
02.10.2026
Am World-Smile-Day ist den GIESSEN 46ers das Lachen vergangen! Eine Woche nach dem zufriedenstellenden 91:87-Erfolg zum Start in die Spielzeit 2026/27 der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA gegen die Artland Dragons und keine 43 Stunden vor dem sonntäglichen Duell (15 Uhr) gegen die etwas überraschend mit 73:70 gegen die Eisbären Bremerhaven erfolgreichen VfL SparkassenStars Bochum unterlagen die Mittelhessen bei den SBB Börde Baskets am Ende sang- und klanglos mit 61:73 (36:36).
Es war eine Niederlage, die Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic mächtig aufs Gemüt drückte: „Das, was wir heute erlebt haben, war echt bitter. Wir hätten Wolmirstedt besiegen können, ja müssen. Wer zu Hause nur 73 Punkte macht, ist zu schlagen, definitiv.“ Zur Wahrheit gehörte aber auch, dass 61 eigene Zähler, wie es Kapitän Robin Benzing treffend formulierte, „niemals reichen, um gegen irgendjemanden bestehen zu können. Da hast du gegen keinen in dieser Liga eine reelle Chance.“
Was der 37-Jährige meinte, waren magere 21 Prozent (sechs von 28) von der Dreierlinie und nur 16 Treffer bei 40 Würfen aus der Nahdistanz. Da Benzing selbst (zwei von zwölf), Regisseur Zach Cooks (eins von neun), gegen Quakenbrück noch Topscorer, sowie Nigel Scantlebury und Viktor Kovacevic (je vier von zehn) „Fahrkarten“ schossen ohne Ende, Daniel Norl überhaupt nicht ins Spiel fand und die Gäste sowohl am offensiven als auch am defensiven Brett klar unterlegen waren (31:47 Rebounds), durfte der 167-fache Internationale auf dem Weg zum Mannschaftsbus mit Fug und Recht von einem „verdienten Sieg“ der SBB Börde Baskets sprechen.
Unter dem Strich kamen die Gäste bei den ohne Kirchheim-Neuerwerbung Aeneas Jung (Kieferbruch) angetretenen Männern aus Sachsen-Anhalt nur schwer in die Partie. Die Mittelhessen führten durch einen Dreier von Alex Williams zwar mit 7:5 (3.), sollten hernach jedoch bis zum Start in den dritten Abschnitt nur noch der Musik hinterherlaufen. Ein Airball von Alex Williams sowie ein Technisches Foul gegen die Bank, da vier ausländische Profis kurzzeitig auf dem Feld standen, waren Zeichen der Verunsicherung, die nur noch nicht in Gänze zum Vorschein kam, da Nigel Scantlebury Gießen mit sechs Punkten in Serie beim 13:16 (9.) noch im Spiel hielt.
Nach einer ersten Standpauke des Übungsleiters beim 15:24-Zwischenstand (12.) schien das Match im zweiten Viertel zu kippen. Alex Williams ließ einen Dunk in die SBB-Reuse krachen (19:26, 13.), Till Gloger verwertete einen Klassepass von „Auge“ Robin Benzing (21:26, 14.) und stellte höchstpersönlich auf 29:31 (17.), als der Ex-Rostocker den massigen Brock Gardner unter dem Korb locker beiseite beförderte. Als dann auch noch Chris Carter seine linke Klebe auspackte und zwei Würfe von Downtown einschweben ließ, verließen die Gäste zur Halbzeitansprache erhobenen Hauptes die nach dem vor drei Jahren verstorbenen Ex-DDR-Handball-Nationalspieler Wolfgang Lakenmacher benannte Halle in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt.
Doch statt selbstbewusst aus der Kabine zurückzukehren, brachten die 46ers im dritten Abschnitt nur mickrige elf Punkte zustande. Chris Carter handelte sich schon früh sein drittes Foul ein, Alex Williams zog sich eine wahrscheinlich schwere Fingerverletzung zu und kam nicht wieder aufs Parkett zurück und Luis König Figge verlor die wegen technischer Probleme nicht vorhandene Shot Clock über den Körben aus den Augen, so dass das Drama seinen Anfang nahm. Als die Hausherren dann auch noch drei Dreier in Serie einnetzten und damit im letzten Viertel von 55:52 (31.) auf 64:52 (33.) davonzogen, war es um den Altmeister so gut wie geschehen.
„Dem Dreierhagel von Wolmirstedt hatten wir am Ende nichts mehr entgegenzusetzen“, hatte Till Gloger, auch ohne einen Blick auf die Stats geworfen zu haben, das richtige Näschen dafür, wo an jenem Abend einer der Hauptgründe für die Abreibung lag.
Nigel Scantlebury verkürzte drei Minuten vor dem Halali zwar nochmals auf 61:68, doch als ein irre weiter Verzweiflungs-Dreier von Robin Benzing sein Ziel verfehlte, war es um Gießen geschehen. Das „T“ gegen Luis König Figge, der die Unparteiischen lediglich auf Schweiß am Boden aufmerksam machen und einen Wischer anfordern wollte, setzte der Niederlage ebenso wie der letzte krachende Airball von Daniel Norl die Krone auf.
Dass „Frenki“ Ignjatovic vor der rund vierstündigen Fahrt an die Lahn von einem „gebrauchten Tag“ und einem „chaotischen Abend“ sprach, war der Tatsache geschuldet, dass in der Halle in Magdeburg sowohl die Schussuhr als auch die Spielzeituhr ausgefallen waren. „Ich wusste zwischendurch oft selbst nicht, wie lange ein Angriff noch dauern darf und wie lange überhaupt noch zu spielen ist. Das habe ich bisher echt selten erlebt.“
Noch bitterer: Nach Center Kai Müsse (Außenbandriss im rechten Sprunggelenk) wird mit Alex Williams der nächste Big Man ausfallen. „Ich möchte nur ungern eine Prognose abgeben, aber die Fingerverletzung sah nicht gut aus. Ich befürchte Schlimmes.“ Physiotherapeut Johannes Dersch tapte den Rookie, der sich an diesem Samstag in Gießen in ärztliche Obhut begeben wird.
Der misslungene Auftritt an der Elbe hatte aber auch Positives für den Gießener Tross parat, wenngleich dies an der Niederlage überhaupt nichts änderte. „Wir haben keine Zeit zum Weinen, der nächste Gegner wartet“, brummelte Branislav Ignjatovic, dem am World-Smile-Day das Lachen längst vergangen war.
Wolmirstedt: Evans (3), Nawrocki (3), Gardner (17), Hill (7), Bogdanov (10), Brach (9), Cooper (22), Ceesay, Jonah (2), von Oertzen, Raabe.
Gießen: Scantlebury (10), Genius (n.e.), Cooks (2), Carter (6), Williams (7), Nickel (n.e.), Benzing (8), Norl (2), König Figge (4), Gloger (13), Kovacevic (9).
UND SONST NOCH …