
08.10.2026
Von David Heinemann
Basketball ist zum Anschauen da: Etwa wenn auf einem der diversen Streaming-Anbieter die Stars der BBL oder NBA ihr Können in den vollen Hallen demonstrieren. Basketball ist auch zum Anfassen da: Allein beim Deutschen Basketball-Bund sind knapp 300 000 Mitglieder in den rund 2200 Vereinen organisiert. Basketball ist aber auch zum Anhören da: Allein am Sonntagnachmittag waren erneut über 2000 Zuschauer in der Gießener Osthalle bei den 46ers, um den deutlichen 94:78-Heimerfolg über den VfL Bochum in der ProA zu erleben – und um aus der Osthalle einmal mehr die Osthölle zu machen.
Etwas auf die Ohren gab es für das Team aus dem Ruhrgebiet, etwas für die Ohren gibt es aber für die 46ers-Fans von Lycka Peter (23) und Henry Hellemann (25). Denn die beiden JLU-Studierenden der Fachjournalistik Geschichte nehmen den Traditionsverein von der Lahn in ihrem Podcast „Gießen – Ein verblassender Stern am deutschen Basketballhimmel?“ genauer unter die Lupe. „Wir waren beide in einem Seminar der Journalistin Luna Ragheb. Die Prüfungsleistung in diesem Seminar war es, ein Podcast-Konzept zu verfassen“, erzählt Henry Hellemann auf das Wintersemester 2025/26 zurückblickend. Und der 25-Jährige führt aus: „Worum soll es gehen? Wer sind die Protagonisten oder Protagonistinnen? Handlung?“
Und da der fünffache Altmeister damals zur gleichen Zeit sein 60. Jubiläum der ersten Meisterschaft gefeiert hatte, stand für den sportaffinen Hellemann – ursprünglich aus Kassel – das Thema schnell fest: die Geschichte der Gießen 46ers. Da Lycka Peter seit Kindertagen an eifrige Osthallen-Gängerin ist, war auch schnell die passende Projektpartnerin gefunden. „Wir haben dann ein umfangreiches Konzept verfasst, uns eine grobe Handlung mit verschiedenen Themengebieten überlegt und uns Gedanken gemacht, wen man dafür als Gast einladen könnte.“
Alles erst einmal nur in der blanken Theorie. Denn mit der Ausarbeitung des Konzepts war die Prüfungsleistung abgeschlossen und bestanden. „Wir haben aber beim Arbeiten sehr schnell gemerkt, wie motiviert wir bei der Sache waren“, erklärt Lycka Peter beim Treffen in der – wo auch sonst? – Osthalle. „Das war so cool, da haben wir uns ziemlich schnell gedacht: Warum produzieren wir das nicht einfach?“ Gesagt, getan. Ein Podcast von Fans für Fans.
Seit dem Jahreswechsel befindet sich das Gespann in der Produktion. Von der Ursprungsidee der 60-Jahr-Feier der ersten deutschen Meisterschaft und wie der Basketball damals aufgebaut und organisiert war, ist das Duo schnell weggegangen (Lycka Peter: „Das Thema trägt sich nicht lange“). Stattdessen wurden die Grundideen weiter ausgearbeitet und weiterentwickelt. „Wir haben uns gefragt, warum Gießen damals so krass war, heute aber nicht mehr?“, wirft die junge Studentin ein. Damit einhergehend sei auch schnell die Hallenthematik auf dem Zettel gelandet. Nachwuchs, Fans, Strukturen – Ideen, die sich schnell verselbstständigt haben. „Wir haben bei den Gesprächen schnell gemerkt, dass alle immer wieder dasselbe Thema angesprochen haben: die Kommerzialisierung des Basketballs“, verrät Peter, „weil diese den kleinen Vereinen die Chance nimmt, oben mitzuspielen.“ Ein weiterer wichtiger Punkt, der seinen Weg in den Podcast gefunden hat. Lycka Peter: „Wir haben gedacht, wir machen eine Folge als Audiodoku. Jetzt sitzen wir bei vier Folgen, weil es einfach so groß geworden ist und wir so viele Leute als Gesprächspartner gefunden haben.“
Viele Gesprächspartner ist das richtige Stichwort. Denn neben den Vereinsikonen Bernd Röder und Hans Heß (Hellemann: „Die konnten super viel aus ihrer Zeit erzählen und haben uns mit viel Material versorgt“) kommen unter anderem auch der aktuelle 46ers-Kapitän Robin Benzing (Peter: „Er hat uns sogar zum Mannschaftstraining eingeladen, das war richtig cool!“), die Fanbeauftragte Jennifer Achterberg, Pressesprecher Alexander Fischer, Stefan Koch sowie Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher im kleinen Studio auf dem Campus des Philosophikums I zu Wort.
Eine vollständige Chronik sei zwar nicht zu erwarten – „Das hätten wir neben dem Studium auch gar nicht geschafft“, lacht Lycka Peter –, aber auf spannende Einblicke und interessante Gesprächsrunden dürfen sich Zuhörerinnen und Zuhörer freuen. Und vielleicht, das schließt das sympathische Duo jedenfalls nicht kategorisch aus, folgt irgendwann noch eine fünfte Folge. „Vielleicht wenn wir endlich aufsteigen“, sagen beide unisono aber doch etwas scherzhaft. Bis dahin aber gibt es für die Fans der Gießen 46ers nicht nur genügend Basketball zum Anschauen und Anfassen, sondern auch zum Anhören.