
16.10.2026
Zach Cooks kommt ein bisschen zu spät. Kein Drama. Zwei, drei Minuten. Das Schild, das den Weg zur wöchentlichen Pressekonferenz in der Zentrale des Optikers und Hörakustikers Neusehland weist, kann er nicht lesen. Noch nicht. „My German isn't that good yet.”
Hoch? Oder runter ins Untergeschoss? Auch wenn er im Sommer als Mann mit viel Speed angekündigt wurde, brauchen die Treppen ein wenig Zeit. Als der neue Floor General der GIESSEN 46ers dann aber vor Spieltag fünf in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA und dem Heimauftritt des Altmeisters am Samstag (19 Uhr) gegen die RheinStars Köln Rede und Antwort steht, sprudeln die Worte nur so aus ihm raus.
Zach, du lebst inzwischen neun Wochen in Gießen. Wo gefällt es dir in der Stadt …
Zach Cooks: Gießen ist cool. Die Stadt ist nicht groß, aber auch nicht klein. Es gibt eine Menge Restaurants, die ich ausprobiere. Mein Favorit ist im Moment das News Café. Drei- oder viermal die Woche gehe ich dorthin. Ansonsten koche ich gerne auch zu Hause. Ich mache einfach das Beste aus meinem Leben und versuche, Spaß zu haben.
… und wohin gehst du lieber nicht?
Cooks: Ich meide Plätze, an denen es nicht schön ist, ich habe in Gießen aber noch nicht so viele problematische Ecken entdeckt. Zwischen meinen Mahlzeiten und dem Gym bin ich viel zu Hause und nicht so oft draußen.
Gibt es außer dem News Café noch eine andere Location, die du in Gießen magst?
Cooks: Ja, die L'Osteria ganz oben auf dem Haus, rooftop. Wie heißt das Ding nochmal?
Dachcafé …
Cooks: Ja, korrekt, da oben schmeckt es und der Blick ist großartig. Die Pizza ist riesig, ich hole mir einen Salat, auch der ist ziemlich groß. Auch die Pasta ist klasse, es ist ein guter Spot.
Wenn du deine Wohnung verlässt und in die Stadt, ins Fitnessstudio oder in die Halle willst, dann mit dem Auto, dem Fahrrad, dem Bus oder zu Fuß?
Cooks: Ich nehme immer das Auto, das ist für uns Amerikaner normal. Wir sind einfach ans Auto gewöhnt. Rad zu fahren oder zu laufen ist nicht so unser Ding. Radfahren ist mir viel zu gefährlich. Außerdem kann ich mit dem Auto mehr transportieren.
Zum Basketball: Bist du bisher mit zwei Siegen und zwei Niederlagen zufrieden oder nicht?
Cooks: Natürlich bin ich nicht wirklich zufrieden. Wir haben im Moment großes Verletzungspech. Das hindert uns, unsere Top-Leistung abrufen zu können. Viele haben einige Wehwehchen, deshalb sind wir noch nicht bei 100 Prozent. Natürlich wollen wir die Heimspiele gewinnen. Aber leider sind wir auswärts bislang so aufgetreten, als hätten wir so noch nie zusammengespielt. Das wird sich aber ändern.
Wie sehr trifft euch der Ausfall von Chris Carter?
Cooks: Sein Ausfall ist eine große Sache. Ich muss beispielsweise auch in eine andere Rolle schlüpfen und mehr ein Playmaker sein. Jeder muss einen Schritt nach vorne machen. Wir erwarten einfach ein bisschen mehr von jedem, weil Chris quasi das Gehirn des Teams war. Und jetzt müssen wir herausfinden, wie wir ohne ihn auftreten, um jede Woche ein Stück weit besser zu werden. Grundsätzlich muss ich sagen, dass sein Ausfall für uns schon ein großer Verlust ist, größer jedenfalls, als es unsere Anhänger ahnen können. Es tut mir so leid für ihn, weil ich weiß, dass es sein großes Ziel war, mit den 46ers den fünften Aufstieg in seiner Karriere zu realisieren. Ich möchte nicht sagen, dass seine Karriere vorbei ist, aber es sieht im Moment ziemlich beschissen aus. Ich versuche, seine Stimmung hochzuhalten und zu sagen: „Bleib positiv, fahr nach München und schau, was die Ärzte dort sagen.“ Hoffentlich kann er irgendwann in unser Team zurückkehren.
Du kennst Chris Carter schon aus Jena. Wie ist deine persönliche Verbindung zu ihm?
Cooks: An Tag eins, als ich nach Jena kam, trafen wir uns eher zufällig nachts im Fitnessstudio. Seitdem sprechen wir fast jeden Tag miteinander. Er ist inzwischen wie ein großer Bruder für mich. Auch als ich letztes Jahr in Bonn war, haben wir wahrscheinlich von sieben Tagen in der Woche an fünf telefoniert. Über das Leben, über Basketball, über alles …
Auch über Donald Trump?
Cooks: Definitiv nicht!
Was dürfen die Fans von der Mannschaft, aber auch speziell von dir am Samstag gegen Köln erwarten?
Cooks: Einfach mehr Energie. Ich glaube, wir sind zeitweise wie tot in ein Spiel reingegangen, mit zu wenig Energie jedenfalls. Die Fans versuchen von Anfang an, uns großartig zu pushen, laut zu sein, zu toben. Das müssen wir begreifen und vom Start weg auf die Tube drücken
Wie zufrieden bist du mit deiner eigenen Performance bisher?
Cooks: Überhaupt nicht. Ich treffe im Moment nicht gut. Ich muss wahrscheinlich ein bisschen mehr ins Fitnessstudio und mehr Würfe nehmen. Es gab bisher zu viele Leistungsschwankungen in meinem Spiel. Ich habe den Anspruch an mich, deutlich konstanter aufzutreten. Nicht, dass es immer 20 Punkte pro Spiel sein müssen, aber vielleicht zwölf oder 13, dazu fünf, sechs, sieben Assists, die auch jedem helfen, ins Spiel zu kommen. Es gibt definitiv Raum für Verbesserung, und ich werde besser werden, ganz sicher.
Was sind aktuell die größten Probleme im Team?
Cooks: Ich glaube, vom Score her sind wir ganz gut aufgestellt. Wenn du unseren Coach fragst, ist es die Defense. Wir müssen ein bisschen mehr verteidigen, ein bisschen besser. Und wir müssen mehr einfache Punkte im Transition-Spiel bekommen, Fast Breaks beispielsweise. Ich denke, es wird alles zusammenkommen. „Frenki“ Ignjatovic bringt uns in die richtige Position, um Plays und Würfe zu kreieren, wir aber müssen sie auch endlich mal reinmachen und Punkte aufs Scoreboard bringen.