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08.11.2026

Hätte, hätte, Fahrradkette

Hätte, hätte, Fahrradkette: Wer den Teambus in der Erkenntnis besteigt, dass wieder einmal bei einem Top-Team mehr drin gewesen wäre, dass wieder einmal die Wurfquote nicht dazu gedient hätte, irgendjemanden zu besiegen, dass wieder einmal ein eigentlich ambitionierter Konkurrent zu schlagen gewesen wäre, der schiebt nun mal Frust, wenn die nächtliche Autobahn wartet. 

„Wenn nur mehr reingefallen wäre, hätten wir eine Chance gehabt“, haderte Luis König Figge mit der miesen Wurfquote. „Wenn du die freien Würfe nicht triffst, gewinnst du gegen kein Team der Liga“, zeigte sich Kapitän Robin Benzing nicht besonders amüsiert über den zweitschlechtesten Score dieser noch jungen Saison in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA. Und Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic ärgerte sich an alter Wirkungsstätte: „Heute hat das weniger schlechte Team gewonnen.“ Das leider nicht aus Mittelhessen kam. 

Nach „zwei grundsoliden Auftritten“ bei den EPG Baskets Koblenz und gegen die Tigers Tübingen, so der 60-Jährige, verloren seine GIESSEN 46ers am Samstagabend bei BBL-Absteiger MLP Acedemics Heidelberg mit 65:76 (28:39). Es war nach den vermeidbaren Pleiten bei den Top-Teams SBB Börde Baskets Wolmirstedt (61:73) und HAKRO Merlins Crailsheim (76:83) die dritte Auswärtsniederlage im vierten Auftritt in der Fremde, der Luis König Figge jedoch auch positive Seiten abgewinnen konnte: „Zu verlieren ist immer bitter, keine Frage. Aber das Match hat uns auch gezeigt, dass wir uns vor niemandem verstecken brauchen. Wir können jeden schlagen.“ Nur halt nicht am vergangenen Samstag …

… an dem die Lahnstädter loslegten wie die Feuerwehr, an dem sie jedoch schon Minuten später gar manchen Brand zu löschen hatten. „Der Start war vielversprechend“, traute Branislav Ignjatovic seinen Augen kaum, als Gießen schnell mit 7:0 in Führung lag (3.), den Vorsprung aber auch ebenso rasch beim 7:11 (6.) wieder hergeschenkt hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren sieben 46ers-Angriffe in Serie wirkungslos verpufft. Und als die ersten zehn Minuten mit einem 21:11-Vorsprung für die Jungs vom Neckar zu Ende gingen, hatten die Gäste schon vier Ballverluste zu beklagen, hatten sieben Fouls produziert und nur einen Dreier (durch Robin Benzing zu Beginn der Partie) bei neun Versuchen versenkt.

„Ich bin echt fassungslos. Wir starten stark, zeigen uns in der Folge aber überhaupt nicht selbstbewusst. Die Wurfquoten waren eine Katastrophe. Wir haben viel zu viele schlechte Entscheidungen getroffen und hatten wieder einmal auf den Guard-Positionen zu wenig Input“, haderte Ignjatovic dieses Mal auch damit, dass Neuzugang und Leader Tyler Peterson nach zwei guten Auftritten am Samstag im SNP Dome keinen Zugriff auf das Match bekam und auch in den Abschlüssen (zwei von neun) nicht eben zuverlässig lieferte. „Das alles zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison“, so der Übungsleiter aus Belgrad.

Der im zweiten Abschnitt Hoffnung schöpfte, als Alex Williams mit fünf Zählern in Serie ein wenig aufdrehte, Robin Benzing aus dem Nirwana und von der Freiwurflinie erfolgreich war und Luis König Figge im Nachfassen vollendete. Ein 11:0-Rund bedeutete für Gießen den 22:23-Anschluss (13.), verlieh den Mittelhessen jedoch null Sicherheit. Nach einem Ballverlust von Viktor Kovacevic hatten die Hausherren ihrerseits einen 13:0-Lauf zum 36:22 abgeschlossen, doch Nigel Scantlebury hielt Gießen weiter im Spiel.

Der im Frühjahr in Slowenien noch zum „Guard of the year“ gewählte US-Boy streute fünf Zähler ein. Da auch ein Dreier von Luis König Figge in die Reuse krachte, Robin Benzing per And One verkürzte und Zach Cooks einen Dreier traf, war für Gießen vor dem letzten Viertel bei nur sieben Punkten Rückstand (51:58) noch alles drin.

Statt jedoch eine Aufholjagd zu starten, leistete sich Nigel Scantlebury ein technisches Foul, verfehlte Daniel Norl, der die komplette Woche wegen Knieproblemen nicht trainiert hatte, mit einem weiteren Dreier sein Ziel deutlich, produzierte Scantlebury einen Airball und verlegte Luis König Figge ein Solo. Heidelberg ließ sich nicht zweimal bitten, erhöhte durch den Buzzerbeater-Dreier von Chuck Harris auf 61:51 und machte spätestens beim 69:56 drei Minuten vor dem Halali durch den Ex-Gießener Kevin McClain den Deckel auf eine Partie, die die 46ers nicht hätten verlieren müssen. Ja nicht hätten verlieren dürfen.

„Wir haben zwar alles gegeben, das war aber offensichtlich nicht genug“, ärgerte sich Robin Benzing. „Am nächsten Wochenende bieten sich uns gleich zwei Chancen zur Widergutmachung“, blickte Luis König Figge schon auf die kommenden Aufgaben am Freitag gegen Nürnberg und am Sonntag in Essen voraus. 

Und „Frenki“ Ignjatovic? Der möchte eine Reaktion sehen. „Drei Siege aus den nächsten drei Partien vor der FIBA-Pause“, sind für den Deutsch-Serben Pflicht. „Dann kennen wir die Richtung, dann wissen wir, ob wir ein Playoff-Team sind oder nicht.“ 

Gerne hätte der 60-Jährige schon den Heidelberg-Trip mit einer positiven Erkenntnis abgeschlossen. Und nicht den Team-Bus bestiegen voller Konjunktive im Kopf …

Heidelberg: Harris (17), Würzner (5), McClain (12), Zipser (2), Ersek (6), Ferner (5), Brenneke (4), Rahming (8), Muszynski (6), Champion (11).

Gießen: Scantlebury (11), Cooks (5), Alex Williams (8), Benzing (12), Norl (5), König Figge (8), Müsse (1), Gloger, Kovacevic (9), Peterson (6).

UND SONST NOCH …

  • Unsere Starter: Zach Cooks, Robin Benzing, Luis König Figge, Viktor Kovacevic, Tyler Peterson.
  • Unser Konditions-Wunder: Tyler Peterson (28:18 Minuten).
  • Unser stärkster Rebounder: Viktor Kovacevic (10).
  • Unsere erfolgreichsten Passgeber: Tyler Peterson, Zach Cooks (je 3).
  • Unsere höchste Führung: 7:0 (3. Minute).
  • Unsere erfolgreichste Serie: 11:0 zum 22:23 (13. Minute).
  • Unsere emotionalen Beobachter: 2914 Zuschauer im SNP Dome, davon rund 200 aus Gießen.
  • Unser nächster Auftritt: Freitag, 13. November (20 Uhr), gegen die Nürnberg Falcons.

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