Spieltag
Team

15.10.2026

Gegen die 48-Stunden-Depression

Am Sonntag, zwei Tage nach seinem 60. Geburtstag, hatten ihn rund 40 gute Freunde, eingefädelt von Ehefrau Gordana und Sohnemann Djordje, überrascht. Mit vielen Geschenken. Mit Balkan-Spezialitäten im Restaurant „Chauseehaus“ in Nieder-Ramstadt. Mit launigen Reden. Mit Musik. Und natürlich mit dem einen oder anderen Sliwowitz. 

„Frenki“ Ignjatovic, der von nichts wusste und der es sich eigentlich auf seinem Sofa im benachbarten Ober-Ramstadt bequem gemacht hatte, um – wie jeden Tag – ein wenig Basketball zu schauen, standen die Tränen in den Augen. Als der Alleinunterhalter Bata Ilic und Howard Carpendale auflegte, griff der Coach der GIESSEN 46ers natürlich zum Mikrofon, sang voller Inbrunst mit und schwang die Hüften. „Irgendwie muss ich ja die bei einer Niederlage übliche 48-Stunden-Depression, die Trainer normalerweise so begleitet, besiegen.“ 

Das 76:83 am Freitag als Gast der HAKRO Merlins Crailsheim hatte Spuren hinterlassen. Die im Kreise der deutsch-serbischen Community vom Mann aus Belgrad ausgeblendet wurden, die aber erst beseitigt sind, wenn der nächste Gegner bezwungen ist. Und der heißt an Spieltag fünf der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA am Samstag (19 Uhr) RheinStars Köln.

„Eine Mannschaft, die ich schon im Sommer auf dem Schirm hatte, die wir auf keinen Fall unterschätzen dürfen, die eine starke Pre-Season mit Siegen gegen belgische und niederländische Erstligisten hingelegt hat, an die wir schlechte Erinnerungen haben, die ein klarer Playoff-Kandidat ist und die uns alles abverlangen wird.“ Wenn das keine Zusammenfassung der Fähigkeiten eines Kontrahenten ist …

Gegen die Truppe aus der mit einer Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Stadt Nordrhein-Westfalens haben die 46ers noch eine, ja eigentlich zwei Rechnungen offen. Im Ausweichquartier in Düsseldorf setzte es vergangene Saison eine 76:92-Niederlage, auch in der Osthalle behielt Köln mit 87:77 die Oberhand. „Das habe ich nicht vergessen, wir wollen Revanche“, so Branislav Ignjatovic, den noch immer personelle Sorgen plagen. 

Leader Chris Carter fällt mit einer Knieverletzung erst einmal aus. Am Freitag wird eine weitere Untersuchung in München vielleicht noch mehr Klarheit bringen. Kai Müsse (Außenbandrisses im rechten Sprunggelenk) hat nach drei Wochen Pause das Training wieder aufgenommen; ob er mitwirken kann, entscheidet sich erst kurz vor Spielbeginn. Alex Williams hat sich erneut den kleinen Finger der linken Hand ausgekugelt; der US-Rookie stellte sich mit einem dicken Tape in den Dienst der Mannschaft. Und zu allem Übel hat sich auch noch Nachwuchs-Guard Luca Nickel beim 90:85-Erfolg der Roth Energie Gießen Pointers am Samstag gegen die Black Forest Panthers aus Schwenningen am Oberschenkel verletzt, so dass zuletzt mehrere Akteure aus der Regionalliga-Truppe im 46ers-Training aushalfen, um zumindest ein Fünf-gegen-Fünf zu ermöglichen.

Dass bei den RheinStars unlängst bei der Overtime-83:85-Heimniederlage gegen die Eisbären Bremerhaven nur Haris Hujic fehlte, klingt da schon wie eine Randnotiz, wenngleich der Ex-BBL-Profi (Göttingen, Oldenburg) bei seinen bisherigen drei Einsätzen im Schnitt immerhin sieben Punkte zum Gelingen beisteuern konnte. Hujic ist neben dem ehemaligen Gießener Maxi Begue, Center Björn Rohwer und den Guards Jasper Günther und Cedric Russell einer der Profis, die Cheftrainer Zoran Kukic, ein in Wien geborener Bosnier, der für Borac Banja Luka im Europapokal aktiv war und mit Köln 2004 Pokalsieger wurde, behalten konnte.

Hinzu kam eine kleine, aber feine Auswahl an Akteuren, die inzwischen vom ehemaligen Bochumer Antonio Williams (im Schnitt 16 Punkte) angeführt werden. US-Flügel Chris Monroe kam von den Traiskirchen Lions aus Österreich. Der 27-Jährige sammelt im Schnitt fünf Rebounds ein, zuletzt gegen Bremerhaven waren es sogar acht. Ihm in nichts nach steht sein Landsmann James Patterson (Hofstra University/New York), der beim Sieg über die ETB-Miners aus Essen mit 15 Zählern und acht eingesammelten Abprallern auffiel. Karl Bühner (Paderborn Baskets) stammt eigentlich aus dem Nachwuchsprogramm von RASTA Vechta, dem er nach dessen Abstieg in die ProB 2025 den Rücken kehrte. Und der in Belgien geborene, aber mit einem deutschen Pass ausgestattete Center Nat Diallo, der vom Liga-Rivalen Bayreuth an den Rhein wechselte, ist mit seiner Wucht von 2,08 Metern stets für ein Double-Double gut. Mit im Schnitt über acht Rebounds gehört er hinter Omar Pajic (Göttingen), Wes Oba (Karlsruhe) und Dominic Parolin (Bremerhaven) zu den Top-Brettspielern der Liga. 

„Für uns geht es ganz klar darum, unsere Heimserie mit bisher zwei Siegen zu bestätigen. In unserer personellen Lage heißt es, zusammenzurücken und sich von der Unterstützung der Fans treiben zu lassen“, weiß „Frenki“ Ignjatovic, dass die Osthalle am Samstag wieder beben wird. Ähnlich wie das „Chauseehaus“ bei seiner Interpretation von Bata Ilic …

‍