
24.09.2026
46ers-Kontrahent NINERS Chemnitz sorgt für ein positives Image der nach der Wende eher traurigen Stadt am Rande des Erzgebirges.
Graue Arbeiterstadt. Hohe Arbeitslosigkeit. Wirtschaftskrise durch den abrupten Zusammenbruch der Kombinate und des traditionellen Maschinenbaus. Und vor allem ein spürbarer Bevölkerungsrückgang (von 315.000 auf 240.000): Chemnitz, bis zum 1. Juli 1990 gut 37 Jahre lang Karl-Marx-Stadt, woran im Stadtzentrum „dor Nischel“, die 40 Tonnen schwere Plastik des Protagonisten der Arbeiterbewegung, noch immer erinnert, kam nach der Wende eher traurig daher.
„Chemnitz ist die Stadt mit dem größten Minderwertigkeitskomplex überhaupt in ganz Deutschland“, befand einst Erik Neubert von der Grünen Jugend, der seit vielen Jahren am Rande des Erzgebirges politisch aktiv ist. Und Ex-Basketballer Malte Ziegenhagen gestand in einem Interview: „Mir tut es leid, weil Chemnitzer sich oft rechtfertigen müssen, wenn sie irgendwo hingehen. Da ist immer die Frage: Ach, du kommst aus Chemnitz, wie geht es dir da so? Wie lebt man da so? Es ist so ein bisschen, als würde man auf dem Mond wohnen.“
36 Jahre nach der Wende ist es der Stadt inzwischen gelungen, ihr Image zu ändern. Günstige Mieten, ausreichend Wohnraum, eine Top-Infrastruktur, Start-ups ohne Ende, Kulturhauptstadt Europas 2025. Und statt 5000 rechtsextremer Demonstranten 2018 in der Brückenstraße, was weltweite Beachtung fand, feierten 10.000 Menschen 2024 den Gewinn des Europe-Cups der Basketballer der NINERS Chemnitz auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. „Solche Bilder brauchen wir, solche Bilder habe ich lange herbeigesehnt“, so SPD-Oberbürgermeister Sven Schulze, der regelmäßig in der Messe zu Gast ist, um den Sport unter den Körben live zu verfolgen.
Kultur und Sport sorgen inzwischen für ein positives Image der Stadt. Nicht zuletzt Clubs wie die NINERS, die den Menschen die Möglichkeit eröffnen, stolz auf Chemnitz zu sein. Es hat sich herumgesprochen, dass Niners-Spiele ein Event für viele Zielgruppen sind. Die Anhänger fühlen sich sicher. Sie sind nicht, wie bei den viertklassigen Fußballern des Chemnitzer FC, abgegrenzt mit Netzen und umstellt von Ordnern, sondern sie sind Teil des Ganzen. Frauen und Kin der gehen gerne zum Basketball. Es ist ein Phänomen, das in den meisten Ultrablocks der Fußballstadien eher selten zu beobachten ist.
Die Polizei Chemnitz bestätigte einst nach dem Euro-Cup-Gewinn, dass die Einsatzstunden beim Basketball deutlich die beim Fußball unterschreiten. Bei CFC-Partien in der Regionalliga Nordost waren es 2024 rund 12.000, beim Basketball nur etwa 200. Alle ausnahmslos beim Finale gegen Istanbul.
Die NINERS, die am Samstag (18.30 Uhr) in Runde eines des Netto BBL-Pokals ihre Visitenkarte in der Osthalle abgeben, sind inzwischen aus der Sportlandschaft der Stadt nicht mehr wegzudenken. Und dies, obwohl sie erst seit 27 Jahren existieren. Der Verein entstand 1999 als BV Chemnitz 99 durch den Zusammenschluss der Vereine BG Chemnitz und Lok Chemnitz.
2001 begann der BV Chemnitz 99 eine Kooperation mit der Technischen Universität, weshalb der Name um TU ergänzt wurde. Im Sommer 2002 folgte die Aufteilung in eine Herrenmannschaft (BV TU Chemnitz 99) und eine Damenmannschaft (Chemcats Chemnitz). Die Herrenmannschaft erhielt im Laufe des Gründungsjahres 1999 den Spitznamen NINERS.
Es ist ein Team, das den inzwischen vierfach vertretenen Osten im bundesdeutschen Oberhaus (Jena, MBC, Rostock) mehr als würdig vertritt. Und das rund um den „Nischel“ auch weiterhin für Furore sorgen möchte.