
24.09.2026
In Runde eins des Netto BBL-Pokals wollen die GIESSEN 46ers am Samstag gegen die NINERS Chemnitz eine Überraschung schaffen.
In ihrem 187. Pflichtspiel (121 Siege, 65 Niederlagen) wollen die GIESSEN 46ers im dem ProA-Saisonstart vorgeschalteten Netto BBL-Pokal am Samstag (18.30 Uhr) gegen die NINERS Chemnitz abermals für eine Überraschung sorgen. Doch Vorsicht: „Es trifft ein Zweitligist auf ein Euro-Cup-Team“, dämpft Nikola Stanic, der Assistent von Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic, bei der wöchentlichen Pressekonferenz in den Räumen des Augenoptik- und Hörakustikunternehmens Neusehland ein wenig die Erwartungen.
Denn: Hier der Altmeister, der mit dem Bus ins Artland und nach Wolmirstedt reist. Da der zweifache Playoff-Halbfinalist, der auf Napoli Basketball wartet oder zu Neptunas Kleipeda an die litauische Ostsee oder zu Tofas Bursa ans türkische Marmarameer fliegt. „Da sind wir klarer Außenseiter. Aber einer, der sich teuer verkaufen möchte“, verspricht Stanic.
Dem kann der selbsternannte Capitano Robin Benzing („Es hat sich noch keiner bei mir beschwert, dass ich dieses Amt weiter ausfülle“) nur beipflichten: „Gegen Chemnitz gilt es für uns, den besten Basketball zu zeigen. Sie werden in der BBL sicher wieder eine starke Rolle spielen, doch im Pokal ist alles möglich. Es ist eine Bühne, auf der wir uns zeigen und unseren Aufwärtstrend der letzten Spiele fortsetzen wollen.“
Zur Erinnerung: Nach zwei Testspielniederlagen zu Beginn der Vorbereitung in Koblenz (81:88) und Hagen (91:102) gewannen die Mittelhessen souverän in Göttingen (95:80) und sicherten sich durch einen 99:66-Erfolg über die Gmunden Swans auch die Finalteilnahme beim Turnier in Salzburg, wo sich nur die Tschechen von Pisek Srsni bei der (79:87)-Niederlage als zu stark erwiesen. „Wir hatten große Reisestrapazen, insofern haben wir uns in Österreich aber richtig gut verkauft“, so der 37-jährige 46ers-Anführer.
Die 64:89-Abreibung in Chemnitz aus der zweiten Pokalrunde im Oktober vor drei Jahren ist vergessen, die guten Erinnerungen leben auf. Beispielsweise die, dass Luis König Figge und Chris Carter unter Dauerbrenner Rodrigo Pastore am Ende der Corona-Abbruch-Saison 2019/20 in die BBL aufgestiegen sind.
„Da hatten wir mit Malte Ziegenhagen, Niklas Wimberg oder Georg Voigtmann eine echt krasse Truppe zusammen“, erinnert sich Luis König Figge. Und der Neu-Gießener Chris Carter hält noch immer Kontakt zum argentinischen Coach der NINERS, der am Rande des Erzgebirges in seine elfte Saison geht und damit zum Sinnbild des Chemnitzer Aufstiegs im bundesdeutschen Basketball geworden ist.
„Von Jahr zu Jahr ist es unter ihm in Sachsen immer ein Stück aufwärts gegangen“, weiß Nikola Stanic, dass die Truppe aus der drittgrößten Stadt des Landes auch in der kommenden Saison zu den klaren Playoff-Anwärtern zählt, aber auch im internationalen Geschäft ein gewichtiges Wörtchen mitreden kann. „Sie haben 15, 16 Profis an Deck und sind gerüstet für Großes in der kommenden Saison.“
Angeführt werden die NINERS, die vergangenes Wochenende nach der 68:74-Niederlage im Test gegen Legia Warschau von einer „erkenntnisreichen Generalprobe“ sprachen, vom Ex-Bamberger Cobe Williams. Ihm assistieren die beiden US-Guards Phlandrous Fleming (neu aus Nancy) und Yohan Choupas (neu aus Chalon) sowie der Kanadier Stefan Smith, der mit der Empfehlung von im Schnitt 16 Punkten aus Ludwigsburg kam. Unter den Brettern arbeiten Jannis von Senckendorff (neu aus Bremerhaven), der Ex-Düsseldorfer Alexander Richardson, der aus Israel verpflichtete Darion Atkins und Nighael Ceasar, der zuletzt in der rumänischen Metropole Cluj aktiv war. Und auf den Flügeln sorgen der letztjährige ProA-MVP Ben Burnham (Artland Dragons), der aus Trier gekommene US-Forward Urald King, der schon in Israel, Finnland, dem Kosovo, Österreich, Frankreich und Dänemark auflief, sowie der mit jeder Menge BBL-Erfahrung (Heidelberg, Bamberg, Ludwigsburg) ausgestattete Mateo Seric für jede Menge Punkte.
„Chemnitz ist auf jeder Position quasi dreifach besetzt. Das Team vereint jugendliche Unbekümmertheit mit Erfahrung, es hat sehr dominante Guards und spielt äußerst aggressiv“, beschreibt Nikola Stanic den „typischen Stil eines argentinischen Übungsleiters“. Der seit 2015 in der Heimatstadt von Ex-Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt Regie führende Mann aus Buenos Aires war selbst in Deutschland (Bayreuth, Bonn) aktiv, war lange in Italien aktiv und wurde mit Lugano Schweizer Meister. Nach sieben Jahren und einem Titel als Trainer bei den Eidgenossen stieg Pastore vor elf Jahren bei den NINERS Chemnitz ein.
Und die GIESSEN 46ers? Sie vermelden alle Mann an Bord und freuen sich darauf, endlich nach vier Wochen harter Vorbereitung auch einmal vor heimischem Publikum antreten zu können. Zu ihrem 187. Pflichtspiel, in dem sie möglichst ihren 122. Sieg feiern wollen.