach davon, er habe im Sommer in Serbien abgeschaltet und sei nun „ready for our big goal“. US-Wirbelwind Nigel Scantlebury, vorher noch mit Sohnemann Ace auf dem Arm, ließ die Anhänger wissen, dass er mit der Empfehlung des Titels „Guard of the year“ aus Slowenien an die Lahn gekommen sei. Zack Cooks, einst mit Jena dafür verantwortlich, dass die 46ers nicht schon längst statt gegen ratiopharm Ulm „nur“ gegen deren Farmteam, die OrangeAcademy, antreten müssen, sprach von „verrückten Fans in Gießen“, was diese mit enthusiastischen Sprechchören quittierten.
Routinier Chris Carter verkündete - frenetisch bejubelt - dass er mit Gießen den fünften BBL-Aufstieg seiner Karriere anstrebe. Rookie Alex Williams erzählte, dass ihm seine Mum Sonia, die Gießen am Montag wieder in Richtung Dayton/Ohio verlassen wird, geraten habe, bei den 46ers zu spielen, „also dort, wo du dich wohlfühlst.“ Ex-Nationalspieler und Capitano Robin Benzing („Krass, dass ich bei dieser Hitze so zahlreich gekommen seid“) wollte von einem Karriereende noch nichts wissen, rief aber dennoch dazu auf:
„Kauft euch ruhig schon mal ein Trikot mit meinem Namen drauf, es ist einfach wunderschön.“
Daniel Norl trägt künftig das Leibchen mit der Nummer 13, das bislang von Big Man Jonathan Maier belegt war. „Bezahlt habe ich an ihn dafür aber nichts.“
Luis König Figge erzählte, dass er einen wunderbaren Galapagos-Urlaub gehabt habe. „Es war schön, morgens aufzustehen und nicht zu wissen, was der Tag bringt.“ Kai Müsse berichtete von viel Zeit mit der Familie in Georgien und Istanbul sowie einen guten Fitness-Programm während der letzten Monate. Till Gloger erinnerte sich an seine „emotionale Hochzeit“ mit Pauline in der Nähe von Lübeck. Serben-Tower Viktor Kovacevic, der in seine dritte Spielzeit in Gießen geht, sprach von einer „tollen Mannschaft, von der ihr viel erwarten dürft.“ Und die beiden Youngster Elias Genius und Luca Nickel gaben unisono bekannt, sich mächtig darüber zu freuen, zum ProA-Team zu gehören.
„Die Tür, Großes zu erreichen, steht uns offen.“
Zum gelungenen Nachmittag passte auch, dass die neuen Trikots, die Luis König Figge und Chris Carter den Anhängern erstmals präsentierten, an die Aufstiegssaison 2014/15 erinnern sollen. An jene also, als Denis Wucherer das 46ers-Team um Benni Lischka, Cameron Wells und Yorman Polas Bartolo mit drei Playoff-Sweeps gegen Heidelberg, Nürnberg und Würzburg wieder zurück ins Oberhaus führte. Wenn das kein gutes Omen ist …
Bei 38 Grad im Schatten hat es den GIESSEN 46ers eben danach gedürstet, die ProA endlich nach oben verlassen zu können.