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24.09.2026

Nur fünf Spiele in 33 Jahren verpasst

Willi Wichard, der am Sonntag 90 Jahre alt wird, fiebert zusammen mit seiner Frau Sigi dem Saisonstart der GIESSEN 46ers entgegen.

Ruder-Ergometer, ein bisschen was für die Beine an den Geräten, Hanteltraining. Der Dienstagvormittag in den zahllosen Räumlichkeiten des TV Wetzlar in der Spilburg steht eigentlich ganz im Zeichen der Fitness, die quasi seine DNA ist. Kein Wunder bei einem Mann, der mit seinem Rennrad aus dem Hause der Wiesecker Radsport-Legende Friedel Wicke in zwei Jahrzehnten schon mal 120.000 Kilometer zurückgelegt hat. Alle Achtung! Ein Wunder aber bei einem Mann, der an diesem Sonntag 90 Jahre alt wird. Was ihm körperlich und mental beim Besuch des Vertreters der GIESSEN 46ers, wegen dem die Mucki-Bude erst einmal warten muss, niemand anmerkt.

Warum wir das alles erzählen? Weil Willi Wichard so gut wie zum Inventar der 46ers gehört. Seit 1993, seit 33 Jahren, seit dem 50. Geburtstag seiner Frau Sigi, haben die beiden Senioren Dauerkarten in Gießens „Guud Stubb“. Und in dieser Zeit viel erlebt. Profis und Trainer kommen und gehen sehen. Aufstiege gefeiert und Abstiege verdaut. Die Zeiten von Corona überstanden. Vor allem aber viele schöne Stunden verbracht. Im Foyer. Aber auch an der Bar unter der Haupttribüne.

„Basketball ist unsere ganz große Leidenschaft. Wir gehen nun in unsere 34. Saison und haben in all den Jahren maximal fünf Partien verpasst“, berichtet Sigi Wichard nicht ohne Stolz, dass die 46ers beiden ans Herz gewachsen sind. „Der Club ist unsere Familie.“ Und wenn der Altmeister mal nicht oder aber auswärts spielt, dann startet die 83-Jährige ihren Wagen in Richtung Buderus-Arena, um die Rollstuhlbasketballer des RSV Lahn-Dill zu unterstützen. Immer an ihrer Seite, in diesem Fall auf dem Beifahrersitz: Göttergatte Willi, der sich oft und gerne auch lieber aufs Fahrrad schwingt. Denn: „Autofahren ist mir inzwischen viel zu gefährlich.“

Zu Hause in einer ruhigen Wohngegend am Wetzlarer Sturzkopf hinter dem Krankenhaus ist alles auf Basketball ausgerichtet. In seinem Arbeitszimmer, in dem (natürlich) ein Ergometer steht, ist ein Court aus Legosteinen aufgebaut. Entlang der Kellertreppe und in den verschiedenen Kellerräumen hängen Fotos aus alten, erfolgreichen MTV-, LTi- oder Avitos-Zeiten, von der Nationalmannschaft oder von Dirk Nowitzki. Und auf der Stiege nach oben liegen eine mit Unterschriften versehene, orange Nylon-Kugel nebst einigen Fabius-Maskottchen, die Willi in den Auszeiten in der Osthalle, wenn das 46ers-Maskottchen auf den Plan tritt, gefangen hat.

Und wenn die „Frenki“ Ignjatovics Jungs mal keinen Sprungball haben? Dann läuft bei Magenta die EuroLeague oder bei SportEurope-TV ein anderes Match aus der ProA. Und was passiert, wenn die werte Gattin mal beim Bergdoktor dösen oder einen spannenden Tatort sehen möchte? Willi Wichard beruhigt: „Das kommt nicht vor, beim Thema Basketball sind wir uns einig.“ Also: Lieber Panathinaikos Athen gegen Roter Stern Belgrad oder die Artland Dragons gegen die Eisbären Bremerhaven statt eines schmachtenden Hans Sigl oder eines ermittelnden Dietmar Bär. Nur so geht's, nur so lässt man sogar eine Diamante Hochzeit hinter sich, nur so bleibt man im wahrsten Sinne des Wortes am Ball. Am Basketball.

Was Gründe, was einen Ursprung hat. Denn Sigi Wichard, geboren in Frankfurt an der Oder, spielte einst bei den MTV-Damen zusammen mit Ursel Stiller oder Uta Lindenstruth, ehe sie in die Funktionärsebene wechselte und lange als Stellvertreterin von Abteilungsleiter Wolfgang Schreier die Geschicke beim TV Wetzlar mitbestimmte. Und der eigentlich aus Gelsenkirchen stammende Willi Wichard trainierte beim TVW eine Damen-Mannschaft, die ins Leben gerufen wurde, weil die Europäischen Jugendspiele 1990 in der Domstadt Station machten. Dass sich die beiden natürlich irgendwann Ende der 50er-Jahre beim Sport, beim Basketball, kennen- und lieben lernten, ist Chronistenpflicht.

Seit nun 33 Jahren sitzen Sigi und Willi Wichard in der Osthalle in Block G. Was auch zur neuen Runde so sein wird. Nur nicht mehr mittendrin, sondern an der Treppe. Sigi: „Die Hüfte zwickt ...“
Zu Willis Geburtstag haben sie am Sonntag gut 30 Gäste ins Hotel Blankenfeld eingeladen. Was zeitlich passt, denn die 46ers, die von ganzem Herzen „herzlichen Glückwunsch“ sagen, spielen auswärts. Glück gehabt …

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