Team
Verein
Spieltag

23.10.2026

Neuer Elan durch Tyler Peterson

Wenn „Frenki“ Ignjatovic über die drei Niederlagen aus den ersten fünf Spieler nachdenkt, dann hat er es mit einem Déjà-vu zu tun. Alles schon mal erlebt, alles schon mal gesehen. Irgendwie beschleicht den 60-Jährigen ständig das starke Gefühl, alte Situationen in neuer Umgebung zu erleben. 

Erst bei den SBB Börde Baskets aus Wolmirstedt, als Kenny Cooper nach der Pause heiß lief und fast im Alleingang mit 22 Punkten für die 61:73-Niederlage des Altmeisters, der zu diesem Zeitpunkt selbst nur noch 25 eigene Zähler zustande gebracht hatte, sorgte. Dann Booker Coplin bei den HAKRO Merlins Crailsheim, der im dritten Viertel (26:16 für die Hausherren) plötzlich aufdrehte und am Ende satte 24 Zähler zur 76:83-Niederlage der Männer von der Lahn beisteuerte. Und schließlich vergangenen Samstag Cedric Russell, der mit 26 Punkten zum Topscorer der RheinStars Köln bei deren 78:76-Coup in der Osthalle avancierte. „Immer eskaliert einer, immer bekommen wir eine Halbzeit lang irgendeinen Profi unserer Gegner nicht in den Griff …“ 

Was sich am kommenden Montag (19.30 Uhr) am sechsten Spieltag der Saison 2026/27 in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA als Gast der EPG Baskets Koblenz ändern soll. Radikal ändern soll. Und muss! Denn die 46ers wollen wieder in die Spur. Mit neuem Elan. Mit neuer Leidenschaft. Und mit neuem Personal. 

US-Pointguard Tyler Peterson, zuletzt (Achtung: Wortspiel …) am Balaton am Ball, hat zwei, drei Trainingseinheiten absolviert und sich in Osthalle und Rivers den Jetlag aus dem Körper gedribbelt. „Wir alle erwarten viel von ihm“, hat Branislav Ignjatovic die große Hoffnung, durch den 28-Jährigen mehr Struktur in die Offense und mehr Biss und Galligkeit in die Defense zu bekommen. Eine Art Begleitschutz für die herausragenden gegnerischen Werfer soll endlich der Vergangenheit angehören. „Sie müssen gestellt, bearbeitet und beschäftigt werden.“ 

Schließlich will Gießen zurück auf einen Playoff-Platz, wofür ein Sieg (angesichts kommender Hürden gegen Tübingen und in Heidelberg) nicht von Nachteil wäre. Und da auch die bisher nicht den Erwartungen entsprechenden Nigel Scantlebury und Zach Cooks durch die Nachverpflichtung von Tyler Peterson zumindest hellhörig wurden, ist „Frenki“ Ignjatovic vor den kommenden Aufgaben nicht bange: „Konkurrenz belebt nun mal das Geschäft …“ Was nach den Enttäuschungen der letzten Wochen, der vom Coach als „Albtraum“ bezeichneten zweiten Halbzeit gegen Köln, der Knieverletzung von Leader Chris Carter, der Fingerverletzung von Rookie Alex Williams und dem zwischenzeitlichen Fehlen von Center Kai Müsse auch dringend vonnöten war. „Denn“, so Ignjatovic: „Mit acht Profis kannst du mal die eine oder andere Woche durchhalten, die Playoffs zu erreichen, wird aber schwer.“ 

Nun also ein Montagabend am Deutschen Eck, an das der Altmeister allerdings keine guten Erinnerungen hat. Calvin Wishart, heute in der BBL für Würzburg aktiv, „erlegte“ die 46ers im Januar mit 24 Punkten. Und Kurzzeit-Verpflichtung Abu Kigab wurde zum tragischen Helden, als er sechs Sekunden vor dem Ende beim Stande von 91:92 zum Tempogegenstoß ansetzte, statt smart zu vollenden sich aber im Eifer des Gefechts den Ball gegen Brust und Arm warf und er schließlich mit dem Spielgerät im Aus landete. Ignjatovic: „In Koblenz ist Wiedergutmachung angesagt!“ 

Gegen eine EPG-Truppe, die vergangene Saison auf Playoff-Kurs schipperte, die aber nach einer schwachen Rückrunde hinter den Erwartungen zurückblieb. „Das Projekt ist ambitioniert“, weiß „Frenki“ Ignjatovic, dass sich die Männer von unterhalb der Festung Ehrenbreitstein mittelfristig auch nicht mit Mittelmaß zufriedengeben wollen. Sie haben ihre deutschen Spots mit Badu Buck, Jannis Sonnefeld, Alexander Möller und Jonas Niedermanner behalten, ihre Übersee-Profis aber allesamt verloren oder ausgetauscht. 

Coach Stephan Dohrn setzt – wie Gießen auch – auf einen „Frenki“, der sich im Gegensatz zum 46ers-Übungsleiter allerdings mit „a“ und am Ende mit „e“ schreibt. Frankie Collins heißt der neue Mann am Koblenzer Ruder, der seit wenigen Tagen den schwer verletzten Tyren Moore ersetzen soll. Der 1,85 Meter große Guard wird ebenso wie Tyler Peterson am Montag seine Premiere feiern. Collins hat in seiner Karriere für vier renommierte Colleges insgesamt 116 Partien absolviert. Er hält den Rekord an der Arizona State University für die meisten Steals in einer Saison und wurde in der Vergangenheit zweimal in das All-Defensive Team der Pacific-12 Division gewählt. 

Coach Stephan Dohrn glaubt: „Frankie Collins wird uns durch seine Qualitäten sofort weiterhelfen. Er ist ein vielseitiger Aufbauspieler, der für das Team agieren, aber auch selbst scoren kann.“ Und Sportvorstand Thomas Klein ergänzt: „Collins ist ein dynamischer Point Guard, der mit seiner Intensität sowohl offensiv als auch defensiv Einfluss auf das Spiel nehmen kann. Seine schnellen Hände und sein Druck auf den Ball ermöglichen es ihm, gegnerische Angriffe zu stören und unmittelbar Tempo für unser eigenes Spiel zu entwickeln.“ 

Außerdem neu im Koblenzer Kader, dies aber schon seit Sommer: US-Point Guard Chase Forte Johnson (Boston College), die Small Forwards Jayden Williams (Dartmouth Big Green) sowie der aus Rumänien stammende Dragos Diculescu (Köping Stars/Schweden) und die Center Cameron Tongue (BC Kalev Cramo Tallin/Estland) sowie ProB-Profi Ferenc Gille (BG Hessing Leitershofen).

Tongue kann, wie beim Sieg gegen Bayreuth, schon mal für 25 Punkte sorgen oder wie beim 92:80 gegen die Artland Dragons acht Rebounds herunterpflücken. Williams ist ein ausgewiesener Dreierspezialist, der selten nur einstellig punktet. Diculescu gilt als starker Rebounder, hat aber auch einen Blick für seine Nebenleute, was die neun Assists gegen Quakenbrück gezeigt haben. Und Johnson ist ein Allrounder, der in allen Stats vertreten ist, wie seine neun Punkte und acht Rebounds bei der unglücklichen 66:69-Buzzerbeater-Niederlage als Gast der SBB Börde Baskets zeigten. 

„Koblenz hatte eine lange Durststrecke. Die wollen sie beenden“, kennt „Frenki“ Ignjatovic die Ziele der EPG-Baskets. Der Mann aus Belgrad bezieht seine Einschätzung auf die vergangenen Jahre. Die Durststrecke der GIESSEN 46ers dauerte bisher nur zwei Wochen. Sie soll am Montag enden und nicht wieder zu einem Déjà-vu führen.

‍