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05.11.2026

Spiel 195 wird ein ganz besonders

Es kribbelt. Es knistert. Auch wenn „Frenki“ Ignjatovic gebetsmühlenartig betont, das Match sei „eines wie viele andere auch“, so wissen zumindest diejenigen, die sich dem Sport unter den Körben ein wenig auskennen: Das 195. Pflichtspiel der GIESSEN 46ers unter der Regie des Mannes aus Belgrad ist ein ganz besonderes – zumindest für den 60-Jährigen.

Denn am Samstag (19.30 Uhr), wenn für die Lahnstädter mit dem Auftritt bei den MLP Academics Heidelberg der achte Durchgang der Saison 2026/27 in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA auf dem Programm steht, kehrt Ignjatovic viereinhalb Jahre nach seinem nicht ganz freiwilligen Abschied an den Neckar zurück. Nicht mehr „enttäuscht und verletzt“ wie damals, schließlich hatte er das Team aus dem SNP Dome, den er als Verantwortlicher aus Gründen der Corona-Pandemie nie voll besetzt erlebt hatte, gerade erst in die BBL und es dort auch zum Klassenerhalt geführt. Aber mit „großer Vorfreude“, denn „viele alte Bekannte, viele Freunde und viele Fans warten auf mich.“ 

Dass die Rückkehr nicht die erste, sondern in Wahrheit schon seine zweite ist, will der 46ers-Übungsleitzer gar nicht unter den Tisch kehren. Er hatte es nur niemandem verraten, dass er als Zuschauer im September zum Pokalspiel der Academics gegen Oldenburg vorbeischauen würde. Sogar seine Karte hatte er über die Niedersachsen gekauft, wie er erzählt. Und natürlich habe es nicht lange gedauert, ehe er erkannt worden sei. Kein Wunder, schließlich stand er acht lange Jahre an der Heidelberger Seitenlinie und gestaltete den Aufstieg von der grauen ProA-Maus zum BBL-Club ganz entscheidend mit. Es darf also erlaubt sein, dass es für den inzwischen stolzen Opa eine emotionale Rückkehr an die alte Wirkungsstätte werden wird. 

Noch sind nicht alle Wunden verheilt, die die Trennung trotz des Klassenerhalts nach der ersten Bundesliga-Saison 2022 verursacht hatte. Sie werden wahrscheinlich nie verheilen, der Samstag aber könnte die Schmerzen etwas lindern. Denn die GIESSEN 46ers wollen einen Sieg und fahren nach zuletzt zwei guten Auftritten bei den EPG Baskets Koblenz (83:68) und gegen die Tigers Tübingen (93:82) keineswegs als krasser Außenseiter in den Stadtteil Kirchheim. 

„Der liebe Gott hat die Situation genauso arrangiert. Wenn ich Heidelberg nicht verlassen hätte, hätte ich Gießen nie kennengelernt. Ich bin dankbar, dass es so gekommen ist. Damals konnte ich nicht ahnen, dass ich nach der Saison den Job bei den 46ers antreten würde. Aber inzwischen habe ich mich in diesen Verein, in seine Geschichte und in seine Tradition verliebt. Basketball ist das Hauptthema in der Stadt. Die Menschen leben für diesen Verein. Heidelberg hat sich diesbezüglich toll entwickelt, aber in Gießen ist das alles mal zwei“, hat Ignjatovic inzwischen seinen Frieden gefunden. Und blickt voraus ...

„Meine Mannschaft wächst mit ihren Aufgaben“, ist bei „Frenki“ Ignjatovic die Freude auf ein Duell „der beiden deutschen Traditionsmannschaften schlechthin“ enorm. „Wir möchten in die BBL, Heidelberg ist aber zum Aufstieg verdammt“, rechnet der Gießener Cheftrainer mit einem „ausgeglichenen Duell, an dessen Ende der Bessere gewinnen möge.“ 

Ob dies die 46ers sein werden, steht aktuell natürlich noch in den Sternen, zumal die Personalsituation angespannt ist. Chris Carter (Knieprobleme) fällt weiter aus; in der kommenden Woche beginnt der 34-Jährige mit Jogging. Alex Williams, der sich den kleinen Finger der linken Hand ausgekugelt hatte, spielt mit einer Schiene. Daniel Norl lag in dieser Woche im MRT, nachdem er in Koblenz nur gut drei Minuten wegen Knieschmerzen durchgehalten hatte, das Ergebnis allerdings war negativ. Und Viktor Kovacevic musste wegen einer Wurzelbehandlung kürzertreten, er ist inzwischen aber wieder schmerzfrei.

Der neue US-Guard Tyler Peterson hat voll eingeschlagen, weitere Zugänge schließt Ignjatovic derzeit aber aus, wie er kürzlich in einem Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung mit ein wenig Ironie durchblicken ließ. „Deutsche Spieler von Qualität als Nachverpflichtung sind kaum zu bekommen. Die spielen meistens schon in Heidelberg.“ 

Wen der 60-Jährige, der stets darauf verweist, dass die Academics mit US-Guard Chuck Harris, seinem unter den Brettern agierenden Landsmann Nick Muszynsky und Forward Frank Champion nur drei „echte“ Legionäre in ihren Reihen haben, meint, ist klar: Beispielsweise den ehemaligen Gießener Kevin McClain, der ob seiner Besuche in der Osthalle immer mal wieder mit einer Rückkehr an die Lahn in Verbindung gebracht wurde, der aber in Heidelberg mit im Schnitt acht Punkten stets ein Faktor ist. Beispielsweise Oberbürgermeister-Filius Niklas Würzner, der Einzige, der aus Ignjatovics Zeiten noch übriggeblieben ist. Der 32-Jährige ist, wie beim Sieg gegen die BG Göttingen, immer mal wieder für 20 Punkte gut, kann aber auch, wie zuletzt bei der Niederlage in Kirchheim, als „Lieferant“ ausfallen. 

Beispielsweise den aus Bayreuth gekommenen und auf dem Flügel wirbelnden Cantia Rahming, der immer für ein Double-Double gut ist. Beispielsweise den aus Bremerhaven verpflichteten Powerforward Lorenz Brennecke, der in Frankfurt bereits BBL-Luft schnupperte. Beispielsweise Ex-Nationalspieler Paul Zipser, der nach seinem Abschied vom FC Bayern München am Neckar eine neue sportliche Heimat gefunden hat. Und beispielsweise den Deutsch-Österreicher Erol Ersek, der immer zweistellig zu scoren in der Lage ist. 

„Heidelberg hat viele Hochkaräter in seinen Reihen. Mal schauen, wie sie mit dem Druck, gegen uns antreten zu müssen, klarkommen“, hofft „Frenki“ Ignjatovic auf eine Gießener Überraschung im SNP Dome, in dem sich seine Jungs keine Schramme einhandeln wollen.

Ganz im Gegensatz zu ihrem Trainer, dessen rechtes Auge seit einigen Tagen ein veritables Pflaster ziert. Auch wenn die Gerüchte schnell ins Feld geschossen sind: Der Barbier seines Vertrauens hatte sich an der Kürzung seiner Augenbrauen-Behaarung versucht. Und „Frenki“ dabei einen schweren Cut zugefügt …

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