
01.11.2026
Als Zach Cooks als „Man of the Match” das Interview bei Sport-Europe.TV-Moderator Thorsten Dlugosch beendet hatte, gehörte ihm die ganz große Bühne. Besser gesagt Teile der Osthalle. Auf der Stehtribüne warteten sie auf ihn mit Sprechchören, klatschten ihn ab, machten Selfies und baten um Autogramme. Und in den Blöcken C und D erhoben sie sich von ihren harten Sitzen, um dem 27-Jährigen zu huldigen.
„Eine Last von tausenden Pfund ist von meinen Schultern gefallen“, gab der Guard offen zu, nachdem die letzten Wochen nicht ganz so nach seinem Geschmack und vor allem nicht ganz so nach dem Geschmack des Coaches verlaufen waren. „Er hat mir aber immer gesagt, ich solle selbstbewusst bleiben. Da habe ich mir vorgenommen, immer weiterzuwerfen. Irgendwann gehen die Dinger halt auch wieder rein.“
Am Samstagabend, beim 93:82 (49:44)-Erfolg der GIESSEN 46ers am siebten Spieltag der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA gegen die Tigers Tübingen, waren es immerhin 63 Prozent seiner Würfe, dazu die volle Ausbeute an der Freiwurflinie, so dass Cooks mit 21 Zählern zum Topscorer und mit sechs eingesammelten Abprallern auch noch zum Top-Rebounder des Matches avancierte. „Ich fühle einfach nur große Erleichterung.“
Das ging „Frenki“ Ignjatovic ähnlich. „Es war ein ganz, ganz wichtiger Sieg für uns. Wir haben top verteidigt, hatten fünf Leute, die zweistellig gepunktet haben, außerdem hatten wir endlich auch offensiven Input unserer Guards“, studierte der Gießener Cheftrainer in der Pressekonferenz genüsslich die Stats, ehe er es sich im Kreise einiger serbischer Freunde im VIP-Raum eins, zwei Kaltgetränke „aus dem Herzen der Natur“ genehmigte. „Die haben wir uns alle heute redlich verdient.“
Und dies, obwohl, wie es Ex-46ers-Profi und TV-Co-Kommentator Roland Nyama betonte, „ein schönes Spiel für die Fans, nicht aber unbedingt für die Trainer“ war. „Tübingen hat wirklich viel geworfen, uns aber in deren Defense viel Platz gelassen. Den haben wir am Ende auch gut genutzt“, zeigte sich Luis König Figge zufrieden mit 93 Zählern der Männerturner und einer Wurfquote von 51 Prozent. „Wir haben echt kein schlechtes Spiel gemacht. Dass es am Ende nochmal eng wurde, war unnötig“, spielte Robin Benzing auf jene Phase an, als die „Raubkatzen“ bis auf vier Punkte (61:65, 28.) herankamen, sich nach 34 Minuten und einem Floater von Daniel Norl zum 86:68 (34.) aber endgültig geschlagen geben mussten.
Als der Capitano höchstselbst 32 Sekunden vor der Schlusssirene im Rückwärtsfallen den 93:82-Endstand besorgte, erkannte auch Gästecoach Felix Banobre die Niederlage an und klatschte den 167-fachen Internationalen ab, obwohl noch 32 Sekunden zu gehen waren. „Ich bin o.k. mit unserem Spiel. Wir haben heute viel gelernt, das war mir von Anfang an bewusst“, zeigte sich der in London geborene Spanier, der im Sommer aus Bochum an den Neckar gekommen war, wie immer als fairer Sportsmann.
Der erleben durfte, wie seine Jungs aus allen Lagen schossen, am Ende satte 38 Dreier genommen hatten, bei ihrer Quote (29 gegenüber 37 Prozent der 46ers) aber deutlich hinter den Gastgebern zurückstehen mussten. „Gerade Luis König Figge, Alex Williams und auch Tyler Peterson haben die starken Tübinger Schützen wie Tim Smith und Isaac Haney weitestgehend aus dem Spiel genommen. Das war der Schlüssel unseres Erfolges.“ Er fühle sich „großartig“, ergänzte beispielsweise der erst eine gute Woche in Mittelhessen weilende Tyler Peterson die lobenden Worte des Übungsleiters. „Ich habe aber noch viel Luft nach oben. Ich werde aber meinen Rhythmus noch finden, da bin ich mir ganz sicher.“
Diesen drückte der Altmeister den Gästen aber von Anfang an auf. Nur bis zum 5:4 (2.) führte Tübingen, danach hatte Gießen den Fuß am Bodenblech. Und am Ende auch jene Protagonisten in seinen Reihen, die an diesem Abend – ergänzend zu Zach Cooks – den Unterschied ausmachten.
Wie beispielsweise Tyler Peterson, dessen vier Treffer bei zehn Versuchen zwar ausbaufähig waren, der aber mit acht Assists und als Bodyguard zum zweiten Mal im 46ers-Leibchen Akzente zu setzen wusste. Wie der zuletzt vom Coach gescholtene Nigel Scantlebury, der in 21 Minuten 13 Punkte beisteuerte, der selbstbewusst auftrat und sich keinen Patzer erlaubte. Wie der ebenfalls kritisierte Alex Williams, der zwei eminent wichtige Dreier zum 49:43-Halbzeitstand per Buzzerbeater und zum vorentscheidenden 89:71 (35.) einschweben ließ.
Wie Leader Robin Benzing, der im dritten Viertel aufdrehte wie ein Duracell-Hase und neun Punkte in Serie beisteuerte. Einen Treffer von jenseits der 6,75-Meter-Linie zum 59:53 (23,), ein Drei-Punkte-Spiel zum 62:56 (24.) und einen abermaligen Kracher aus dem Nirwana zum 65:56 (26.). Und wie Viktor Kovacevic, der laut „Frenki“ Ignjatovic mit null Punkten bei sechs Versuchen aus der Ferne zwar „einen rabenschwarzen Tag“ erwischt hatte, der aber aus der Nahdistanz (fünf von sieben) ordentlich ablieferte.
Dass die 46ers schließlich an der Freiwurflinie zu 74 Prozent trafen, die Dreierquote (37 Prozent) stimmte und nur sieben Ballverluste stark waren, setzte einem gelungenen Abend die Krone auf. Einem, der den 46ers im Duell der Altmeister laut Robin Benzing „Aufwind“ für den Gipfel am kommenden Samstag in Heidelberg verliehen hat. Zumal Zach Cooks, aber auch andere, endlich in Gießen angekommen sind und sich feiern lassen durften.
Gießen: Scantlebury (13), Cooks (21), Williams (8), Benzing (16), Norl (7), König Figge (6), Müsse, Gloger, Kovacevic (11), Peterson (11).
Tübingen: Smith (4), Warnholtz (6), Kamp (8), Richardson (19), Santana (2), Haney (17), Sjölund (14), Ani (3), Heberle (n.e.), Feneberg (5), Morisch (4).
UND SONST NOCH …