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24.09.2026

Wie beim Kadamu

Skatbrüder in Mittelhessen spielen gerne „Kadamu“, was für „Kannst, darfst, musst“ steht. Kein Reizen, rasch zum Bierlachs, mehr Druck auf dem Kessel. Halt ein Match für Profis. Und solche, die einer werden wollen.

Jeder Player muss einen Grand, einen Ramsch und ein Farbenspiel absolvieren. Und er sollte taktieren, denn seine Vorderleute, können und dürfen die Runde übernehmen, müssen aber nicht. Kaum auszudenken, wenn jemand mit einem einfachen Karo-Farbenspiel startet, am Ende aber mit ein paar Luschen und einigen Damen sowie Königen noch einen Grand offen hat.
Auch die BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA startet ähnlich einer Runde „Kadamu“ in die Saison 2026/27. Manche können, manche dürfen, manche müssen hoch. Oder zumindest in die Playoffs. Und auf keinen Fall absteigen.

Natürlich wollen die GIESSEN 46ters in ihrer fünften Saison unter Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic auch zum fünften Mal in die Runde der besten Acht, die dann die BBL-Aufsteiger unter sich ausmachen, einziehen. Keine Frage nach drei Halbfinal- und einer Viertelfinal-Teilnahme. Doch der 59-Jährige warnt: „Was wir erreichen möchten, haben sich auch viele andere Teams auf die Fahnen geschrieben.“

Teams wie die Kreisbau Knights Kirchheim, Aufsteiger ETB Miners aus Essen sowie die SBB Baskets aus Wolmirstedt, die zwar mit einem Vier-Punkte-Minus nach inzwischen abgeschlossenem Nachlizenzierungs-Verfahren in die Runde starten, denen der 46ers-Übungsleiter aber dennoch viel zutraut.

Und Gießen? „Wir gehören normalerweise zu den Top Five der Liga“, glaubt der Deutsch-Serbe, der BBL-Absteiger MLP Academics Heidelberg, die HAKRO Merlins Crailsheim, die BG Göttingen und auch die RheinStars Köln ähnlich gut aufgestellt sieht wie seinen Altmeister.

Und andere ehemalige Playoff-Teilnehmer wie die VfL SparkassenStars Bochum, die Artland Dragons, die PS Karlsruhe LIONS, die Eisbären Bremerhaven, die Tigers Tübingen oder die Nürnberg Falcons? „Wir spielen in einer Liga, die sehr ausgeglichen ist“, erklärt Branislav Ignjatovic. „Vieles wird davon abhängen, wer möglichst frei von Verletzungen bleibt oder wer am besten nachverpflichtet.“

Schauen wir also im Folgenden auf die Teams, die der Deutsch-Serbe ähnlich gut aufgestellt sieht wie seine GIESSEN 46ers.

MLP Academics Heidelberg: „Unser Ziel ist der Aufstieg“, lässt Alex Vogel, der Sportliche Leiter des BBL-Absteigers, in einer vereinseigenen Kolumne unverblümt wissen. Zusammen mit seinem italienischen Coach Carlo Finetti hat er deshalb auch das Team auf links gedreht. Künftig werden MLP-Profis zu sehen sein, die entweder in der ProA bereits führende Rollen eingenommen haben oder sogar bereits in die BBL aufgestiegen sind. Angeführt wird die Mannschaft, zu der auch weiter Ex-Nationalspieler Paul Zipser, der ehemalige Gießener Kevin McClain und das bundesweit begehrte Heidelberger Eigengewächs Niklas Würzner zählen, von Powerforward Frank Champion, den es von Korihait Uusikaupunki aus Finnland an den Neckar zog. „Er ist ein guter Scorer, ein Modellathlet, er kann auf vielen Positionen spielen und hat Geschwindigkeit. Von Frank erhoffen wir uns sehr viel“, erklärt Alex Vogel. Ebenfalls neu in Heidelberg: Center Lorenz Brennecke, der aus Frankfurt kommend zuletzt bei den Eisbären Bremerhaven nicht glücklich wurde. Guard Chuck Harris von den Kreisbau Knights Kirchheim, der vergangene Saison für die Schwaben schonmal 33 Punkte in einer Partie erzielen konnte. Top-Rebounder Cantia Rahming verließ Bayreuth, um bei den Academics erfolgreich zu sein. Joschka Ferner verbrachte zuletzt fünf Jahre bei RASTA Vechta. Und der Ex-Kirchheimer Nick Muszynski kam vom niederländischen Erstligisten Limburg United, um Frederick King nach dessen Vertragsauflösung zu ersetzen.

HAKRO Merlins Crailsheim: Neuer Coach (Florian Flabb für David McCray), neuer Sportchef (Trennung von Bogdan Radosavljevic), neue Mannschaft, in der nach dem Playoff-Aus gegen die GIESSEN 46ers nur Gianni Otto und Till Isemann übriggeblieben sind: In Hohenlohe haben die Verantwortlichen um Geschäftsführer Martin Romig keinen Stein auf dem anderen gelassen. Mit 46ers-Floor General Simon Krajcovic sowie dem aus Linden stammenden Lucas Mayer (Kirchheim) verpflichteten sie dabei zwei in Mittelhessen bekannte Akteure. Die langen Hendrik Drescher und Luc van Slooten kamen aus Göttingen beziehungsweise Vechta, der ehemalige Nürnberger Big Man Courtney Alexander verdiente seine Brötchen zuletzt bei BC Botev in Bulgarien. Die wichtigste Crailsheimer Neuverpflichtung war allerdings der einst mit Frankfurt in die BBL aufgestiegene Booker Coplin, der bei RASTA Vechta zuletzt großes Verletzungspech hatte. Bei den „Zauberern“ trifft er nun auf seinen Ex-Coach Florian Flabb, mit dem er einst in Düsseldorf ProB-Meister wurde.

BG Göttingen: Obwohl das Aus im Playoff-Viertelfinale (1:3 gegen Kirchheim) schmerzlich war und Coach Fabian Strauß danach auch seinen Job verlor, krempelten die „Veilchen“ ihren Kader nicht komplett um. Deutsche Spieler wie Daniel Kirchner, Mathis Mönninghoff und Robin Lodders blieben, nur bei den Imports justierten die Süd-Niedersachsen, die ihre letzten drei Vorbereitungsspiele verloren und auch im Pokal gegen den MBC den Kürzeren zogen, ihr Visier neu. Mit Wes Dreamer (HLA Alicante/Spanien), Jordan Sears (VEF Riga/Lettland), Adam Ramstedt (KR Reykjavik/Island) und Kevin Buckingham (Ziel unbekannt) verließ fast die komplette Abteilung ausländischer Profis den Verein, dafür kamen mit Radvilas Kneizys, Omar Pajic und Tai Bibbs Profis, die auf eine vielversprechende Vergangenheit zurückblicken. US-Guard Tai Bibbs stand zuletzt in Finnland für Erstligisten Kouvot Kouvola 33 Minuten auf dem Feld, in denen er im Schnitt 17 Punkte zum Gelingen beisteuerte. Der aus der lettisch-estnischen Liga von Valmiera Glass Via gekommene bosnische Center Omar Pajic bringt Europapokal-Erfahrung mit zu den „Veilchen“. Und Guard Radvilas Kneizys entstammt dem hochwertigen Ausbildungsprogramm des litauischen Spitzenteams Zalgiris Kaunas, ehe es ihn über den Großen Teich aufs College zog. Da sich auch Combo-Guard Zack Jackson dazu entschieden hatte, bei der BG zu bleiben und es Zac Watson (RheinStars Köln) vom Rhein an die Leine zog, ist es nicht vermessen, dass 46ers-Coach „Frenki“ Ignjatovic Göttingen zu einer der heißesten ProA-Nummern zählt. „Wer hoch möchte, muss die BG aus dem Weg räumen.“

RheinStars Köln: Der letztjährige Neuling, der inzwischen komplett in der Kölner Motorworld am Butzweilerhof antritt, hat sich heimlich, still und leise gemausert. Mit Antonio „Booman“ Williams führt künftig ein ehemaliger Bochumer als Pointguard die Geschicke der Truppe von Headcoach Zoran Kukic. Ebenfalls von ProA-Ligakonkurrenten kamen Karl Bühner (Paderborn) und Nat Diallo (Bayreuth). Powerforward Kris Monroe (Traiskirchen Lions/Österreich) bringt jede Menge internationale Erfahrung, aber auch Athletik und Physis mit an den Rhein. Und mit Biggie Patterson (Hofstra Pride/USA) hat sich ein Small Forward vom College aufgemacht, um das deutsche Unterhaus aufzumischen. „Wir sind auf einem guten Weg“, befand deshalb unlängst auch Zoran Kukic, nachdem seine Jungs auch die Tests drei (87:77 gegen Heroes den Bosch) und vier (84:79 gegen Brüssel Basketball) zu ihren Gunsten entschieden hatten.

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