Saisonaus nach Overtime-Drama – Rackelos unterliegen Panthers mit 100:101

Foto: Sven Kuczera Photography

Saisonaus nach Overtime-Drama – Rackelos unterliegen Panthers mit 100:101

Sie tanzten, lagen sich in den Armen und rissen sich die Jerseys vom Leib: Die im entscheidenden dritten Viertelfinalspiel siegreichen wiha Panthers Schwenningen feierten ihren Last-Minute-Sieg nach Verlängerung ausgelassen, während die Akteure der Depant GIESSEN 46ers Rackelos bedröppelt zu Boden gingen. Wie schon im Vorjahr sollten die Mittelhessen im Alles-oder-nichts-Spiel nach Verlängerung ausscheiden. Erneut war es dabei Bill Borekambi, der am Samstagabend vor 800 Zuschauern mit seinem finalen Korbleger großen Anteil am Erfolg seines Teams hatte. In Diensten der Rostock Seawolves hatte der Forward mit einem Double-Double auch am Ende der letzten Saison zum Playoff-Aus der Gießener beigetragen.

Der Parallelen ist damit aber noch nicht genug: Denn erneut können die Rackelos auf eine sportlich erfolgreiche Saison zurückblicken und mit erhobenen Hauptes das Feld räumen. Bjarne Kraushaar, Alen Pjanic, Leon Okpara und Co. haben sich weiterentwickelt. Routinier Johannes Lischka stellte nicht nur durch seine 27 Punkte gegen Schwenningen unter Beweis, dass er längst nicht zum alten Eisen zählt. Schmerzhaft vermisst haben die Rackelos jedoch US-Guard Jestin Lewis, der wegen eines Meniskusrisses am Freitag operativ behandelt werden musste und den 46ers so nicht zur Verfügung stand.

Mit einer stimmungsvollen Heimhalle im Rücken schafften es die Rackelos aber, das Fehlen ihres punktestarken Importspielers zu kompensieren. Zwei Mitteldistanzwürfe von Lischka hatten die Gießener früh in Führung gehen lassen. Der Vorsprung konnte bis kurz vor Ende der regulären Spielzeit verteidigt werden, gleichsam ließen sich die Panthers aber nie abschütteln. Ein Fastbreakabschluss von Jordan Williams zwang Gäste-Coach Alen Velcic erstmals zur Auszeit (13:7, 5.). Gießen agierte aber weiter geduldig gegen die Zonenverteidigung ihres Gegners und konnte über die Stationen 17:9, 21:14 und 28:20 den Takt vorgeben.

Ein blitzsauberer Dreier von Tim Uhlemann gleich zu Beginn des zweiten Viertels riss die Fans von den Sitzen. Fünf Punkte in Folge von Lischka – darunter ein sehenswerter Layup mit viel Hangtime – bewahrten eine knappe zweistellige Führung (38:27, 14.). Schwenningen ackerte aber nun besser um Offensivrebounds und kam durch viele zweite Chancen zurück auf Tuchfühlung. Ein Dreier von Anell Alexis veranlasste Coach Rolf Scholz kurz vor der Pause zur Auszeit. Viel passierte aber nicht mehr, weshalb es mit 50:43 in die Kabine ging.

Per Dreier eröffnete Alen Pjanic die zweite Hälfte standesgemäß. Abdulai Abaker und Alexis konterten aber auf der Gegenseite, während Gießen nun viele gute Abschlusschancen aus der Distanz liegenließ. Nach einem Jumper zum 53:56-Anschluss durch Seld Hajric stoppten Williams und Lischka aber die Blutung: Letztgenannter ließ einen tiefen Dreier durch die Reuse segeln und stellte so wieder auf 61:53 (24.). Schwenningen verbiss sich weiter in die Partie, nahm den Rackelos verstärkt den Spiel-Rhythmus und lag nach einem weiteren Dreier durch Alexis nur noch mit zwei Zählern zurück.

Der Sohn von BBL-Legende Wendell Alexis verlegte kurz darauf aber einen Korbleger im 1-gegen-0 und verletzte sich bei der Landung. Gießen matchte das zähe Ringen um jeden Ball in der Folgezeit besser und zwang die Panthers nach einem Monsterblock von Pjanic, der zugleich das 70:61 einleitete, zu einer weiteren Timeout. Ein 5:0-Run von Borekambi bis zum Viertelende weckte dann aber Erinnerungen an die Geschehnisse des letzten Jahres.

Aufopferungsvoll schmissen sich die Rackelos immer wieder nach herrenlosen Bällen und kompensierten so die Reboundstärke der Panthers. Doch auch offensiv waren den 46ers die Ideen nicht ausgegangen: Nach einem Crossover markierte Tim Köpple aus der Halbdistanz das 79:72. Die Fans goutierten längst jede gelungene Aktion des Teams mit euphorischen Anfeuerungsrufen, während der zurückkehrte Alexis per Dreier wieder für Ruhe sorgte. Zum Nackenschlag holte dann Rasheed Moore aus, der mit 13 Zählern in der regulären Spielzeit zwar unter seinen Möglichkeiten blieb, in der Crunchtime aber auf 84:86 verkürzte (38.). Per Floater sorgte Köpple postwendend für Entspannung, konnte aber nichts daran ändern, dass Borekambi prompt zum 86:88 antwortete.

Nach Freiwürfen lagen die Gießener knapp eine Minute vor dem Ende mit vier Zählern vorne. Da die Teamfoulgrenze noch nicht ausgereizt war, unterband Pjanic einen aussichtsreichen Angriff der Gäste durch Hineingreifen. Als er Sekunden später einen Steal generierte und den Ball nach vorne powerte, schien die Entscheidung nah. Abaker nutzte einen Abspielfehler aber aus, zog ein Foul und blieb 33 Sekunden vor dem Ende an der Linie tadellos (88:90). Die Rackelos erspielten sich keinen guten Abschluss, nahmen aber immerhin maximal Zeit von der Uhr. Moore nutzte diesen Spielraum zu einem vermeintlich finalen Korbleger, der sein Ziel verfehlte, aber von Alexis kontrolliert wurde, der das Tip-in zum 90:90 bestellte.

Ein Dreier des Guards bedeutete dann zugleich die erste Führung der Gäste überhaupt. Okpara blieb cool und nutzte zwei Abstauber unterm Brett, um sein Team wieder in Front zu bringen. Als Pjanic und Williams binnen kürzester Zeit mit ihren je fünften Fouls des Feldes verwiesen wurden, schienen die Würfel gefallen zu sein. An der Linie konnte Kraushaar nach einem Steal aber erneut zum 100:98 antworten. Borekambis Block nach Wurfversuch von Kraushaar und sein abschließender Korbleger machten dann jedoch den Deckel drauf.

Die Depant GIESSEN 46ers Rackelos bedanken sich bei allen Unterstützern für eine unterhaltsame Saison. Während in Mittelhessen nun die Vorbereitungen für die im September startende Spielzeit 2019/2020 beginnen, buhlen Münster, Schwenningen, Leverkusen und Bernau im Halbfinale um die sportliche Qualifikation für die ProA.

Rolf Scholz (Cheftrainer Depant GIESSEN 46ers Rackelos): „Wir werden einige Tage brauchen, um das sacken zu lassen. Wir haben viele Chancen liegen gelassen, was bitter ist, weil wir vor Allem in der regulären Spielzeit viel richtig gemacht haben. Trotz allem gilt die Gratulation Schwenningen. Unsere Mannschaft kann insgesamt erhobenen Hauptes auf eine tolle Saison zurückblicken und wir bedanken uns bei allen, die die Rackelos auch im zweiten Jahr getragen haben, sowie bei den Fans, die uns auch am Samstag wieder toll unterstützt haben.“

Depant GIESSEN 46ers Rackelos – wiha Panthers Schwenningen 100:101 (50:43)

Viertelergebnisse: 28:20, 22:23, 22:23, 18:24, OT: 10:11

Depant GIESSEN 46ers Rackelos: Bjarne Kraushaar (15 Punkte), Tim Köpple (11), Jordan Williams (17), Alen Pjanic (11), Tim Uhlemann (6), Leon Okpara (11), Johannes Lischka (27), Thomas Tshikaya (2)

wiha Panthers Schwenningen: Sergey Tsvetkov (15), Anell Alexis (19), Bill Borekambi (18), Konstantin Karamatskos (5), Rasheed Moore (19), Leon Friederici (4), Darius Pakamanis, Hannes Osterwalder (1), Abdulai Abaker (7)

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